speaker-0: Herzlich willkommen zum Schmöckercast. Heute sind wir in Folge 5 und Kerstin und ich haben unsere Naturleinenkleider angezogen, uns Schürzen umgebunden und werden jetzt nebenher einen kleinen Sauerteig ansetzen, während wir hier über ein Buch reden. Und warum ich so wirr über Kochen rede, wird gleich deutlich werden, denn das Buch, über das wir heute reden, wird vermarktet als sogenannte Treadwife-Thriller. Wir reden nämlich über Yesteryear von Caro Claire Burke, was in den letzten Wochen und Monaten zumindest so, wenn ich mal auf YouTube nach den Empfehlungen für irgendwelche Buch-YouTuber geschaut habe oder auch in anderen sozialen Medien, eins dieser Bücher war, dass mir ständig serviert wurde, wo alle irgendwie drüber gesprochen haben und ich hab's dann auch gelesen und Kerstin auch. Hallo Kerstin. speaker-1: Hallo Jana und auch von meiner Stelle aus herzlich willkommen an alle Hörer an diesem wirklich sehr, sehr heißen Sommertag, an dem man über die Freuden einer modernen Klimaanlage jubilieren würde. Aber Threadwives, die es heute geht, haben sich bewusst anders entschieden. Ja, ich bin sehr gespannt, was das heute für eine Folge und für ein Gespräch werden wird. Es ist, glaube ich, spannendes Thema, spannendes Buch. speaker-0: Wir haben auch keine Klimaanlage, weder du noch ich, aber das liegt nicht daran, dass wir uns bewusst dafür entschieden hätten. Es war einfach Dummheit, keine zu kaufen, bevor es so heiß wurde. speaker-1: Ja, das ist eindeutig Vermieterfehler. Eindeutig Vermieterfehler. speaker-0: Das stimmt. Ist nicht unsere Schuld. speaker-1: Ne, wir sind gar nie an nichts schuld. speaker-0: Nee, nee, überhaupt nicht. Außer wenn was gut läuft, so wie dieser Podcast, dann sind wir eindeutig dafür verantwortlich. speaker-1: Dann sind wir dafür verantwortlich, natürlich auch alle Hörer, uns einschalten, immer wieder streamen und uns Feedback geben, da freuen wir uns natürlich auch immer sehr darüber. speaker-0: Unsere Enabler sind das. speaker-1: Genau. speaker-0: Okay, gut, normalerweise kommt ja an dieser Stelle erst mal Kerstin's Zusammenfassung, aber weil wir ja schon gesagt haben, es ist ein Thread-Wife-Thriller, rum, werden wir jetzt als erstes mal kurz darüber reden, was eigentlich eine Thread-Wife, kurz für Traditional Wife, eigentlich so ist und was die machen. Und Kerstin hat gesagt, sie würde das jetzt schnell mit drei Sätzen mal zusammenfassen. speaker-1: Ich setze mich bloß unter Druck. Auf die drei Sätze lasse ich mich nicht festnageln. Wie du schon gesagt hast, ist Treadwife ein Wort, sich aus traditional und wife zusammensetzt. Das ist so eine Bewegung der letzten 20, 30 Jahre, die in den USA entstanden ist, mittlerweile aber auch in anderen Ländern zu finden ist. Das sind Frauen, die sich sehr bewusst für einen traditionellen Lebensstil entscheiden und den oft dann halt auch als Influencer propagieren, bewerben. Frauen, die Rolle der Hausfrau und Mutter einnehmen. Es dreht sich ganz viel diese heteronormative Kernfamilie mit traditionellen Geschlechterrollen und auch darauf, sich auf traditionelle Werte und auch traditionelle Lebensweisen zurück zu besinnen, hin zu Dinge selbst herzustellen, statt sie zu kaufen, gerade so was das Kochen angeht. Oft hat es auch religiösen Einfluss oder so einen religiösen Anklang, aber auch nicht immer. Und ist gerade in diesem Influencer-Bereich was, sehr, sehr stark esthetisiert wird, finde ich. Also das ist was, wo dann auch immer so ein bestimmter, sehr schnell wiedererkennbarer Look dabei ist. speaker-0: Genau. Ja, also du hast ja schon ganz viele Sachen gesagt. Ich gebe noch mal kurz meinen Senf zu ein paar Details dazu. Also dieses Traditional ist ja auch super eng gefasst als das, was da unter Traditional, Hausfrau und Mutter verstanden wird. Also es sind ja nicht irgendwie traditionelle Frauen, die dann irgendwie halbtags arbeiten, aber ihren Lebensmittelpunkt in der Familie sehen oder so, sondern es sind ja wirklich Frauen, die so eine idealisierte Form von früher leben. Also es hat teilweise eher was von so viel mit Tradition zu tun wie ein Mittelaltermarkt wahrscheinlich mit dem echten Mittelalter zu tun hat, würde ich sagen. Es geht ganz viel darum, gesundes Essen zu kochen, aber dann halt auch wirklich so from scratch, also von den Grundzutaten aus und so. Und dabei natürlich noch sehr gepflegt und hyperfeminin auszusehen. Also Dreadwife-Influencerinnen sind ja keine Frauen in der Kittelschürze mit Lockenwicklern, die dann da stehen und gestresst die Familie bekochen, sondern es sind überwiegend sehr normschöne, sehr hübsche, sehr, sehr herausgeputzte, sehr gut ausgeleuchtete Frauen in für die Hausarbeit eigentlich recht unpraktischen Kleidern, die dann da vor sich hin arbeiten. Und was ich auch noch ganz spannend finde, und ich glaube, das wird uns auch so bisschen zum Buch überleiten, es ist ja kein Wunder, dass es Tread Wife heißt und nicht Tread Mother zum Beispiel, weil es steht normalerweise bei diesen Inhalten nicht unbedingt das Muttersein im Mittelpunkt. Also es geht nicht unbedingt nur darum, irgendwie die Kinder besonders gut zu erziehen. Viele von denen werden auch homegescored. Und es geht auch nicht unbedingt darum, die Auseinandersetzung mit Kindern an sich oder die bestmögliche Mutter zu sein, sondern eigentlich steht im Mittelpunkt auch immer das Dasein als Ehefrau eines Mannes. Ist natürlich auch klar, man braucht einen relativ wohlhabenden Ehemann, diesen Lebensstil überhaupt pflegen zu können. Aber Es wird unheimlich viel Wert darauf gelegt, dass diese Frauen sagen, sie sehen den Mann als Oberhaupt der Familie und sie ordnen sich dem selbst auch unter. Und viele Kinder zu haben oder überhaupt Kinder zu haben, ist dann eher ein Ursprung aus diesem religiös-traditionell-konservativen Ehe-Denken. Aber jetzt nicht unbedingt so der Mittelpunkt, wie das vielleicht bei irgendwelchen Mummy-Influencern oder so der Fall wäre. Oder siehst du das anders? speaker-1: Nee, das sehe ich genauso und das ist sehr, sehr spannend, finde ich auch, weil auch wenn es sich immer sehr, stark oder eigentlich im Kern immer den Mann dreht, also auch die Existenz dieser Threat Wives, geht es nicht drum, was diese Männer eigentlich machen, sondern es geht nur darum, was die Frau machen kann, den Mann glücklich zu machen. Der Mann ist der Versorger, der Mann ist der, arbeiten geht, der die schweren Entscheidungen trifft, aber dessen Leben geht das so gar nicht. Der geht quasi aus dem Haus morgens und der kommt abends wieder und das Leben der Treadwife dreht sich darum, die Zeit, er im Haus verbringt, so angenehm wie möglich zu gestalten. speaker-0: Genau, und das wird auch ganz stark in Verbindung gesetzt, wirklich zu dem Gedanken, sich unterzuordnen oder die eigenen Bedürfnisse zurückzustellen. Und inwiefern das der Protagonistin in dem Buch gelingt oder inwiefern das überhaupt in der modernen Welt möglich und wünschenswert ist und was so was mit Leuten macht, wird in letzter Zeit in ganz vielen ShredWolf-Romanen aufgegriffen. Und Jester hier ist, glaube ich, so ziemlich der Erfolgreichste davon. Und worum geht es da denn eigentlich, Kerstin? speaker-1: Yesteryear ist die Geschichte von Natalie Heller-Milz, einer Treadwife-Influencerin, einer sehr, sehr erfolgreichen Treadwife-Influencerin, die mit ihrem Mann und fünf, bald sechs Kindern auf einer Farm in Idaho lebt. Also sie ist schwanger, ich glaube im sechsten Monat, als sie Geschichte einsetzt. Und ihren Followern präsentiert sie halt wirklich dieses perfekte traditionelle Leben. Ihr Mann ist der schwer auf der Farm arbeitende Cowboy, die Kinder, die wachsen. fähren jeder Technologie auf und sind eigentlich so kleine. Die Mädchen sind perfekte Abbilder von ihr, die Jungs perfekte Abbilder des Vaters. Und sie ist eben diese perfekte traditionelle Hausfrau, die irgendwie so zwischen Hühnerstall und Sauerteig alles mit einem Lächeln erledigt und ihr Leben ihren Mann kreisen lässt. Was die Zuschauer nicht sehen, was der Leser aber sehr, schnell mitbekommt, sind eben die zahlreichen modernen Annehmlichkeiten, die sie dann doch hat. Also auf der Farm gibt es Zahlreiche Farmhelfer, die bei dem wirklich schweren Farmarbeiten helfen. Es gibt Nannies, zwei Stück, die sich die Kinder kümmern. Es gibt eine Producerin, die den ganzen Online-Content so richtig aufhübscht und professionell aufarbeitet. Und auch so dieses traditionelle Ich stehe in der Küche ist halt auch nur für die Kamera, weil irgendwie im Nebenraum gibt es die große Mikrowelle und die Industriespülmaschine. Also es ist sehr, sehr viel Fassade. Das kriegt man als Leser sehr schnell mit. Eines Tages wacht Natalie dann aber plötzlich in einer Welt, auf die sie nicht erkennt. Sie ist in ihrem Haus, aber sie ist nicht in ihrem Haus. Es ist ihr Haus, aber ohne jegliche modernen Annehmlichkeiten. Da laufen Kinder rum, die sie als ihre Mutter bezeichnen, aber das sind nicht ihre Kinder. Und der Mann, der ist nicht Caleb, ihr Ehemann, aber der ist Caleb sehr ähnlich. Also es ist alles irgendwie alles ähnlich, aber nicht so, wie es sein soll. Und dann fällt ihr sehr, schnell auf. da ist noch ganz andere Sachen im Busch. Es gibt keinen Strom, gibt kein Handy, es gibt kein Internet. Und irgendwie setzt sich bei ihr so der erschreckende Gedanke fest, dass sie tatsächlich irgendwie im 19. Jahrhundert gelandet zu sein scheint und muss dann eben den Pionier-Albtraum leben, den sie ihren Followern die ganze Zeit als den größten Traum verkauft hat. Alle ihre Versuche zu fliehen und irgendwie, weil sie redet sich am Anfang ein, das ist eine Reality-Show, ich habe irgendwie keine Ahnung, das ist alles nicht echt. Sie versucht mehrfach von dieser Farm zu fliehen, das scheitert. Und dann muss sie sich irgendwann damit abfinden, dass sie tatsächlich auf dieser Farm im 19. Jahrhundert gelandet zu sein scheint. Und während der Leser eben diese Geschichte von Natalie, die plötzlich in einer anderen Zeit ist, vermeintlich erzählt bekommt, kriegt man gleichzeitig so in versetzten Kapiteln die Lebensgeschichte von Natalie in Rückblenden erzählt. Also von ihrem Aufwachsen mit einer alleinerziehenden, tiefreligiösen Mutter. über ihre College-Erfahrung, was so eine Zeit ist, in der sie immer mehr in dieses sehr, sehr konservative Weltbild rutscht, bis hin zu dem Zeitpunkt, als sie ihren Mann kennenlernt und dann so ihr Leben als Ehefrau, Hausfrau, Mutter, aber auch Influencerin beginnt, bekommt man dann erzählt. Und ja, das ist so auf der einen Seite die Version, also die Geschichte einer Frau, die so ein idealisiertes Portrait vom Frau und Mutter sein, darstellt und auf der anderen Seite gnadenlos an der Realität scheitert, als sie damit konfrontiert wird. Das ist die Geschichte. Wie sich das Ganze auflöst, also diese zwei Handlungsstränge bewegen sich aufeinander zu. Es gibt auch eine Auflösung, was da wirklich passiert ist. Das hatten wir beschlossen nicht spoilern in dieser Folge, weil es schon, finde ich, einen Reiz des Buches ausmacht zu erfahren, was wirklich mit Natalie passiert ist. Genau, aber das ist im Kern die Geschichte von Jester hier. speaker-0: Genau, also wir bleiben komplett spoilerfrei. Wir werden vielleicht kurz am Ende sagen, wie wir das Ende insgesamt fanden, aber wir werden jetzt nicht genau erklären, was eigentlich passiert ist, ob das jetzt übernatürlich war oder nicht oder was auch immer hier los ist. Joa, fangen wir mal mit den Leseeindrücken an. Soll ich jetzt anfangen, weil du jetzt gerade so lange gesprochen hast? Okay. Ich war ein bisschen überrascht von der Schwerpunktsetzung dieses Buches. Ich dachte am Anfang, und ich finde auch aus deiner Zusammenfassung könnte man das so bisschen rauslesen, dass der Kernpunkt des Buches eigentlich ist, wie eine Frau, die ein Bild der Vergangenheit verkauft, plötzlich merkt, wie schlimm und hart die Vergangenheit, die sie da idealisiert, eigentlich war. Und ich dachte dann, okay, dann haben wir bestimmt so schadenfrohe Passagen, wo sie irgendwie versucht, eine Kuh zu melken und es geht nicht, oder merkt, dass es doof ist, wenn man kein fließendes Wasser hat. Und darauf legt das Buch halt überhaupt keinen Wert. Also dieser Alltag auf der Farm im 19. Jahrhundert wird gar nicht groß thematisiert. Da geht es eigentlich viel mehr darum, wie sie sich in dieser Situation führt. Aber die Zeit, die sie bis dahin verbringt, also wie sie ihr Leben eigentlich geführt hat, bis sie dann letztendlich auf dieser Farm gelandet ist, steht viel mehr im Mittelpunkt. Also es ist im Endeffekt fast schon ein Teil so ein negativer Entwicklungsroman. Und ich hatte, als ich gemerkt habe, was das ist, Viel Spaß damit. Weil ich hatte, wie gesagt, Angst, dass es schadenfroh werden könnte. Ich halte persönlich nicht viel von Treadwives, aber ich halte auch nichts von Büchern, die dann so den billigsten möglichen Weg wählen, sich über solche Leute lustig zu machen. Und das macht das Buch eigentlich nie. Ich fand Natalie als Protagonistin wirklich unterhaltsam. Ich finde, sie ist ein schönes Beispiel dafür, worüber wir in früheren Folge schon mal gesprochen hatten. Sie ist halt eine unsympathische Protagonistin, aber Sie macht wenigstens spannende Sachen oder sie hat originelle Gedanken, wenn sie in ihrem Kopf alle Leute sie herum beschimpft oder sich über ihre Schwiegerfamilie aufregt und so weiter. Da gehe ich vielleicht inhaltlich nicht immer hundertprozentig mit, was sie da sagt, aber diese Figur hat mich immer gut unterhalten und es hat mir Freude gemacht, dieser Geschichte zu folgen. Und ich fand sie auch wirklich spannend. Also von meiner Seite würde ich sagen, es ist ein wirklicher Page-Turner, das ist so was, was man gut am Strand lesen kann. ist sehr unterhaltsam, bisschen Sozialkritik für meinen Geschmack hätte es noch mehr davon geben können, aber war soweit in Ordnung. Ich finde, das ist ein schöner, gut lesbarer, zu Recht sich sehr gut verkaufender Roman. Ja. speaker-1: Da kann ich tatsächlich komplett mit Dachor gehen. Ich finde, es liest sich auch sprachlich wirklich gut. Das ist nicht jedermanns Sache. Es ist in der Ich-Perspektive geschrieben. meinem Leben als Buchhändler weiß ich, dass es tatsächlich Leute gibt, die das kategorisch ablehnen. Aber man ist als Leser, und das finde ich immer sehr, schön, man ist bei Natalie sehr, sehr direkt im Kopf. Also man kriegt auch oft inkursiv ihre Gedanken. es einfacher gemacht hat zu verstehen, was bei ihr vorgetäuscht ist und was bei ihr wirklich drinnen ist. Also ich bin so ein bisschen mit der Vermutung reingegangen, dass gerade dieser religiöse Aspekt, der auch angenehm gering tatsächlich in diesem Treadwive-Teil ist, dass dieser religiöse Aspekt sehr viel größer wäre und sehr viel vorgetäuschter wäre, als das ist. Und man kriegt in Nathalies inneren Gespräche mit sich selber und in dem, was in ihrem Kopf vorgeht, schon mit, dass diese Religiosität, die im Kern ist, dass die bei ihr echt ist. Also die ist gruselig darin, wie sie entstanden ist und welche Auswirkungen sie auf sie hat. Aber das ist nichts, was sie vortäuscht. dass man sowas dann erkennt, das finde ich wirklich schön gemacht in dem Buch. Der Spannungsbogen ist prima. Ich habe tatsächlich die Auflösung nicht lange lange nicht erahnen können. Ich mag die Figuren, weil klar sind die Figuren zum größten Teil so ein bisschen Abbilder von bestimmten Typen. Also ich glaube, als Einzelfiguren halten wenige Figuren wirklich, ja, sind wenige Figuren wirklich richtig, richtig gut. Das sind so Abbilder von verschiedenen Menschentypen. Aber das funktioniert richtig gut. Also mir hat das auch echt viel Spaß gemacht beim Lesen. speaker-0: Ja, also ich finde, es ist ein Buch, wo man sich nicht groß anstrengen muss beim Lesen, was aber trotzdem viel Freude macht. Also es ist ein richtiger Schmöker eigentlich. speaker-1: Wo man auch tatsächlich, also zum einen, muss, das ist auch, glaube ich, was Gutes, man muss überhaupt nichts vorher über Influencer oder Threadwives oder sonst was wissen. das ist eine Welt, in die kann man einfach in diesem Buch reingeschmissen werden und man versteht es trotzdem. Das ist, ich, auch echt wichtig. speaker-0: Ja, also allzu viel in die Tiefe, was das Influencer-Dasein angeht, geht das Buch auch wirklich nicht. Vielleicht können wir direkt dann fangen, bisschen über Natalie als Figur und als Influencerin zu sprechen. Du hattest ja schon erwähnt, dass ihr religiöses Leben nie so besonders im Mittelpunkt steht. Also wir erfahren, dass sie aus einer religiösen Familie kommt, auch aus einer sehr religiösen Umgebung. Also der Ort, dem sie kommt, eigentlich geprägt von Ich nehme an, es ist ein evangelikales Christentum. Es ist nicht wirklich definiert. Also viele der echten Treadwolf-Influencer kommen ja aus dem evangelikalen Bereich oder von den Mormonen. Mormonen sind auch relativ aktiv als Influencer, gerade als Treadwolf-Influencer. Aber bei Natalie wird das immer ein bisschen unklar gelassen. Ich habe ein Interview mit der Autorin gesehen, da sagte sie auch dass sie das mit Absicht so gemacht hätte, also dass man jetzt keine konkrete Religion daraus erkennen kann. Aber ich finde, was ich an der Figur so spannend finde, dass sie nie irgendwas aus irgendeiner christlich nächsten, liebemäßigen Begründung macht. Also für sie ist Christentum eher so eine Tradition, in der man halt lebt, aber da denkt sie halt nie groß drüber nach. Für sie ist es eigentlich eher so ein Set von Regeln, was man halt beachten muss. speaker-1: Das ist, und das fand ich sehr, gut, weil ich glaube, das trifft sehr, viel im Kern. Das ist so eine reine Performance. Also das ist ein sehr performatives Christentum. Und ich glaube, das ist sehr bewusst gemacht als Spiegelvorhalten, wie eben viele von diesen christlichen Influencern oder diesen Threatwives, dieses Christentum leben oder auch viele der Evangelikalen. Weil ganz oft ist es da ja eher dieses Ich mache die Dinge, die man von mir erwartet. Ich sage die Sachen, die man von mir erwartet. Ich versuche irgendwo zu predigen und die Leute zu bekehren. Aber so dieses nach christlichen Werten Leben, was ja eigentlich so das ist, was man so im Kern als Christentum sehen würde, das ist es ja oft nicht. Sondern es ist so die Performance bringen, von der man glaubt, dass sie von einem erwartet wird. Häkchen hinter bestimmte Boxen setzen und nicht sich mit der Welt und mit den Leuten einen drum herum auseinanderzusetzen und dann eben nach christlichen Werten zu leben. Und das wird da, glaube ich, sehr, sehr deutlich. speaker-0: Ja, es ist ein sehr starkes Wenn-Dann-Denken, was dann auf eine Belohnung im Endeffekt hinauslaufen soll. der Moment, wo Natalie sich am meisten radikalisiert oder am meisten merkt, dass sie eigentlich doch lieber leben möchte, wie sie aufgewachsen ist, ist ja, als sie aufs College geht. Also sie ist nicht dumm, sie hat extrem gute Schulnoten, sie geht dann auch nach Harvard, glaube ich, oder zumindest an eine dieser Ostküsten-Elite-Universitäten, da kriegt sie ein Stipendium. Da verlässt sie auch zum ersten Mal ihre vertraute Umgebung. Und der Moment, wo sie dann merkt, dass sie eigentlich mit der Welt nicht viel anfangen kann und auch ihre Pläne überdenkt, ist, als sie mit ihrer Zimmergenossin konfrontiert wird. Die nämlich ganz anders lebt als sie, die da mit ihren Freundinnen erstmal einhebt. Und eigentlich wird so das geteilte Collegezimmer zu so einer Partydomäne und ihre ganzen Mit-Studentin betrinken sich da, in einem Abend bringt ihre Mitbewohnerin, Rina heißt die, glaube ich, auch einen Typen mit ins Zimmer, mit dem sie dann Sex hat, während die arme Natalie im anderen Bett liegt und so tut, als würde sie nichts mitbekommen. Was natürlich eine unangenehme Situation ist. Andererseits finde ich, da zeigt sich auch schon die Stärke von der Ich- erzählerin. Weil wir bekommen immer nur mit, wie Natalie darüber berichtet und sagt, dass sie ja sich als Außenseiterin gefühlt hat, dass sie sich sehr verletzt gefühlt hat, wie befremdet sie von dem Ganzen war. Aber wir erfahren ja nie, wir können es nur nach und nach erschließen, wie nervtötend das für ihre Mitstudentin gewesen sein muss. Also Natalie ist eine unzuverlässige Erzählerin, sie stellt sich selber auch immer erheblich besser dar, als sie eigentlich letztendlich wahrscheinlich ist. Und dass sie wahrscheinlich da mit einem Gesicht wie sonst was immer wie eine Gewitterwolke in diesem Dormroom sitzt, während ihre Mitschudentinnen einfach ein bisschen Freiheit genießen wollen, kann man nur so grob erschließen. Und Nathalie's Empörung besteht, glaube ich, darin, dass sie ein festes Set auch an religiösen Regeln hat und davon ausgeht, dass alle anderen sich daran halten müssen. Und wenn sich alle anderen nicht daran halten, müssen sie bestraft werden und sie muss Erfolg haben. Und der Moment, wo das nicht funktioniert, wo sie merkt, dass ihre Mitschudentinnen ganz zufrieden mit ihrem unchristlichen Lebensstil sind und es denen eigentlich ganz gut geht und sie selber aber wirklich kämpft in dieser neuen Umgebung. Das ist der Moment, wo dann eigentlich vielleicht ihre Überzeugungen ins Wank geraten kommen. Könnten das tun sie aber nicht. Stattdessen zielt sie sich in so einen Trotz zurück. War jetzt eine lange Interpretation von mir. speaker-1: Nee, aber es passt. Und dazu passt ja auch, dass sie sich die ganze Zeit, ihr ganzes Leben lang mit anderen Frauen, die einen anderen Lebensstil pflegen, vergleicht. Also gerade Rina, diese College-Zimmergenossin. Und es gibt am Anfang eine vergleichweise kurze Szene, wo sie eine ehemalige Highschool-Klassenkameradin trifft, deren Lebensweg halt einfach komplett anders gegangen ist. Als Leser kriegt man sehr, deutlich mit, wie sie in ihrem Kopf ständig diese Vergleiche zieht und ständig eigentlich Buch drüber führt, was bei ihr gut gelaufen ist, weil sie eben das macht, was von ihr erwartet wird und was von den anderen, was bei den anderen schlecht gelaufen ist. Und es ist immer so, sie begegnet nie Menschen, gerade anderen Frauen finde ich, sie begegnet denen nie, sondern sie wiegt das immer gegeneinander auf und versucht immer da so eine Reihenfolge. festzulegen und festzustellen, warum sie und ihr Leben da jetzt besser sind. Also sie ist in so einem ständigen Konkurrenzkampf gefangen, der aber komplett einseitig ist, weil die anderen gar nicht wissen, dass der stattfindet. speaker-0: Ja, und es schließt auch so eine knallharte Gender-Performance mit ein. Sie muss auch die ganze Zeit sehr feminin wirken und versuchen, sehr weiblich zu sein und legt auch unheimlich viel Wert darauf. Aber es ist halt immer die Frage, für wen sie das eigentlich macht. Und sie hat auch sehr klare Vorstellungen, was Frauen machen dürfen, was Männer tun dürfen, obwohl sie konstant damit konfrontiert wird, dass das so nicht ist. dass Frauen sich anders verhalten, als sie das denkt, dass Männer sich anders verhalten, dass im Grunde diese Binarität der Geschlechter eigentlich gar nicht so funktioniert. Aber für sie ist das schon wieder eine Kränkung. Also sie vereint sich die ganze Zeit in so Scheingefechte und ist dann wütend, wenn es am Ende nicht funktioniert. Und sie belügt sich natürlich auch konstant selber. Also sie sieht die Welt ja quasi immer nur so, wie sie das gerade haben möchte. Also wenn die Frauen denen sie begegnet glücklich wirken, dann spielen sie das natürlich nur vor und abends betrinken sie sich bestimmt heimlich, weil sie so unglücklich sind. Oder sie wirken halt gestresst und kaputt und dann liegt es daran, dass sie halt eben dieses sündige oder schlechte oder untraditionelle Leben führen. speaker-1: Ja. Und über allem, also das zieht sich auch wie so ein roter Faden durchs Buch und das verkörpert das, glaube ich, noch mal auf so einer anderen Ebene. Über anderen stehen die, Angry Women, nennen sie sie. Also das sind so diese, es sind ja nicht mal ihre Fans. Also sie redet auch nicht wirklich oft über ihre Fans. Die Angry Women sind eigentlich eher die Frauen, die sich online über sie aufregen. Und man hat stellenweise das Gefühl, dass sie ihren Content eigentlich sehr viel eher für die macht, denen zu zeigen, seht ihr, wie viel besser ich bin als ihr, als für Leute, die vielleicht was da wirklich rausziehen könnten, weil wir haben alle während Corona irgendwie geguckt, wie man guten Sauerteig macht. Da freut man sich vielleicht, wenn da jemand einem das auf YouTube zeigt. Aber das macht sie ja nicht, sondern es ist ja ihr ganzes Leben ist so eine Performance, anderen zu zeigen, dass sie es geschafft hat und besser ist. Und da sind diese angry women, über die sie immer widerspricht, glaube ich, ein sehr deutliches Sinn bildet dafür. speaker-0: Ja, also sie macht ja im Grunde aus ihrer eigenen Perspektive heraus Rage-Bait-Content für diese Leute. Und es geht ihr ja auch nie darum, anderen Frauen zu helfen oder Leute zu empowern, ihre Kinder besser zu erziehen oder irgendwie ein schöneres Leben zu führen oder so. Das spielt für sie überhaupt keine Rolle. Es geht darum, dass sie eigentlich so im Spiel des Lebens gewinnen möchte. Aber was dieses Gewinnen jetzt konkret bedeuten würde, kann sie auch selber für sich gar nicht so definieren. speaker-1: Ja, wahrscheinlich auch, weil rein theoretisch sollte für sie und gerade so in ihrer College-Zeit, bevor sie eben irgendwie ihren Mann kennengelernt hat, rein theoretisch sollte dieser Gewinn für sie ja sein, irgendwann den Ehemann zu haben und die Kinder zu haben und einfach dieses total glückliche Leben, diese Erfüllung da drin zu finden. Und ihr großes Problem ist ja, dass Natalie das nicht findet. Also da ist zum einen Caleb ihr Ehemann, das ist der jüngste Sohn der Politiker-Dynastie. der jetzt nicht unbedingt immer wie die hellste Kerze dargestellt wird, der recht eigen ist und den sie sehr, sehr stark steuern muss im Leben, was man aber auch nur so hinter den Kulissen mitkriegt, weil vor den Kulissen darf sie ja nicht die treibende Kraft sein. Und dann sind da ihre Kinder und auch in diesem Muttersein geht sie so überhaupt nicht auf. Und dann bleibt ihr nicht viel, weil diese Erfüllung, die ihr versprochen wurde, wenn du nur das alles hier machst, dann, dann Kriegst du die? Die kriegt sie halt nicht. speaker-0: Ja, das ist ja am Grunde auch der Grund, warum sie dann überhaupt erst mal Influencerin geworden ist oder was so den Weg bereitet hat. Denn sie kämpft ja nach der Geburt ihres ersten Kindes ganz massiv. Es wird da, glaube ich, auch impliziert, dass sie so eine postnatale Depression oder etwas in der Art hätte. Wobei ihre Lebensumstände zu dem Zeitpunkt mit ihrem doch recht passiv, nicht ganz lebensüchtigen Mann natürlich vielleicht auch dazu beitragen. Aber... Sie fragt dann ja in einer späteren Stelle ihre Mutter, wie die das immer so auf die Reihe bekommen hat. Und ihre Mutter sagte dann, dass sie sich immer vorgestellt hätte, für ein Publikum zu performen. Also dass sie sich dann überlegt hat, okay, ich putze jetzt das Haus und dann stelle ich mir in meinem Kopf vor, wie mir Leute applaudieren, weil ich jetzt gerade so schön putze. Und das ist ja letztendlich das, was Natalie auf den Weg zum Influencer-Tum bringt. Das macht sie dann ja erst, nachdem sie dann auf die Farm gezogen sind und so weiter. Aber sie ist ja erstmal nicht auf die Idee gekommen, okay, ich heirate und kriege Kinder und dann kann ich das vermarkten. Das ist ja noch nicht dieser zynische Gedanke, den man durchaus vielleicht auch anderen Treadwolf-Influencern unterstellen könnte, dass dann ja schon der Gedanke ist, okay, ich kriege besser noch zwei Kinder, weil das will mein Publikum sehen. Also so weit denkt sie ja zumindest anfangs noch nicht. Und dieser Gedanke für ein Publikum zu performen, kommt natürlich vielleicht auch aus ihrem religiösen Also es ist meine persönliche, kürschenpsychologische Path Theory, dass natürlich vielleicht religiöse Menschen auch zu so einem Influencerdasein damit sich leichter tun, weil sie ja ohnehin schon, zumindest wenn sie sehr religiös sind in manchen Belangen, das Gefühl haben, konstant beobachtet zu werden, nämlich von Gott. Also dann performt man ja ein Stück weit für Gott, weil der sieht alles und bekommt alles mit. Und dann ist der Schritt zu sagen, okay, und das trage ich jetzt noch weiter nach außen. Zwar immer noch ein großer, aber ein anderer Schritt, als wenn man davon ausgeht, dass man das ohnehin nie irgendjemand oder irgendwas mitbekommt, was man tut. Ja. Wollen wir mal über Caleb kurz sprechen? Ihren Ehemann. Ich finde, das ist eine wirklich interessante Figur. Mit dem ich mir so bisschen schwergetan habe, muss ich sagen. Also ich finde die Charakterisierung von Natalie in dem Buch wirklich gut. Ihren Ehemann fand ich so bisschen schwierig zu fassen als Figur. Wie ging dir das denn? speaker-1: Ja, das ging mir ähnlich, weil ich bis zum Schluss nicht wirklich zu greifen gekriegt habe, wie Caleb ist. Der schwankt so zwischen den Beschreibungen und jetzt nicht nur zwischen den beiden Zeitsträngen, wo wir wirklich eine sehr, sehr unterschiedliche Mannfigur für Natalie haben, sehr, unterschiedlichen Caleb haben, der da mit Natalie zusammenlebt, sondern auch in diesem Handlungsstrang, in dem Nathalies Geschichte und Entwicklung erzählt wird. Weil am Anfang kam mir Caleb schon so ein bisschen, der war in seiner eigenen Familie der Außenseiter, ist der jüngste von fünf Söhnen. Seine älteren Brüder, die waren so untereinander verschworen. Er war da immer so außen vor. Es wird auch immer so ein bisschen angedeutet, dass seine Eltern so ein bisschen komisch waren. Also wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat seine Mutter, ich glaube lange, lange Zeit mit ihm gebadet bis zu einem Alter hin, wo das eigentlich irgendwie gar nicht mehr so schicklich ist. Er ist seinen Eltern gegenüber und oft eben auch Natalie gegenüber sehr, sehr, ja, unterwürfig. Wobei Natalie ihn sehr bewusst an manchen Stellen auch einfach manipuliert, aber seinen Eltern gegenüber ist er sehr, sehr unterwürfig. Aber dann hat er auch immer Momente, wo so rausblitzt, dass er vielleicht ganz anders ist. Und das fand ich sehr verwirrend, weil auf diese Momente nicht wirklich so richtig eingegangen wird. Deshalb habe ich ihn sehr schwer zu fassen gekriegt. speaker-0: Ja, das ging mir ganz ähnlich. Also worauf man sich wahrscheinlich verständigen kann, ist, dass er wirklich nicht sehr klug ist. Also ich hab mir an einigen Stellen gedacht, okay, das ist wirklich auch schon hart an der Grenze dessen, was man noch als so im Durchschnitt intelligentes Verhalten bezeichnen würde. Er ist halt jemand, der aus einer sehr konservativen Familie kommt und an vielen Stellen ist die Frustration von Natalie ja, dass er sich nicht so männlich verhält, wie sie das eigentlich erwarten würde. Also sie denkt nach der Geburt des Kindes, das erste Kindes würde er automatisch zu so einem Versorgerfamilienvater werden, der sich jetzt einen Beruf sucht und acht Stunden am Tag arbeitet und dann wieder zurückkommt, während sie sich zu Hause das Kind kümmert. Nun ist sie jetzt auch selber ohne Vater aufgewachsen und hat deswegen natürlich auch eine Vorstellung. die jetzt nicht den Praxistest bisher überstanden hat, wie so eine traditionelle Familiendynamik eigentlich laufen sollte. Aber so verhält er sich halt auch nicht. Also nach der Geburt des Kindes sitzt Caleb auf der Couch und spielt Videospiele. Und er spielt auch gerne mal mit dem Baby. Also er ist ein zugewannter Vater, der aber keinerlei Care-Arbeit macht. So alles, was irgendwie praktisch mit dem Baby zu tun hat, muss Natalie tun. Und das frustriert sie ohne Ende, obwohl dass er es eigentlich zumindest zu dem Zeitpunkt noch gar nicht nötig hätte zu arbeiten. Er kommt aus einer sehr reichen Familie und ein Stück weit ist auch seine Einstellung, wieso soll ich denn arbeiten gehen und mir einen Job suchen? Erstens kann ich nichts, wir erfahren später dann, dass er schon ein paar Jobs verloren hat. Und zweitens kriegen wir ja Geld von meinen Eltern. Also Arbeit ist für ihn tendenziell eher so was, was so Hobby von Leuten ist, die nicht sind wie er, zumindest am Anfang des Textes. Und das frustriert Natalie ohne Ende. Aber sie kann auch nicht akzeptieren, wenn er dann Ideen für Arbeit hat, die sie nicht gut finden. Also an einer späteren Stelle sagt er mal, dass er gerne Kindergärtner würde, weil er so gerne mit Kindern spielt. Ich finde persönlich immer noch, dass es eine super dumme Idee ist, weil auch Kindergärtner oder Erzieher sein bedeutet nicht, dass man den ganzen Tag mit Kindern spielt, sondern da hängt schon erheblich mehr dran, was er natürlich nicht weiß, weil er die ganzen praktischen Dinge Kinder haben drum herum nie gemacht hat. Also es schon eine dumme Idee. Aber für Natalie ist es eine Provokation. Nicht weil er einen weiblich konnotierten Beruf ergreifen Und Caleb changiert aber ständig. Im späteren in der Vergangenheitsperspektive oder in der anderen Perspektive des Buches ist er dann aber plötzlich doch eher so ein traditioneller autoritärer Familienvater. Und da war mir auch nie klar, ist das jetzt der gleiche? Ist es jetzt ein Schauspieler, ist es eine andere Figur? Weil ich auch keine Entwicklungslinien zwischen diesen beiden Figuren für mich gesehen habe, die mich wirklich überzeugt haben. speaker-1: Ja, und weil, und das ist glaube ich auch so ein bisschen der Schwächen dieses Buches, weil grundsätzlich so die Charakterentwicklung der Figuren halt nicht wirklich im Vordergrund steht. Also Natalie ist ja auch eine Figur, die sich über das gesamte Buch eigentlich nicht wirklich weiterentwickelt. Also gerade von so einem Protagonisten, der mit einem großen Hindernis konfrontiert wird, erwartet man ja eigentlich, dass da eine, eine, eine Entwicklung einsetzt und irgendwie man... eine Lektion lernt und sich weiterentwickelt. Das passiert bei Natalie ja auch nicht. Und eben deshalb ist es bei Caleb, es ist so ein Sprung zwischen den beiden Calabs, die ja auch sehr bewusst als der eine oder andere Caleb tituliert werden in dem Buch. ja, auch da, man hat zwei Versionen einer Figur, man hat nicht wirklich die Idee, wie die Entwicklung zwischen den beiden Figuren gelaufen sein kann. speaker-0: Ja, das Buch ist da spannend, weil es letztendlich zwei Dinge macht, die Bücher sonst selten kombinieren und es gelingt halt nicht immer so. Einerseits ist es halt ein charaktergestürzter Text, weil Natalie ganz klar als Protagonistin im Zentrum steht und was sie denkt und ihre Perspektive und sie als Figur in ihrer Vielschichtigkeit ist halt eben eigentlich das Zentrum des Romans. Es ist aber kein reiner Charakterroman, denn dafür ist er dann wieder zu Plot getrieben. Dafür haben wir dann das große Mysterium, was ist hier eigentlich passiert und so weiter, zu sehr im Zentrum und das ist eigentlich auch einer der Hauptpunkte, warum man das Buch liest. das Buch konzentriert sich dann aber, nachdem Natalie als Figur so etabliert ist, sehr stark darauf, so Plot-Krümmel zu streuen. Also wir werden das Ende ja nicht spoilern, aber ich finde, das Buch ziemlich clever konstruiert. ich habe das Ende nicht kommen sehen, wir reden da bestimmt gleich noch drüber, aber wenn man das Buch sich zum zweiten Mal dann nochmal anguckt, dann merkt man, da sind ganz viele Hinweise gestreut, die am Ende auch, wenn man diese Prämisse akzeptiert, Sinn ergeben. Aber auf diesen Bereich wird dann halt die Charakterentwicklung von anderen Figuren oder die Charakterzeichnung von anderen Figuren geopfert, damit das halt funktioniert. speaker-1: Ja. Ich finde Caleb deshalb schwierig, weil ihm halt auch in diesem Vergangenheitshandlungsstrang, als er dann auf einmal so eine sehr entgegengesetzte Persönlichkeit hat und eigentlich so ein Extrem dieser Persönlichkeit verkörpert, die Nathalie ja immer wollte. So diesen männlichen Mann, der mal das Heft in die Hand nimmt und der auch immer die Regeln macht. der ihr effektiv, das wollte sie wahrscheinlich nicht, aber der ihr effektiv mehr als einmal den Mund verbietet und ich glaube sogar einmal körperlich gegen sie wird. speaker-0: Also er schlägt sie quasi nieder und sie musste eine Weile im Bett liegen. speaker-1: Jetzt habe ich ein bisschen meinen Faden verloren. speaker-0: Wir waren bei Caleb als Figur und der Kontrast zwischen den beiden Calabs, da warst du, ich. speaker-1: Ja, genau. Und er ist in diesem Vergangenheitshandlungsstrang, er ist ja so das, das Extrem dessen, was sie eigentlich immer von ihm gewollt hat. Aber dem wird ja nichts gegengesetzt. Also es ist nicht so, Natalie gibt ihm in der Situation kein Kontra. Also natürlich merkt sie auch sehr, schnell, dass es für sie auf einmal Konsequenzen hat, was es vorher nie hatte, wenn sie irgendwie Caleb sagt, nein, so nicht und versucht selber, das Heft in die Hand zu nehmen. Aber Caleb darf halt einfach in dieser Art und Weise existieren. Da gibt es nichts in der Handlung oder in den Figuren, was ihm da entgegensteht. Und deshalb ist dieser Bruch mit der Figur vorher für mich so, so, ja, so unglaubwürdig. ist so, der steht halt einfach dann da auf einmal so, so das ist jetzt Version zwei dieser Figur. Macht damit, was ihr wollt. Fand ich ein bisschen losgelöst von allem. speaker-0: Ja, so wie die Enterprise mit der Geschwindigkeit des Plots fliegt, so hält sich halt Caleb, wie der Plot es gerade jeweils erfordert. speaker-1: Tünnes Eis wird begeben uns auf Tünnes Eis, hier mit Jitz. speaker-0: Du sitzt in Mainz, ich bin in Wiesbaden, was willst du mir tun? Ich kann hier über das Start wegregen. Okay, bevor ich mich noch Kopf und Kragen rede und Kerstin in einer Stunde wütend bei mir vor der Tür steht, wollen wir mal kurz unsere Eindrücke vom Ende sagen. Also wir werden das jetzt nicht spoilern, aber du hattest schon gesagt, du bist nicht drauf gekommen, was am Ende passiert. speaker-1: Ich bin bis sehr, spät nicht draufgekommen. Also ich finde, es gibt so einen Punkt, sehr, spät im Buch, ab dem ist klar, wie das irgendwie, nicht im Detail klar, aber klar, worauf das hinausläuft. Ich fand es wirklich gut gemacht, weil bei so einem Szenario hast du ja wenig wirklich glaubhafte Möglichkeiten, das zu erklären. Du kannst dann in dieser Wie war diese uralte Seifenoper Delis? Das war nur ein Traum. Die ganze Staffelnummer X war nur ein Traum. Das können die Aliens gewesen sein. Vieles davon ist halt schon oft gemacht worden. Und man läuft halt immer die Gefahr, wenn man sowas schreibt, dass es oft besser gemacht worden ist. Wahrscheinlich, ich kenne mich jetzt nicht so gut aus in zwei zeitstrenge Romanen, ist auch ... diese Auflösung schon mal geschrieben worden. ich finde, sie passt. Sie ist in sich schlüssig. Wie du sagst, wenn man nochmal drüber nachdenkt, findet man sehr, sehr viele Andeutungen, dass das einfach die Auflösung ist. Wenn man nochmal auf den Text guckt, man findet sie schon sehr, früh. Also ich glaube, das ist eine Sache, da hat sich die Autorin wirklich Gedanken drüber gemacht vorher, bevor sie losgeschrieben hat. Wie kann ich das sinnvoll auflösen? Und es ist in sich stimmig. Und das ist eigentlich alles, was ich von so einer Auflösung verlange. Ob ich die für wirklich realistisch fürs echte Leben halte, das ist dann immer so eine Sache, aber sie ist in sich stimmig. speaker-0: Hattest du eine ganz wilde Theorie? Ich muss nicht sagen, ob sie sich hinterher als richtig oder als falsch herausgestellt hat. Aber hattest du eine wilde Theorie? speaker-1: Ich hatte diverse wilde Theorien. Ich bin ja immer ganz, schlecht da drin, so Sachen zu raten. Also auch bei irgendwelchen Filmen, bei Slasher-Filmen, den Killer hinter der Maske zu finden, bin ich ganz furchtbar. Also ich hatte jetzt keine konkrete Theorie, wo ich sagte, das ist bestimmt irgendwie, keine Ahnung, sind die Aliens? Und ich bin mir ganz sicher, so war es nicht. Ich habe diverse Dinge angedacht, geht das in die Richtung oder in die? Und nichts davon war es. speaker-0: Ich hatte zwischendurch, das war meine wildeste Theorie, ich, die Idee, ob vielleicht die beiden Kindermädchen und Shannon, die Producerin, unter einer Decke stecken und Hexen sind, die irgendwas gedreht haben, ihrer fiesen Arbeitgeberin eins auszuwischen. ich hatte die Idee, dass da die drei Frauen, die quasi von ihr geknechtet werden, in irgendeiner Form hinterstecken und da dann irgendwas Übernatürliches passiert. Das war so meine wildeste Idee, die ich so nach 30-35 Prozent des Romans wahrscheinlich hatte. Ich fand das Ende, ich hab's nicht kommen sehen, ich fand es an sich okay. Ich finde, es ist ein Ende, was gut vorbereitet ist im Roman. Ich musste meinen Disbelief doch sehr suspensionen, muss ich sagen. Also so 100 Prozent, ich glaub, würde ich fand ich es jetzt nicht. Ich weiß auch nicht, ob es an sich so hundertprozentig Sinn ergibt, aber ich finde, es war eine durchaus befriedigende Auflösung. Es war jetzt nicht so, dass ich irgendwo aufgestanden bin und in die Luft geboxt habe und gejubelt habe über diesen fantastischen Schluss-Twist. Ich habe mir jetzt aber auch nicht die Hand vor den Kopf gehauen und gesagt, meine Güte, ist das Dürmste, was ich je gelesen habe. Es erinnerte mich an ein, zwei Sachen, ich schon gesehen hatte, jetzt weniger in Büchern, sondern an Filmen, aber ich will nicht spoilern, wo es war. Vielleicht will ja irgendjemand, wenn er, wenn er sich den Podcast gehört hat. speaker-1: Star Trek 4 Stimme den Wahlen. speaker-0: Welche ist das? ja, doch, ja, da erinnere ich mich dran. Probe. Okay, aber falls irgendjemand uns sagen möchte, wer oder sie die Auflösung fand, könnt ihr ja auf Blue Sky oder Instagram oder so was dazu schreiben. Also ich fand, das war eine okaye Auflösung. Man muss so ein Buch ja zu Ende bringen, man ließ das ja irgendwie auch wegen des Endes und mir ist auch Ehrlich gesagt nichts eingefallen, wie man es jetzt hätte besser. speaker-1: Ja, wie man das hätte besser machen können und in dem Rahmen zu bleiben, in dem das Buch sich bewegt. Weil natürlich, können immer die Aliens sein. ja, das … speaker-0: Ja. Was mir ein bisschen gefehlt hat, das ist jetzt eine kleine Nägeligkeit, aber wir wollten ja ohnehin noch über diesen ganzen Treadwolf-Kosmos drum herum kurz sprechen. Mir war es in der Hinsicht ein bisschen zu unkritisch, muss ich sagen. Weil es sich doch sehr auf Natalie als Figur konzentriert. Und ich finde, man muss ja bei so Internetphänomenen immer aufpassen, dass man sie nicht zu sehr aufbläst. Das ist ja immer die Balance, die man halten muss, ob man nicht gerade ein Randthema einfach überdimensional hochjetzt und zu einer gesamtgesellschaftlichen Gefahr darstellt oder ähnliches. Aber man darf solche Phänomene auch nicht komplett ignorieren. Und ich finde, Treadwive-Influencer sind genau so ein Beispiel dafür. Ich finde die schwierig und problematisch, weil sie halt, es gibt da zwei Ebenen. Die eine Ebene, die ich schlimm finde, ist, wenn sie junge Frauen und Mädchen beeinflussen oder dann falsches Bild von Beziehung und von einem Lebensstil darstellen, der einfach für 99 Prozent der Leute weder erreichbar noch wünschenswert ist. Das sind ja häufig Leute, die sehr viel Geld in der Hinterhand haben, die durch ihr Influencerdasein selber Geld verdienen, damit auch ein Stück weit finanzielle Unabhängigkeit haben oder zumindest so ein Standbein, auf dem sie stehen. Und wenn die jetzt aber jungen Frauen erzählen, dass es völlig okay wäre, keinen eigenen Beruf zu ergreifen, sehr früh sehr viele Kinder zu bekommen und so weiter, finde ich das gefährlich. Dann kommen oft Leute und sagen, Moment Jana, du bist doch Feministin, du willst doch nicht Frauen vorschreiben, wie sie ihr Leben zu führen haben und wenn die nur mal diese Entscheidung treffen, dann ist das doch okay. Und dann sage ich dazu, Ja, ich möchte ihnen ja auch nicht verbieten, diese Entscheidung zu treffen. Ich möchte nicht, dass ein Bus bei ihrem Haus vorfährt und sie dazu zwingt, einen Beruf zu ergreifen oder so. Aber es gibt halt Entscheidungen, die dumm sind, die letztendlich nicht dazu führen, dass man eine abgesicherte und solide Existenz hat. Und Child Wife oder auf diese Art und Weise Hausfrau und Versorgerin für den Ehemann Im schlimmsten Fall nicht mal für den Ehemann, sondern nur für den Partner, mit dem er nicht verheiratet und damit noch weniger abgesichert ist zu werden, ist eine gefährliche Lebensentscheidung. Und das zweite, was mich daran stört, ist dieses, wenn sich Frauen hinstellen und sagen, sie würden sich ihrem Ehemann unterordnen. Finnes hat teilweise was von Fetisch-Content und das finde ich auch unangenehm. Zumindest in dieser Ausprägung. speaker-1: Ja. Ja, also das eine, was du angeschnitten hast, ist auch so mein großer Kritikpunkt. Ich habe tatsächlich, als ich mir dann mal so ein paar Rezensionen durchgelesen habe, das Buch sehr, oft so im englischsprachigen Raum auch so als Satire gelabelt gesehen. Und da sehe ich es nicht. Also dafür ist es mir nicht pointiert genug, nicht scharf genug und geht mir nicht weit genug, weil es eben, es schneidet Themen an, es schneidet durchaus auch recht viele Themen an. aber weitet die nie so über den direkten Bezug auf Natalie aus. Also alles, was thematisiert wird, wird nur in dem Rahmen thematisiert, in dem es Natalie betrifft. Und es hat keinerlei Ambition, irgendwie was Gesellschaftliches zu kritisieren. Es hat mir auch so bisschen gefehlt. Ich hatte in dem Buch keine Reibungspunkte. hatte da von vornherein, einfach weil ich auch so ein bisschen schon eine Meinung hatte, ich hatte von vornherein einen Standpunkt. Und das Buch hat mich zu keinem Zeitpunkt irgendwie gezwungen, meinen Standpunkt zu überdenken oder mir den Spiegel vorgehalten und mir gesagt, pass mal auf, du bist auch Teil dieser Gruppe oder sowas. Das war auch nicht vorhanden und da blieb es für mich einfach zu flach. finde es schon wichtig, also zum einen natürlich, ja, es ist gerade so ein Trendthema. Wie viele Treadwive-Romane hast du jetzt in letzten Wochen? speaker-0: vier speaker-1: Auf der anderen Seite ist es auch eine, finde ich, gerade verstörende Tendenz, weil vielleicht können wir einfach auch nochmal drüber sprechen, wen sowas denn anspricht. Weil ich glaube, die Tatsache, dass Treadwives in der Gesellschaft so eine Seite zum Klingen bringen in Frauen, das ist ja so der Kern des Problems. weil das so ein, ich finde Treadwive ist so ein Ausdruck dieses Sehnen nach einer vermeintlichen Einfachheit. Und ich kann verstehen, woher das kommt, weil das Leben ist echt unglaublich kompliziert und man muss sich über total vieles Gedanken machen, man muss über unglaublich viele Dinge informiert sein und informiert bleiben, man muss Positionen beziehen, man muss Entscheidungen treffen, man muss, man ist den ganzen Tag mit irgendwie Konflikten konfrontiert, seien es die eigenen oder die, die andere an einen rantragen. Und dieses Treadwell-Leben vereinfacht das halt so wunderbar. Das bringt das Leben auf eine Schiene, wo es heißt, da kann sich doch auch dein Mann drum kümmern. Steht du in der Küche und rühr und kümmere dich die Kinder und lebe ein Gottes-fürchtiges Leben und guck, dass am Sonntag alle irgendwie sauber und gut angezogen in der Kirche sitzen. Lass den Mann sich mit den komplizierten Sachen drehen. Und ich verstehe schon, dass dieses Verantwortung ab... und dieses sich damit beschäftigen, wie scheiße die Welt in vielen Aspekten ist, abgeben können, dass das was ist, was eine Resonanz hat mit Leuten. Und deshalb ist das, ich, auch eine ziemlich gefährliche Sache. Und ich glaube, das hat seinen Grund, warum Threadwives oder auch so diese traditionelle Werteinfluencer in Deutschland schon eine Schnittmenge mit so rechtsnationalen Elementen haben. speaker-0: Ja, das Ganze kommt ja auch so ein bisschen aus dieser Cottage-Core-Ästhetik. Also vor paar Jahren, 10, 15 Jahren gab es ja auch ganz viel auf Instagram und so weiter, dieses ästhetisierte Landleben. So, ich wohne in einem kleinen Häuschen im Wald und ich baue mein Gemüse an und ich laufe in einem fließenden Kleid durch die Blumenwiese und abends sitze ich irgendwie mit einem Tee am Fenster und schaue raus, wie es regnet. Ich muss ja sagen, sowas spricht mich auf einer ästhetischen Ebene ja schon an. Ich meine, ich koche und backe gerne, ich sitze gerne am Fenster, wenn es regnet. Ich mag sogar Kühe, mein Opa hatte Kühe. Ich finde Kühe super. Ich käme bestimmt auch erstklassig mit einer Kuh zurecht und so. speaker-1: im Gegensatz zu Caleb? speaker-0: Ja, bei mir würden die Kühe nicht reinweise eingehen. Also dieses idyllische in einem Cottage in der Pampa sitzen und so ein kleines, vergnügtes Leben führen, wie in so einem Kinderbuch. spricht mich schon sehr an, eben auch aus Gründen, wie du sie genannt hast, weil die Welt einfach kompliziert und anstrengend ist, weil es weniger hektisch wäre und so. Aber du hast ja auch diesen Aspekt der Unterordnung angesprochen. das Zweigeteilte und dann übernimmt der Mann das. speaker-1: als unterordnend. speaker-0: Ja, aber sie bezeichnen es ja teilweise auch wirklich als Submission, als Unterordnung. speaker-1: Ja, ich sehe eher so von der Perspektive, ich kann Verantwortung abgeben, dass es dann auf Unterordnung rausläuft oder dass die Treadweif das als Submission bezeichnet. Ja, aber so dieser Wunsch, Verantwortung und Last abgeben zu können. speaker-0: Ja, aber da habe ich dann halt genau das Problem mit, weil ich finde, das ist dann der gefährliche Punkt, dann als nächstes kommt, vom idyllischen Landleben zu träumen. Super, das macht jeder und es ist auch, oder viele Leute machen das jetzt, vielleicht Leute mit Extremapollenallergie nicht, aber ansonsten ist es ja völlig legitim. Aber dass das in dieser Ästhetik halt verknüpft wird mit einer konkreten Aufforderung. Auch seine Beziehung auf eine bestimmte Art und Weise zu gestalten, finde ich so gefährlich. Weil zu sagen, ziehe aufs Land in einen Cottage und habe drei Milchkühe, ist für die meisten Leute unerreichbar. Und das wissen die auch. So blöd sind die meisten Leute nicht. Oder das wäre einfach ein zu krasser Schritt. Aber zu sagen, okay, vielleicht sollte ich doch meinen ohnehin nicht gut bezahlten Job aufgeben und einfach zu Hause bleiben und dafür unsere Wohnung hübsch gestalten und mein Partner wird dann Alleinverdiener. Das ist ja eigentlich auch okay so, weil die Leute sagen das. Da sehe ich halt das Problem. Und das spielt dann natürlich noch in Ideologien mit rein, die genau diese Zweigeschlechtlichkeit wieder haben wollen, die im Endeffekt auch das Patriarchat, ja im Grunde sind es Fußsoldaten des Patriarchats, diese Dreadwives und so. Und das finde ich halt schwierig, weil das ist was, was letztendlich auch eine Beziehungsform normalisiert, die eigentlich vorbei sein sollte. Oder zumindest in dieser extremen Form vorbei sein sollte. speaker-1: die in dieser festgelegten Form vorbei sein sollte, dass es für beide vorab bestimmt eine feste, vorbestimmte Rolle gibt, dass es keine Partnerschaft gibt, in der man verhandeln kann, wer welchen Teil übernimmt, weil es ja durchaus legitim ist, vielleicht nicht mit Griffen wie Unterordnung zu arbeiten, aber ja durchaus legitim ist, sich für so ein klassisches Modell zu entscheiden, wenn es in den eigenen Lebensentwurf passt. Es passt bei den meisten nicht, weil dafür braucht man im Kern schon mal Geld. Familie kann mit nur einem Gehalt heutzutage überleben. Das fand ich auch sehr bezeichnend. Ich hab mich vorbereitend auf diese Folge in einer intensiven Recherche durch die erste Staffel unsere kleine Farm geguckt. Was ja so für 80er-Jahre-Kinder wie mich... Ne, also das ist ja so dieses, ne? 19. Jahrhundert an der Westfront. Nicht an der Westfront, speaker-0: Ich mein's sagen, dass... speaker-1: Gott. Es ist sehr, sehr heiß. An der Western Front hier, ne? Also, so diese... Pioneer Women und dann lebt man da halt irgendwo in, keine Ahnung, Kansas. Aber die sind ja immer nur eine schlechte Ernte vom Hungertod entfernt. Also das wird in dieser Serie schon sehr, sehr deutlich, aber eben bei den Threadrives nicht, weil da diese Sorge, wo kommt morgen mein Essen her, ja gar nicht da ist. speaker-0: Also ich will das natürlich nochmal deutlich machen, wenn jemand Hausfrau sein möchte. Ja super, das kann man ja gerne machen. meine meine Mutter war auch große Teile meiner Kindheit hinweg reine Hausfrau und so weiter. Es ist ja völlig in Ordnung. Jeder sollte sich da entscheiden können. Womit ich ein Problem habe ist, dass da Abhängigkeit glorifiziert wird. Denn auch wenn jemand sich entscheidet, momentan nicht erwerbstätig zu sein, sondern Kehrarbeit zu machen, was ja auch eine Ehrenwertetätigkeit ist und auch Arbeit ist, auch wenn sie nicht bezahlt werden. Dann finde ich, muss man halt trotzdem knallhart darüber reden, wie die finanzielle Absicherung aussehen soll. Und das wird genau bei diesen Shared Wives halt nicht gemacht. Sondern da bedeutet Verantwortung abgeben halt auch, dass man die eigene materielle Absicherung komplett den Launen von jemand anderem überlässt. Und das ist, wie gesagt, eine schwierige Entscheidung. ich finde, wie gesagt, da ist auch so viel Unehrlichkeit, weil da auch in diesen Chat-Wive-Contents wird ja so gut wie nie über Geld gesprochen. Haha, mein Partner verdient sehr viel Geld und so. Das ist aber alles. Aber es wird nie wirklich darüber gesprochen, was mache ich denn, wenn mein Partner jetzt stirbt. jemand anderen findet oder so. speaker-1: Ja, und es ist ja im Kern schon eine Lüge, weil alle diese Threadwives, die als Influencerin auf TikTok oder Instagram auftreten, die haben alle einen Job. Also das ist ja ihr Job. Die sind ja nicht Stay-at-home-Moms, die haben einen Job. Und ich habe jetzt wenig Ahnung von Social-Media-Content-Creation, aber dass man da nicht einfach eine Kamera hinstellt oder ein Handy hinstellt und mal zehn Minuten am Tag auf Aufnahme drückt und dann ist alles gut. Das ist mir schon auch klar. Das sind ja Stunden am Tag, die da reingehen und damit verdienen sie Geld. Das ist de facto ein Job, auch wenn sie den den Usern halt erzählen, sie haben keinen Job. Und das ist ja im Kern schon eine Lüge. speaker-0: Ja, es wird keine Firma kommen und dich sponsern, wenn du einfach nur zu Hause für deine fünf Kinder kochst. speaker-1: Ja, das... speaker-0: Ja, und da geht das Buch am Rande drauf ein. Also es wird dann relativ klar, dass Nette, sehr abhängig finanziell von Caleb ist, weil die ganze Farm und alles, wo sie wohnt, läuft über ihren Schwiegervater auf ihren Mann. Das heißt, wenn sie jetzt einfach weggehen würde, hätte sie auch nichts außer ihrem Influencerdasein. Aber ich finde, der Roman kritisiert mir das alles zu harmlos. Also da wird einfach zu wenig knallhart gesagt, wo das letztendlich auch hinführt oder was für gefährliche Dinge da letztendlich auch vermittelt werden. Also man erfährt ja auch wenig, was sie ihren Followern jetzt konkret erzählt. Und ein Einwand gegen viele dieser Treadwive-Influencer ist ja auch, dass sie teilweise wirklich gefährliche Botschaften vermitteln. Also fangen wir bei Rohmilch an, dass Rohmilch total gesund und gut wäre. Dann gibt es andere Influencer, die irgendwie gängige Vitaminen Präparate, die man eigentlich während der Schwangerschaft nehmen sollte, verteufeln, ihre eigenen Linien von eben von diesen vitaminfreien Essen zu vermarkten und so weiter. da gibt es ja wirklich Bereiche, die dann echt gefährlich werden, wenn sie in so einen Gesundheitsrahmen reingehen. Über Impfungen und so was reden wir da in dem Kontext noch gar nicht, aber das kommt da ja auch noch mit rein. Und das wird halt alles wenig aufgegriffen. Also wir erfahren wenig, was sie eigentlich jetzt konkret ihren Followern erzählt, außer dass sie Sauerteig macht. Ja. speaker-1: Ja, es fehlt so die letzte Konsequenz, weil doch alles irgendwie wieder so darauf zurückfällt, was gerade bei Natalie im Kopf vorgeht. speaker-0: und sie da auch keinen Standpunkt hat. Den erfahren wir da auch nicht. speaker-1: Nee, sie kreist immer nur darum, wo sie jetzt gerade auf ihrer persönlichen Rangliste von wie erfolgreich könnte ich sein steht. speaker-0: Also man merkt da auch, dass das Buch letztendlich auch als Thriller für ein Mainstream-Publikum geschrieben wurde. Also ich habe in den letzten Wochen ja noch endlich andere Dreadwolf-Horror-Romane gelesen, die gingen dann da teilweise schon wesentlich mehr in die Vollen. Da geht es dann auch viel Religionskritik, insbesondere was die Mormonen angeht. Da kam dann Cannibalismus und Ähnliches vor. Also darüber müssen wir uns hier ja keine Sorgen machen. Und es ist auch nicht schlimm. Das ist, manchmal möchte man abends jetzt auch kein Splatter haben, sondern einfach so was gut Lesbares lesen. Ich hätte mir da halt nur einfach so als Krokantsträußel auf dem Sahnebecher dieses Buches noch ein bisschen mehr Standpunkt, bisschen mehr klare Gesellschaftskritik gewünscht. speaker-1: Gut gemachte Unterhaltung finde ich, aber es scheitert dran, wenn es das sein möchte, dann scheitert es dran, so wirklich eine Satire oder eine Gesellschaftskritik wirklich zu sein. speaker-0: Leute wissen halt einfach, wir müssen mal einen richtig satirischen Roman irgendwann lesen. Haben wir noch irgendwas zu Yesteryear zu sagen? speaker-1: Rolle gerade, aber ich glaube, ich habe auch in meinen Stichworten jetzt nichts mehr, was ich unbedingt loswerden müsste und was irgendwie jetzt noch hier dran passt. Ja. speaker-0: Es ist ziemlich klar, dass, glaube ich, von uns beiden eine Empfehlung kommt, dieses Buch zu lesen. speaker-1: Ja, ja, also auch trotz aller vermeintlich jetzt negativ klingenden Kommentare am Ende ist es, finde ich, trotzdem ein unglaubliches, lesewertes Buch. Man wird unterhalten, man kann sich auch mal so richtig hellisch uffrehen. Das ist jetzt schon. speaker-0: Genau. Also kauft oder leid Jester hier, wenn ihr nach was sucht, was ihr einfach entspannt abends oder am Strand oder Sonntag nachmittags auf der Couch lesen könnt, was keinen riesen Anspruch hat, super unterhält und Spaß macht. dann könnt ihr auch mitreden, weil es ja auch so ein Halbbuch im Moment ist. Genau. In unserer nächsten Folge, da kommen wir direkt da drauf. Also diese Folge erscheint jetzt ... Also wenn ihr das jetzt hören müsst, wenn alles gut gegangen ist, Anfang September sein. Ich hoffe, das ist so. Hurra, Zukunftsjahr, wenn Anfang September ist, habt ihr alles richtig gemacht. Unsere nächste Folge würde dann ja wieder am ersten Freitag im Oktober erscheinen. Und für dieses Mal haben wir uns dann überlegt, dass wir kein konkretes Buch nehmen, sondern eine Art kleine Sammelfolge machen, wo Kerstin und ich jeweils zwei Bücher für den Herbst vorstellen. Denn es ist dann Oktober. Es ist Herbst und Herbst ist ja so eine klassische Lesezeit, auch wenn in den letzten Jahren der Herbsthype ein bisschen kritisiert wurde. Ich bin ein Herbstfan, ich will das wieder darüber sprechen. Also werden wir wahrscheinlich jeder zwei Bücher vorstellen. Bei Kerstin vielleicht so bisschen die klassische Herbstlektüre. Ich will zumindest einen Horrorroman vorstellen, denn Oktober ist auch Horrormonat. Schauen wir mal, wo uns das hinführt. speaker-1: Ja, wir schauen definitiv mal, weil ich scheitere im Moment immer noch an der Vorstellung eines Herbstromanes. Wahrscheinlich werde ich mir irgendwas aussuchen, wo es dann mal regnet oder so oder es Nebel hat. Es wird spannend. Ich habe noch keine Idee, aber das Thema Herbst kann man ja vielfältig auslegen. speaker-0: Genau. Ich weiß auch noch nicht, was ich vorstellen will. Das bedeutet aber auch, dass ihr keine Hausaufgaben habt und nichts lesen müsst. Aber falls ihr außer Jester hier noch was lesen wollt, haben Kerstin und ich jetzt natürlich jeder wieder einen Buchtipp für euch. Willst du anfangen oder soll ich? speaker-1: Ich kann gerne anfangen, weil mein Buchtipp auch thematisch diesmal so ein bisschen passt. Ich habe ein älteres Buch ausgegraben und zwar von Linda Castillo, Die Zahlen der Toten heißt das auf Deutsch, der englische Titel ist Sworn to Silence. Das ist der erste Band der Kate Burkholder-Reihe, seiner Krimi-Reihe. Der ist schon 2009 erschienen, mittlerweile gibt es glaube ich 15 Bände in der Reihe. Ja, ich selber hab sie, glaube ich, nach Band 5 oder 6 aufgehört. Nicht weil sie schlecht wurden, sondern einfach weil mir irgendwann dann so die Zeit gefehlt hat. Ich habe im Buchhandel aber tatsächlich irgendwie auch brav noch so bis zu Band 10, 11, 12, 13, 14 Kunden, aktiv gefragt haben, wann kommt denn die neue Linda Castillo. Die spielen alle in einer Kleinstadt in Ohio namens Painters Mill, in der es eine große Amish-Community gibt. Also Amish ist ja diese religiöse Gruppe, die auch sehr, sehr stark ein traditionelles, nicht modernes und in deren Fall auch ein nicht technisches Leben leben. Also die benutzen keine Maschinen, keine Elektrizität, Kleidenswesen. Ahnung, weiß ich gar nicht. Ich war ja selber mal in USA, in Philadelphia, in Pennsylvania gibt es die auch. Und es gibt Gegenden, wo eben diese Buggies, weil die halt mit diesen Pferdekutschen reisen auf ganz normalen Straßen, ein sehr gängiges Bild sind. Die bauen auch. Also Amish lässt man gerne auch irgendwie, wenn sie Kontakt mit den Nicht-Amish haben, irgendwie so für Bauprojekte heuert man die wohl auch gerne an, weil die wirklich so ganz gut traditionell Sachen bauen. Genau, eben in Painters Mill gibt es eine große Amish-Community und Amish und Nicht-Amish leben da zusammen, so mit allen Konflikten, die das gibt. Und vor 16 Jahren gab es in dieser Stadt eine brutale, bisher unaufgeklärte Mordserie unter den Amish. Die Polizeichefin, die Hauptfigur Kate Burkholder, ist selber unter den Amish aufgewachsen. Wer damals fast selbst Opfer dieses Täters geworden, konnte entkommen. Und gerade darüber, wie so in der Community damit umgegangen wurde mit diesen Verbrechen, weil es eben auch Verbrechen sexueller Natur waren und das sehr, sehr schambehaftet war in dieser, dieser ... Community, darüber, damit umgegangen wurde und wie den Opfern Schuld zugeschoben bzw. nicht aufgearbeitet wurde, hat sie so ein bisschen mit dem Glauben gebrochen und hat dann auch die Community verlassen, hat die Stadt verlassen, war lange nicht da, hat in Großstädten gelebt, ist Polizistin geworden und ist eben jetzt wieder zurückgekommen in die Stadt als neue Polizeichefin. Plot des ersten Bandes dieser Krimi-Reihe ist eben, dass es ein Mord gibt und ihr relativ schnell klar wird, dass es da Ähnlichkeiten zu dieser Serie von damals gibt. Und sie befürchtet, dass der Täter zurückgekommen ist. Da brechen ganz viele alte Wunden auch bei ihr auf und sie ermittelt halt in diesem ständigen Konfliktfeld mit Leuten, die sie von früher kennt, die sie aber nicht mehr als gleichwertig ansehen, eben weil sie die Glaubensgemeinschaft verlassen hat. was diese Krimi-Reihe immer total gut macht, eben dieses Spannungsfeld zu beleuchten. Und diese Problematiken, entstehen, wenn eine Gemeinschaft, sei es aus religiösen oder aus welchen Gründen auch immer, sich komplett abschottet und versucht, Sachen immer erst untereinander zu regeln, bevor man Autoritäten einschaltet. Das sind wirklich richtig gut gemachte, sehr, sehr spannende, durchaus brutale Krimis, die mal so einen anderen Schauplatz und ein anderes Personal haben. Kann ich sehr empfehlen. speaker-0: Ja, das klingt wirklich interessant. Ich habe einen riesen Stapel ungelesener Bücher, aber vielleicht packe ich das auch noch oben drauf. Ich komme überhaupt nicht hinterher. Ich stelle auch einen Krimi heute vor. Der ist, glaube ich, bisher noch nicht auf Deutsch erschienen. Ich weiß auch nicht, ob er auf Deutsch erscheinen wird. Und zwar heißt er Murder at Gull's Nest, Mord im Bövennest, wenn man es übersetzen würde, von Jess Kidd. Und Jess Kidd finde ich ganz spannend. Kerstin guckt schon so wie, ja, wir haben mal ein Buch von ihr im Lesekreis gelesen. Du mochtest es nicht so. Ja? Okay. Ich will jetzt nichts unterstellen. Jess Kidd schreibt seit Jahren, ich glaube es ist ihr fünftes oder sechstes Buch, immer Bücher, die von den Verlagen so ein bisschen als cozy und versponnen, so bisschen quirky vermarktet werden. In Wirklichkeit sind die oft unglaublich finster und deprimierend. Also ihr vorletztes Buch, The Night Ship, war einer der deprimierendsten und traurigsten und nihilistischsten Romane, die ich seit langem gelesen habe, inklusive Gewalt gegen Kinder. Also es war ein wirklicher Runterzieher. Dagegen ist Murder at Gauss Nest wirklich ein Feuerwerk der Freude. Also es ist, ich hab das jetzt furchtbar schlimm beschrieben, ich will damit nur sagen, auf dem Cover ist eine miesepeterisch guckende Möwe und es ist in so Retroschrift aufgemacht wie so ein Cosy-Krimi. Und das ist Murder at Girls Nest nicht. Es soll der erste Band einer Krimiserie sein mit der Protagonistin Nora Breen. Nora Breen war Nonne, kommt ursprünglich glaube ich auch aus Irland und hat sich nach über 30 Jahren im Konvent in ihrem Orden dann entschieden. aus dem Orden auszutreten. Sie ist also, wenn wir ihr am Anfang begegnen, nicht mehr Nonne. Und sie bezieht am Anfang des Romans ein Boarding-Haus, also so eine Art Langzeitpension, in einem runtergekommenen südenglischen Seebad. Das Ganze spielt in den 50er Jahren. Und wir erfahren relativ schnell, dass sie da ist, das Verschwinden einer ehemaligen Mitnorne zu untersuchen. Eine junge Schwester, dann aus gesundheitlichen Gründen aus dem Orden austreten musste, mit der Nora Breen aber noch sehr lange Briefe hin und her geschrieben hat und die auch in diesem Boardinghaus Golfs Nest untergekommen ist. Bis ihre Briefe eines Tages aufhören und niemand mehr weiß, wo sie ist. Und daraufhin hat Nora Breen dann beschlossen, den Orden zu verlassen und Ermittelt jetzt quasi auf eigene Faust als Ex-Norne, die gerade erst seit wenigen Wochen aus dem Orden ausgetreten ist, in diesem Seebad. Ich fand das Buch wirklich schön. Zwar nicht als Krimi, also mir war relativ schnell klar, wer der Täter oder die Täterin ist. Aber ich mag runtergekommene Seebäder als Location. Ich bin in einem runtergekommenen Kurort aufgewachsen. Insofern ist der Schritt zu einem englischen runtergekommenen Seebad nicht so weit. Ich mag diese leicht mobile Atmosphäre, diese Mischung aus Karneval und Friedhof, die man da teilweise hat. Ich finde, das wird in dem Roman auch unheimlich schön dargestellt, auch diese gestrandeten Figuren, die in diesem Boardinghaus untergekommen sind, die alle auf ihre Art und Weise sympathisch, aber auch alle auf ihre Art und Weise irgendwie gescheitert sind. fand ich wirklich schön dargestellt. Es verfällt auch nie in diese, ach guck mal, die putzige Nonne-Klischees, wie sie da lang läuft, gleich wird sie ihre Gitarre auspacken und ein aufmunterndes Kirchenlied singen. Soweit ist es nie. Es geht wirklich in finstere, auch gewalttätige Bereiche, was die Vorgeschichten der Personen angeht. Aber mir hat es wirklich gut gefallen. Ich finde, es hält da eine schöne Balance zwischen, ja, immer noch historischen Krimi, also in den 50ern und auch wirklich einer Charakterzeichnung. Und ich würde es wirklich empfehlen. Man sollte sich nur nicht von diesem cutesy, ach was sind wir putzig Cover täuschen lassen, indem was einen da erwartet. Ich bin auch gespannt auf die weiteren Bände. Ja, das war meine Empfehlung. speaker-1: Klingt auch wirklich gut. Ich habe gerade im Hintergrund mal geguckt, weil ich es fast nicht glauben konnte. Das ist im späten Frühjahr bei Dumont auf Deutsch erschienen. Mord in der Pension Mövennest mit genau dem gleichen cutesy Teetassen-Cover wie die englische Ausgabe. Aber man kann es auch auf Deutsch lesen, ja. speaker-0: Vielen Dank für die Recherche. Also ich werde es auch nochmal mit dem Titel und so natürlich in die Show Notes packen. Ja, haben wir noch irgendwas zu sagen, Kerstin? speaker-1: Also ich finde, das war jetzt ein rundes, schönes Ende. Es war eine spannende, interessante Diskussion. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht wieder. Danke dafür. Danke fürs Zuhören. Und ich bin mal sehr gespannt, was uns in unserer Oktober-Folge erwartet, während wir hier bei 30 Grad im Schatten gerade sitzen und aufnehmen. speaker-0: Ich mache gerade noch mal kurz ein bisschen Werbung. Erstmal, weil ich das immer vergesse. Es wäre super gut, wenn ihr uns weiterempfehlen würdet. Also wenn ihr jetzt bis hierher gehört habt und gesagt habt, das hat mir gefallen, dem sollten sich auch andere Leute aussetzen, dann empfehlt uns bitte weiter. Sei es durch eine Sternebewertung, zum Beispiel auf Apple Podcasts, auf Spotify gibt es auch Bewertungen, freuen wir uns auch. Ihr könnt uns auch einfach allen euren Freunden und Verwandten empfehlen, also gerade wenn ihr uns jetzt alle euren Tanten und Cousinen und so empfehlt und ihnen vielleicht noch dabei hilft, eine Podcast-App auf ihrem Handy einzurichten. Dann erobern wir hier ganz neue Zielgruppen. Das wäre natürlich für uns super, weil wir da nicht mit schon etablierten Podcasts konkurrieren müssten, sondern quasi neue Bereiche erkunden. Also empfehlt uns doch einfach weiter, falls ihr uns Feedback zukommen lassen wollt. Dann könnt ihr das über Blue Sky machen. Da haben wir den Schmöker-Cast-Account, wo ich versuche, am Tag reinzuschauen. Ich schaffe es immer nicht so ganz. Ansonsten bin ich auch persönlich auf Blue Sky vertreten. Kerstin betreut unseren Instagram-Account. Da könnt ihr uns auch finden. ja, dann würde ich sagen, sag ich an der Stelle Tschüss. speaker-1: Ja, auch von mir. Dank, tschüss und bis zum nächsten Mal.