FehlerMACHER: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge in eurem Fehlermacher Podcast. Freut euch in dieser Episode auf unseren fehler- äh, zauberhaften Moderator Max Maute und unseren supersympathischen Gast Fabian Eckhardt, dem Co-Founder von WeCup. Fabian hat als führender Changemaker und Mitgründer 2016 mit seinem Unternehmen WeCup, eines der erfolgreichsten und heute Das war der Fehlermacher Podcast, euer Podcast für mehr mutige Macher und Macherinnen. Wenn euch die Episode gefallen hat und ihr echten Impact mitnehmen konntet, dann freuen wir uns natürlich über eine positive Bewertung von euch. Damit ermöglicht ihr uns, dass noch mehr Menschen Fehlermacher hören und sehen und damit selbst zum mutigen Macher und Macherin werden können. Und wenn ihr künftig keine Folge mehr verpassen wollt, dann abonniert ihr einfach unseren Podcast. Max Maute: Herzlich Willkommen Fabian Eckert, schön, dass du hier dir Zeit nimmst für unseren Podcast. Fabian: Schön, ich da sein darf. Max Maute: Also ich freue mich ja schon lange auf die Folge mit dir, weil in so einem Bereich so erfolgreich zu sein, das ist ja irgendwie der Traum eines jeden Gründers in eine Nische zu gehen, wo sich noch keiner rein getraut hat und da dann so einen Erfolg zu schlagen, kannst du mir mal ganz kurz einordnen für dich persönlich, wie es sich gerade anfühlt, wo stehst du gerade im Leben? FehlerMACHER: flächendeckendsten Mehrwerk-Fundsystem in Deutschland gegründet. Heute ist WeCup der Marktführer im Mehrweg-to-go-Bereich und jeder von uns kennt doch die WeCup-Kaffeebecher oder die WeBowl Essensbelter. In dieser Episode lässt uns Fabian ganz transparent an seiner Erfolgsab und allem auch an seiner Fehlergeschichte beim Aufbau von WeCup teilhaben. Welche Fehler auf seinem Weg zum Erfolg passiert sind, welche Learnings wir alle mitnehmen dürfen, Danke, dass ihr heute dabei wart. Bis in drei Wochen zur nächsten Folge, eure Fehlermacher Max und Cindy. Fabian: Gerade stehe ich an einem chaotischen Punkt, würde ich sagen. Ich habe Recap letztes Jahr im Mai verlassen als Geschäftsführer und dann erst mal bis Ende des Jahres Fulltime Family gemacht. Wir letztes Jahr im Mai unser zweites Kind bekommen. Und jetzt, seit Januar, bin ich so in Sortierungs- und Neuausrichtungsphase. Und ich glaube, wie allen Menschen, die in solchen Phasen sind, aufs und ab. FehlerMACHER: Und warum wir alle öfter mal auf die Pappas dieser Welt hören sollten, das hören wir jetzt in einer spannenden Folge bei den Fehlermachern. Fabian: Auf und abs, so würde ich sagen. Also viel hoch, viel runter. Mal gute Tage, mal schlechte Tage. Max Maute: Was würdest du sagen, beschäftige dich dann gerade mehr als alles andere? Fabian: ganz klassisch glaube ich, es beruflich weitergeht. So die Frage, was kommt denn als nächstes und du hast gerade selber gesagt, wir haben mit Recap glaube ich viel erreichen dürfen und können und dadurch eine ganz gute Stallvorlage gelegt für sich selbst irgendwie oder nicht eine Stallvorlage, sondern die Matte recht, die Latte recht hochgesetzt und ja genau und so gesehen stelle ich mir einfach die Frage, was mache ich als nächstes, was will ich mit meiner Zeit anfangen? Wo kann ich einen Impact schaffen und wo bin ich in der aktuellen Lebenssituation noch am besten aufgehoben, die mit Familie doch deutlich anders ist als ohne. Max Maute: Das kann ich gut nachvollziehen. Auch wenn ich jetzt leider kein Unternehmen geexited habe, habe ich nach 18 Jahren schon eine Leistungssportkarriere beendet und es hat sich, glaube ich, ähnlich angefühlt. Dann auch erstmal wieder etwas Neues. Fabian: Geexzertet haben wir auch nicht. Ich bin nur als Geschäftsführer raus. So gesehen ist es jetzt nicht so, ich tiefenentspannt sitze und sage, okay jetzt mal gucken, was ich mache, sondern schon auch ein gewisser Druck da auch sich irgendwie neu auszurichten. Max Maute: Ja, Ja, ich meine Exit auf dem Papier nicht, aber Exit als operativer Geschäftsführer, das ist ja schon mal ein Riesenschritt. Fabian: Ja, auf jeden Fall. Max Maute: Lass uns mal ein paar Jahre zurückgehen vor diesem Erfolg. Was war damals die Vision, für die du so richtig gebrannt hast, was dich dazu bewegt hat, diese Schritte zu gehen? Fabian: Also vor Recap, kurz vor Recap sozusagen. Ich habe in Schweden Leadership for Sustainability studiert, hieß das. Also Nachhaltigkeitsmanagement mit Leadershipanteil, ich sagen. Und das war so, glaube ich, so bisschen ein Brainwash auch. Das war so ein Jahr richtig tief ins Thema Nachhaltigkeit rein und verstehen, was ja auch eigentlich alle wissen und leider trotzdem nicht alle danach handeln, dass wir an einem Punkt sind mit der Welt. der schwierig ist und das so nicht weitergehen kann und das so für die zukünftigen Generationen auch immer schwieriger werden wird. Und da war ganz klar der Antrieb schon irgendwie auch zu beizutragen, was zu verbessern, was anders zu machen. Und ich glaube, das, auch dazu gehört und das ist auch ein wichtiger Bestandteil von mir, war immer Dinge irgendwie ein bisschen anders zu machen. Und als wir angefangen haben, Social Entrepreneurship noch so eine sehr, sehr, sehr kleines Feld, man sagen. gab irgendwie so, es gab Einhorn, das waren die einzigen, die man glaube ich in Deutschland kannte, die irgendwie erfolgreich waren. Aber es gab noch nicht viele Unternehmen, die sich in dem Bereich etabliert hatten. Und das hat einfach Spaß gemacht, ein komplett neues unternehmerisches Feld mit aufzubauen und aufzumachen. Und ich glaube, war der Treiber damals zu sagen, ich habe keine Lust irgendwie so 0815 was zu machen, was alle anderen machen. Ich möchte irgendwas anders machen. Max Maute: Ja. Was waren damals oder vielleicht hattest du sie ja damals nicht? meine, er war wahrscheinlich jung und Fast so wie heute. Auch weniger wild vielleicht heute. Welche Zweifel hattest du denn damals zu der Zeit? Fabian: Hey, ich immer noch human being. Ja, ja. Ich glaube zum Glück gar keine. Das war eine ganz gute Phase. Ne, also eine total sorgenfreie Lebensphase. Ich bin aus dem Studium aus Schweden zurückgekommen. Ich hatte noch einen Arbeitslosengeldanspruch von der Zeit Formenmaster. Ich hatte keine großen Fixkosten, nichts, keine Verantwortung und einfach ... die Chance was auszuprobieren und konnte auch nicht viel verlieren dabei. Und so gesehen hatte ich da auch keine Zweifel, sondern mehr Lustes auszuprobieren und hab mir immer gesagt, wenn das jetzt gut geht, ist cool, wenn es nicht gut geht, dann mach ich halt was anderes. Max Maute: Mhm. Hattest du auch nicht Zweifel an diesem, also ich kenne das ja, anders machen zu wollen, aber man geht ja dann ein paar Schritte und dann kriegt man ja auch schon relativ schnell Feedback vom Markt. Wie war das da bei euch? Fabian: Wir waren einfach sind nach wie vor, aber ich wir waren auch mit Recap einfach wahnsinnig verwöhnt. Wir hatten wenig Widerstand am Anfang. Also im Markt natürlich ganz normal gab es Leute, haben an uns geglaubt, Leute die haben nicht an uns geglaubt. Aber wir waren in dieser super privilegierten Situation, dass wir ein Thema getroffen haben, was genau in den Zeitgeist gepasst hat und wir haben sofort viel Traction gehabt. hatten viel Aufmerksamkeit in den Medien. Bevor wir an den Markt gegangen sind überhaupt, haben wir die Idee mal vorgestellt in Rosenheim auf so einem... Was war das? Das war irgendein... Minimesse oder ich weiß gar nicht mehr genau. Auf alle Fälle durften wir uns präsentieren, zeigen was wir machen und da hat damals so ein kleines Tagblatt über uns geschrieben und dann sind wir sofort auf so eine Medienwelle gerutscht und auf der dann geritten. Da kam das Bayerische Fernsehen, dann kam ProSieben, Sat.1 und dann ging es so einmal komplett durch die deutschen Medienlandschaften, hatten wir noch gar nichts und dann waren wir natürlich total bestärkt, dass das was wir machen irgendwie einen Nerv trifft. Ja und so gesehen Da gab es dann auch keinen Widerstand aus dem Markt für uns, weil wir gesagt haben, es gibt definitiv den Need, das Problem zu lösen. Und haben einfach weitergemacht. Also es war schon Luxus, war schon echt Luxus. Ich kriege mittlerweile viele andere Gründungen mit, bin bei vielen auch dabei und merke einfach, wie viel härter es sein kann. Max Maute: Ja, aber es ist doch geil. Jeder hat ja seine eigene Geschichte. Ihr hattet am Anfang mega Wind unter den Flügeln, selber keine Zweifel. Von außen kam Zuspruch von überall. Wann kamen denn dann überhaupt der erste Dämpfer, wo es so bisschen wackelig wurde? Fabian: Ich glaube der erste Dämpfer war bei mir ein persönlicher Dämpfer 2019. bin ich drei Jahre, ziemlich genau drei Jahre nach der Gründung, ich stressbedingt ein paar Monate ausgefallen und da hat es mir richtig einen Schalter umgelegt und das war das erste Mal, dass ich gemerkt habe, dass ich kann das nicht so weitermachen, so wie bis dorthin und bis dahin war alles einfach geil, das hat einfach Bock gemacht. haben Dinge anders gemacht, haben probiert Dinge anders zu machen, wir sind schnell gewachsen, wir hatten Wie du gesagt hast, Wind unter den Flügeln auch und ich glaube das war so der erste Dämpfer wo ich festgestellt habe, okay vielleicht ist das Pensum nicht durchhaltbar auf eine lange Zeit oder das Erkennen, dass das ein Marathon ist und kein Sprint. Max Maute: Wie hat sich das geäußert? Damals. Fabian: Da gab es nicht viel Zweifel dran. bin ins Büro gegangen morgens und dann stand ich heulend im Büro und dann ging einfach nichts mehr. Dann hat mich unser CTO an der Hand genommen, hat mich zur Tür geführt und gesagt, geh dich mal ausruhen und dann war ich zwei Monate weg. Dann habe ich eine Therapie gemacht und alles was so. Was man probiert, ⁓ aus so einer Situation wieder rauszukommen und hatte aber auch da natürlich die wahnsinnige Luxussituation in einem oder selbst als Geschäftsführer bestimmen zu können, wie ich mich wieder einglieder, wie ich wieder reinkomme und hat auch ein extrem unterstützendes Umfeld, sowohl mein Mitgründer als auch unser Management. Das war echt eine sehr komfortable Situation, abgesehen von der Tatsache, dass mir nicht so gut ging. Max Maute: Ja. Ich glaube, das könnte ein spannendes Lernfeld für alle Gründer sein, die genauso begeistert sind, mit Freude vorangehend, da sich vielleicht auf diesem Weg vergessen. Ich fände es spannend zu hören, es denn zu dieser Zeit außergewöhnliche Probleme auch im Business oder Challenges, denen du dich nicht gewachsen fühltest oder war es wirklich einfach nur das Pensum an Arbeit, was da in den ganzen Jahren anfiel. Fabian: Ich glaube im Business war es weniger. Man sagt ja oder das habe ich dann auch gelernt und kann das jetzt auch besser einordnen. Es gibt immer so die drei Säulen, denen man irgendwie stabil steht. Gesundheit, Familie und dann eben der Beruf. Und Beruf war gut, so lief gut und war bestimmt auch anstrengend. Ich habe es zeitlich übertrieben, keine Frage. Aber zu dem Zeitpunkt hatte ich mich ein halbes Jahr davor ungefähr von meiner Ex-Freundin getrennt oder wir hatten uns getrennt. und dann hatte ich eine neue Beziehung. Erstmal dieser Umbruch so beziehungstechnisch, ich glaube... Irgendjemand hat mal gesagt, Männer verarbeiten das erst ein bisschen später. Und ich glaube bei mir hat das so sechs Monate gedauert, bis ich angefangen habe, erst mal alles zu verarbeiten, was davor war. Und parallel dazu hatte ich ein kaputtes Knie, mit dem ich schon ein paar Jahre gekämpft hatte und so eine anstehende größere OP, konnte nicht so viel Sport machen. Und ich glaube, das waren so zwei Dinge, die sehr stark gewackelt haben. Einmal so dieses Gesundheitsthema und Family. oder halt ungewiss waren in Neuausrichtung und Business war dann einfach halt oben drüber geladen, drauf geladen. Also ich habe einfach dann viel, viel, viel gearbeitet, ⁓ das bestimmt auch ein Stück weit zu kompensieren und mir nie wirklich die Frage gestellt, wie geht es mir eigentlich. Also bestimmt irgendwie oberflächlich, aber ich habe mich nie mal an der Kaffeemaschine gefunden und mir selbst wirklich die Frage stellt, so wie fühlt sich das gerade eigentlich an, fühle ich mich gut, fühle ich mich nicht so gut und rückwirkend so Connecting Dots kann ich natürlich ganz viele Anzeichen erkennen, aber habe sie zu dem Zeitpunkt halt nicht gesehen. Max Maute: Hm. Fabian: Und das ist also Anzeichen wie Unruhe, schlechter Schlaf. gewisser Optimierungsdrang, ich glaube den beobachte ich auch bei ganz vielen anderen Gründern und Gründerinnen, dieses so okay, jetzt morgens dann noch am besten eine Meditationsroutine und danach noch mal Sport und so weiter und ich bin viermal die Woche morgens dann irgendwie zum Sport und dann war ich noch in der Sauna und bin irgendwie nachdem ich Sport und Sauna durch hatte ⁓ neun ins Büro und dann eigentlich war dann energetisch schon Schluss und dann habe ich aber irgendwie zehn Stunden, zwölf Stunden Arbeit aufgeladen. Max Maute: Du hast also sogar diese ganzen Themen, die man so angeht, wenn man sich noch gesunder, noch fitter, noch präsenter fühlen will. Das hast du alles gemacht. das kann man auch machen. Also im Sport am Morgen, in die Sauna, das klingt eigentlich nach einem ziemlich geilen Start in den Tag. Also als ob du den traust. Fabian: Ja nicht alles, aber ich habe schon ein paar Sachen davon gemacht. Ja, aber ich glaube, aber ich habe schon gelernt, es kommt auch bisschen darauf an, was für einen Sport man macht. Durch das Knie konnte ich keinen oder hatte ich damals nicht gefunden, Ausdauersport hat irgendwie sinnvoll gut. Es hat halt viel klassisch gepumpt, einfach Kraftsport gemacht. Und ich Kraftsport ist echt ein ganz schlechter Ansatz, ⁓ energetisch in den Tag zu gehen, weil man einfach sehr viel Energie schon raushaut. Genau, und Sauna, ja, also Sauna ist gut abends zur Entspannung, aber morgens um acht irgendwie noch eine halbe Stunde in die Sauna und dann ins Büro. Das waren einfach keine guten Ideen, aber das war mir zu dem Zeitpunkt nicht so bewusst. Und dann war ich viel reisen, war jede Woche eigentlich unterwegs und war dann auch die Tage bevor ich dann irgendwie zusammengeklappt bin, ich in Ghana auf einem Social Entrepreneurship Summit und war irgendwie... Max Maute: Hm. Fabian: für vier oder fünf Tage da mitten in Afrika und komplett andere Welt und das war einfach zu viel. Max Maute: Ja. Wie hast du... Also klar, du kamst irgendwann an den Punkt, dem es nicht mehr ging. Hast du vorher schon teilweise darüber nachgedacht, das in irgendeiner Art und Weise zu ändern oder abzubrechen? Oder wartest du das bis zu dem Moment nicht bewusst? Fabian: Es war mir wirklich bis zu dem Moment nicht bewusst. es war also business-technisch war es immer positiver Stress. Es war stressig, klar, aber es war gefühlt nicht negativ. Es hat mir Spaß gemacht, die Probleme zu lösen. Genau. Max Maute: Und pumpen wahrscheinlich auch Spaß gemacht. Fabian: Das Pumpen hat auch Spaß gemacht, Saunen hat auch Spaß gemacht, es hat alles Spaß gemacht. Es war auch schön, neue Beziehung zu haben, die auch nach wie vor existiert. Meine Frau, mit der ich heute zwei Kinder habe und ganz viele positive Seiten, aber in Summe einfach zu viel Veränderung und zu viel Druck im Kessel, würde ich sagen. Max Maute: Ich glaube, die Geschichte ist sehr wertvoll, man, also auch ich selbst, hätte das überhaupt nicht vom Schirmen, dass es, wenn man nur Dinge tut, die einem Spaß machen und wenn man gefühlt ja auf sich achtet, dass man dann trotzdem an den Punkt kommen kann, dass alles einem ⁓ die Ohren fliegt. Fabian: Ich habe wirklich gelernt danach, dass dieses ehrliche Hinhören wie geht es mir und auch echte Pausen machen. Also echte Pausen nicht mit Sport oder was auch immer, wie man es eben optimiert, sondern einfach Pause. Ein Spaziergang oder rumsitzen, eine Serie gucken. Ich weiß nicht, irgendwas was wirklich ein bisschen Ruhe auch gibt. Max Maute: Ja. Baust du die heute konsequent ein? Fabian: ... Also ja, ich glaube schon. Ich glaube jetzt ist die Herausforderung eine andere. Und das sind zwei kleine Kinder. Die lassen sehr, sehr wenig Raum für Ruhe. ich gehe viel früher ins Bett als früher. Also ich glaube, das ist ein ganz gutes Beispiel. bin auch in dieser Spitzenleistungszeit, ob das jetzt positiv oder negativ auszulegen ist, bin ich irgendwie um 12 Uhr eins ins Bett und um 6 Uhr aufgestanden. Ich arbeite auch super gut abends. Ich kann sehr gut zwischen 22 und 1 Uhr arbeiten. und jetzt gehe ich halt um 22 Uhr ins Bett, weil ich merke, dass es sonst nicht reicht an Energie. Und ich würde sagen, Schlaf ist schon eine sehr, Pause, wenn man sie einhält. Max Maute: Ja, damals konntest du wahrscheinlich auch durchschlafen und heute eher sprich mit den Kindern. Fabian: Richtig, ich wäre so ein klassisches, auch trotzdem Apple Watch Opfer. Ich gucke mir diese Daten natürlich schon immer regelmäßig an und heute ist ein sehr gutes Beispiel. Ich hatte heute irgendwie 8,5 Stunden im Bett, aber nur 4 Stunden 15 Schlafenszeit, weil Kinder krank und dann ist man halt irgendwie die halbe Nacht unterwegs. Max Maute: yes! Okay, Fabian, lass uns mal in ein kleines Spiel reinstarten, was wir heute haben und zwar heißt dieses Spiel Lehrgeld Volltreffer oder Tabu. Dabei lese ich dir verschiedene unternehmerische klassische Fehler vor. Deine Aufgabe ist es einzuordnen, in welche Kategorie dieser Fehler für dich gesteckt wird aus deiner Erfahrung. Fabian: Sehr gerne. Max Maute: Leergeld bedeutet, du kannst heute darüber lachen. Volltreffer bedeutet, das tut immer noch weh. Und Tabu bedeutet, da hättest du vor einiger Zeit noch gar nicht drüber geredet, weil es dir vielleicht peinlich ist. Bist du ready? Fabian: Absolut. schieß los. Max Maute: Sehr gut, der erste Fehler, den viele machen. Ich habe klare Bahnsignale ignoriert. Fabian: Leergeld. Max Maute: Der zweite Fehler. Ich habe zu lange an etwas festgehalten. Fabian: Leergeld. Max Maute: Dritter Fehler, ich war naiv. Fabian: Lehrgeld. Max Maute: Und letzter Fehler. Ich habe mich nicht getraut, nein zu sagen. Fabian: Leergeld? Ich glaube, war alles Leergeld, oder? Alles Leergeld. Jo. Max Maute: Das sehr gut. Das Positive ist, du kannst heute lachen. Das heißt, du hast es voll schnell verarbeitet. Fabian: Doch würde ich schon sagen, ja. Max Maute: Was würdest du sagen, welcher dieser Fehler sitzt noch am ehesten, ist noch am frischesten? Fabian: frischesten. Max Maute: oder sitzt am tiefsten, war für dich am einschneidesten. Fabian: vermutlich festhalten, würde ich denken. Max Maute: Ja, dann lass uns da mal tiefer reingehen. Woran hast du es? Fabian: Ja, glaube, das beschreibt sehr viele Dinge. Max Maute: Was war die erste Assoziation damit? Fabian: Kultur, Unternehmenskultur. glaube, das muss ich bisschen ausführen. Max Maute: Ja, wir gehen hin. Fabian: Ich glaube wir waren wahnsinnig stark darin, Anfang eine sehr gute Unternehmenskultur aufzubauen. glaube Flo und ich waren uns auch sehr einig, wie wir ReCup aufbauen wollen, welche Werte wir haben, wo die Reise hingeht und mit welchen Menschen wir das gemeinsam machen wollen. Und das haben ja ganz viele Startups, dass man am Anfang diesen total engen Zusammenschluss hat, auch fast familiär, sehr nah. Und es gibt einfach, glaube ich, Grenzen für diese Startup-Kultur, die irgendwann anfangen, ab einer gewissen Mitarbeiterzahl. Und ich sage jetzt mal so, irgendwas zwischen 25 und 50 wird es echt schwierig, das aufrechtzuerhalten. Und da braucht es dann Veränderungen. Und ich glaube, da war ich selbst tendenziell eher bisschen hinten dran, obwohl ich eigentlich hätte vorne dran stehen müssen an der Veränderung. Ich hab oft selbst festgehalten an dem, was mir auch wahnsinnig Spaß gemacht hat, Bock gemacht hat. Die Mechanismen funktionieren aber anders. Am Anfang ist natürlich so eine Unternehmenskultur extrem gründerzentriert auch oder gründerinnenzentriert. Und meine Rolle, und das hab ich glaube ich auch erst im Nachhinein so gelernt, war immer so bisschen so, der Social Architekt, wie man so schön sagt. Ich habe sehr gut mit den Menschen zusammenarbeiten können, die verschiedene Menschen zusammenbringen können, die Konflikte offenlegen können und irgendwie alles über einen zwischenmenschlichen Kontakt lösen können, ohne große Strukturen, ohne große Prozesse. Auf einer gewissen Größe braucht man aber natürlich diese Strukturen und diese Prozesse, um das irgendwie machen zu können. Da habe ich schon lange gebraucht, um selbst erst mal reinzukommen. Wie verändert sich dann die Kultur auch mit 50, mit 70, mit 100 Leuten? war schon ein Brett für mich, aber ich würde sagen, ich habe mein Lehrgeld bezahlt. Jetzt kann ich ganz gut drauf gucken, habe viel gelernt und wüsste, wie ich es anders machen kann. Max Maute: Hol uns mal ein bisschen ab, was da passiert ist. Du warst sozusagen der Social Architekt, das heißt du warst das Zentrum der Kommunikation wahrscheinlich auch irgendwie und hast halt genau gesehen, welche Stelle welche Menschen passen und welche Menschen mit welchen Menschen gut harmonieren oder wie kann man sich das vorstellen. Fabian: Ich glaube, das trifft sich ziemlich gut. das. Also einerseits das, genau was du gerade gesagt hast, und dann aber auch die Herausforderungen, die immer in der Zusammenarbeit von Menschen entstehen, sich ja, lassen sich one on one sehr gut lösen. Also dieses, ich nehme mal kurz jemanden zur Seite, wir gehen mal kurz eine Runde spazieren, ich spreche darüber, ich sorge dafür, dass alle ein gleiches Bild von unserem Unternehmen haben, weil ich auch mit allen die Zeit habe zu sprechen. Ich kann mit jedem irgendwie diesen Kontakt pflegen und so dieses klar, dieses klassische am Anfang, kann man so bisschen spinn im Netz sein und zu jedem den Kontakt pflegen und irgendwann geht das natürlich nicht mehr. Irgendwann kommt man nicht mehr hinterher und merkt man so Stück für Stück, wie Leute abgehängt werden, gerade die neu reinkommen, verstehen dann die Sachen nicht mehr so gut. Dann in dem Moment muss man eigentlich einen Schalter umlegen. und eine andere Form von Kommunikation, eine andere Form von Kommunikationsstruktur auch wählen, ⁓ überhaupt die Nachrichten richtig zu platzieren. Und am Anfang ist das so bisschen selbstläufer gewesen für mich, weil das was ist, was ich halt sehr, gut kann in einem kleinen Team. Und wenn es größer wird, muss halt anders laufen. Und das habe ich lange noch so probiert, lange noch so probiert und dann halt irgendwann natürlich die ersten Personen irgendwie verloren auf dem Weg, weil ich es nicht mehr geschafft habe, die abzuholen, mitzunehmen. Max Maute: Bis zum nächsten Bei welcher Größe war das, wo du gemerkt hast, jetzt komme ich an meine Grenzen? Fabian: Ja, gemerkt habe ich zu spät, aber ich würde sagen, angefangen hat es so ab 25 Mitarbeitenden, würde ich sagen, wurde es dann schon kritischer. Und glaube, ab 50 war ich lost. Und dann habe ich auch begriffen... Max Maute: Ich sparte jetzt auch schon ganz schön groß. Ab 25 hast du es gemerkt und dann hast du noch weiter gemacht. Fabian: Ja klar, natürlich haben wir Dinge gemacht, die Organisationsstruktur verändert und wir hatten Management und so. Das schon, aber ich habe mich immer noch in einer Rolle gesehen, der ich probiert habe, diese Nähe zu allen zu pflegen und zu halten. Ich glaube, hatte so einen Leitsatz zum Beispiel am Anfang, finde ich auch nach wie vor vom Anspruch her gut. Die Frage ist nur, wie tief meine Geden waren. Es war am Anfang immer, möchte, bis wir 120 sind, habe ich gesagt, möchte ich von jedem Vor- und Nachnamen kennen, das ist schon mal eins, aber auch zu jedem was wissen, was die Person im Leben irgendwie beschäftigt. Und das, nee, habe ich nicht geschafft. Max Maute: Das wurde schon ab 2025 schwierig oder war das... Fabian: Ja, ein bisschen später vielleicht, das wurde dann schnell schwierig. Natürlich auch, weil wir auch viel zu tun hatten. mein Tag bestand jetzt ja nicht nur daraus mit Menschen zusammenzusitzen, sondern hatte auch viele zu tun. Max Maute: Was waren dann die ersten Symptome, wo das angefangen hat zu bröckeln? Das alte System? Fabian: Ich meine klar, das ist auch ein normaler Prozess. Ich glaube das erste Mal realisieren, realisiert habe ich es als Menschen gegangen sind, die von Anfang an dabei waren. Wo ich mir dachte, okay, die habe ich jetzt irgendwo auf dem Weg, habe ich die verloren. Aus welchen Gründen auch immer. Mag ja auch richtig und gut sein, dass sie gehen, aber ich habe es halt nicht richtig mitbekommen. Ich glaube das waren so die ersten Anzeichen davon eigentlich. Ja und später dann natürlich, neue Personen da sind und man faktisch eigentlich gar nichts weiß. Man kommt ins Büro und muss irgendwie fragen, wer ist denn das? Das ist auch irgendwie super unangenehm. Aber gab es solche Situationen? Max Maute: Wie habt ihr dann angefangen, das zu versuchen zu lösen? Also Organisationsstruktur heißt, du hast einfach versucht, quasi noch eine Zwischenebene einzubauen. Fabian: Genau, dann relativ schnell hatten wir erst mal Teamleads, dann hatten wir Abteilungen, dann hatten wir praktisch zwei Ebenen drinnen. diesen Inner Circle in Anführungszeichen dann zu formen mit dem Leadership. Ich glaube, das hat einfach bisschen gedauert, aber das ist schon der richtige Weg und glaube ich auch bis heute der richtige Weg, einen sehr, sehr starken Kern zu bilden, der dann auch einheitlich nach außen auftritt, einheitlich nach außen spricht. Genau. Zeit lang gedauert, bis wir das irgendwie geschafft haben. Max Maute: Das heißt im Grunde ein Management Team aufzubauen, was genauso ein Social Architect ist wie du. Fabian: Ne, das würde ich, also ich glaube, das muss gar nicht sein. Also gerade ein gutes Management-Team ist ja eigentlich dann auch eine Ergänzung aus verschiedenen Stärken. Aber es muss halt mit vorkommen. Es muss halt die Menschen geben, die an dieser Stelle die Verantwortung übernehmen. Aber das muss auch gar nicht nur aus Management sein, sondern es kann dann auch eine... Struktur sein, der vielleicht HR eine größere Rolle spielt, stärker involviert ist und da geht es dann einfach darum, ganz klar eine Haltung weiter zu vertreten und die auch so weiterzugeben, dass sie eben kopiert und transportiert werden kann. Genau, ich glaube das eine und das andere ist echt ganz klassisch so Kommunikationskaskaden bauen. So wann spreche ich über was, mit wem und wie, weil gerade am Anfang kann ich mit jedem über alle Probleme sprechen, kann ich immer hingehen und sagen ey, pass auf, folgendes Problem haben wir gerade, beschäftigt mich total, stressen mich total, ich krieg gleich die Krise, aber einen Tag später kann ich der Person auch sagen, wie ich damit umgegangen bin und wie ich es gelöst hab. Und wenn ich dann irgendwann später mit mehr Mitarbeitenden rausgehe und anfange über diese Probleme zu reden und dann aber drei Wochen später erst wieder dazu komme, mit denen zu sprechen, dann arbeitet das natürlich, Und schon so bisschen im Filter aufsetzen, zu verstehen, was kann ich zu welchem Zeitpunkt sagen. dass einerseits genug Transparenz in der Organisation ist, was wichtig ist, und andererseits nicht so viel, Unruhe entsteht. Und es gibt immer Probleme im Hintergrund. Es gibt ja immer Herausforderungen, die auch kritischer sind. Aber wenn ich jedes Mal komplett in die Organisation werfe, dann entsteht natürlich auch eine wahnsinnige Unruhe. Und man hat natürlich auch mittlerweile dann andere Personen angestellt, die vielleicht auch gar nicht so gut damit umgehen können, mit dieser Unsicherheit. glaube, was ich gerade schon gesagt hatte, Gefühl oder die Frage, war ich nicht nahe genug dran an der Person. Habe ich nicht mitbekommen, dass sich was verändert hat, was hat sich verändert. Ich glaube, ⁓ eigentlich das, was an Zweifeln da war und das... gibt ja auch immer, schafft ja immer neuen Raum, wenn jemand geht, das ist jetzt nicht per se immer negativ, aber es ist schöner, wenn man so einen Weg gemeinsam gestaltet. Und ich glaube, haben wir am Anfang extrem hochgehalten, auch über eine lange Zeit, zu sagen, ist total in Ordnung, wenn jemand sich rausentwickeln möchte, gar keine Frage. Der Wunsch ist aber, dass wir das gemeinsam machen und dass sich nicht irgendwann vor vollendete Tatsachen gestellt werden im Sinne von, okay, pass auf, ich habe einen neuen Job, ich bin nächste Woche weg. Genau, das ist natürlich auch irgendwann dann mal passiert und ich glaube dann war es schon so, es ist einfach nicht mehr möglich gewisse Kulturelemente aufrecht zu erhalten, die wir am Anfang sehr stark gepredigt haben und auch eingefordert haben. Und dann aber das Learning und das vielleicht eine ganz gute Brücke, ich selbst konnte das am Ende ja auch nicht einhalten. Ich konnte ja sozusagen auch nicht auf die Organisation zugehen und sagen, übrigens, by the way, ich bin hier bald weg, ohne schon einen klaren Plan zu was danach passiert, weil das natürlich für eine, in dem Moment, ich weiß nicht, wie viele Leute wir waren, weil wir waren dann nur noch 70, glaube ich. Aber das war natürlich nicht meine Rolle dann zu sagen, übrigens ich entwickle mich jetzt hier gerade irgendwie raus, sondern musste das ja bis zum Ende eigentlich dann durchziehen und dann einen klaren Plan vorlegen und sagen, das passiert jetzt als nächstes. So ist das dann auch. Max Maute: heißt, am Ende hast du dein Team oder deine Firma auch ⁓ änderte Tatsachen gestellt und hast dann den Plan vorgestellt. Fabian: Ja, das war natürlich auch, also ich glaube da würde ich dann schon einen Unterschied machen auch zwischen wer geht. Ich glaube schon, dass in dieser Gründer-Geschäftsführer-Rolle das einfach auch keine gute Idee ist, das irgendwie über sechs Monate alle spüren zu lassen. Oder über Jahr alle spüren zu lassen, dass da was passiert, ... Ich glaube, da gehört es einfach dazu, dann zu sagen, es gilt vielleicht für andere und man kann das auch mit anderen gut gemeinsam durchleben, aber in der Rolle geht es vor allem darum, Sicherheit zu vermitteln auch und Klarheit zu vermitteln und dann irgendwie zu sagen, mal gucken, was dann kommt, keine Ahnung. Ich weiß nicht, ob das so förderlich gewesen wäre. Max Maute: Wie lange hast du für dich oder wie lange habt ihr gebraucht im Unternehmen, um diese Kulturtransformation hinzukriegen? Das ist jetzt einfach nicht mehr so. Also diesen Spagat, das war eigentlich ganz gut, wie du es benannt hast, Transparenz auf der einen Seite und gleichzeitig aber auch nicht Unruhe zu stiften, weil du kannst es nicht gleich wieder auflösen am nächsten Tag. Wie lange habt ihr da gebraucht? Fabian: Also viel zu lange. Lange. Ich würde sagen... Das war schon ein ungesunder Übergang von zwei, drei Jahren, bis wir das gut im Griff hatten. Und ich glaube, so richtig im Griff hatten wir es erst, mein Mitgründer ist ja vor mir raus, anderthalb Jahre vor mir raus und dann haben wir einen neuen Geschäftsführer eingestellt, damals vom Unternehmen, das wir übernommen hatten. Und der funktioniert einfach komplett anders als wir beide. Und das war richtig gut. Weil der einfach genau das, was ich gerade gesagt habe, so diese Kommunikationskaskaden, diese Klarheit, diese Struktur in die allgemeingültige Kommunikation zu bringen, hat er einfach extrem gut gemacht. Da konnte ich auch nochmal total viel lernen. Dann hat es mir auch wieder richtig Spaß gemacht, weil ich auf einmal gemerkt, okay, das sind die Hebel, die man umlegen kann. Und in meiner Welt hat das halt immer anders funktioniert, weil ich als Mensch anders funktioniere. Und umso besser weiß ich heute, was ich als Gegenspieler brauche, damit die Dinge gut gehen und Flo und ich waren als Gründerteam, mega Bock gemacht. Aber wir hätten viel früher erkennen können, dass wir noch jemanden brauchen, der strukturiert an die Dinge rangeht, sagen wir es mal so. Max Maute: Hast du dieses Learning früh zu erkennen, dass es gerade was anderes braucht, jetzt schon auf irgendwas anderes übertragen können? Fabian: nachdem ich ja noch nicht arbeite, Aber insofern natürlich, dass ich weiß, was ich gerade gesagt habe. glaube, ich weiß jetzt sehr gut oder besser, wo mein Platz ist und wo ich einen guten Platz auch einnehmen kann und ich weiß aber auch besser, was ich noch ergänzend brauche. Max Maute: Okay. Ich frage mich gerade, welchen Satz wir jetzt eigentlich genommen haben, weil das passt eigentlich zu ein paar Dingen. Aber wahrscheinlich das mit den Warnsignalen oder zu lange an festgehalten. Festhalten? Okay, aber Warnsignale hätte ja auch gepasst, oder? Fabian: festhalten. Warnsignal hätte auch gepasst bestimmt. Naiv hätte auch gepasst. Wobei naiv finde ich immer schwierig. Ich würde eher sagen intuitiv. Und Intuition ist super gut und braucht man ganz ganz oft. das hat sich halt mir gezeigt, dass ich nicht nur auf Intuitionsbasis führen kann. Zumindest nicht nur auf der Basis meiner Intuition. Max Maute: Hmm. Vorhin im Vorgespräch hast du kurz eingeteasert, dass du bei dem Thema naiv ein paar Gedanken zu hast. Woran hast du gedacht? Fabian: Es gibt, da muss ich zitieren, Stück weit, und zwar die Frau von meinem Mitgründer hat Critical Friends gegründet. Das gehe ich nicht näher drauf ein, aber das Grundprinzip, was dahinter stand, war immer geleitet von Intuition und nicht von Erfahrung. Und ich glaube, das, und deswegen meine ich gerade naiv ist nicht das richtige Wort, aber haben eine ganze Zeit lang extrem stark unsere Intuition gehört. Es hat auch mega Bock gemacht. Wir haben so viel ausprobiert, was wir einfach gesagt haben, wir wollen das machen, weil wir es nicht anders machen wollen. Beispiel, wir haben auch bis heute noch eine Regelung, jeder darf so viel Urlaub haben, wie er oder sie braucht. Braucht ist was anderes als will, aber... Und das haben wir selbst auch total mitgelegt. Also ich war jahrelang, glaube ich, Anführer sozusagen an Urlaubstagen bei uns im Laden, weil ich es gebraucht habe. Weil ich Sprinter irgendwie bin und ich brauch eher 35-40 Tage im Jahr als nur 25. Es gibt andere, die brauchen nur 25 Tage. Das haben wir aus reiner Intuition gemacht und nie aus der Frage, ist das sinnvoll, ist das auch gut für die Company, was heißt das eigentlich, unterm Strich, wie viel Urlaub wird dann genommen und so. Das hat uns gar nicht interessiert am Anfang. Haben wir uns natürlich später mal angeguckt, was es dann auch heißt. Das hat zum gewissen Grad gut funktioniert und dann hatten wir aber auch Dinge, die haben nicht gut funktioniert, wie zum Beispiel selbstbestimmte Gehälter. Am Anfang mal, jeder durfte einfach in Topf greifen und sich nehmen, was er braucht. Das ging bis zum gewissen Grad und so ab 12, 13, 14 Leuten wurde es echt schwierig und da mussten wir das auch ein bisschen umbauen. Da haben wir dann unser Lehrgeld bezahlt. Aber es war cool, aber davor hat es super funktioniert. Max Maute: Aber das sind Dimensionen. Jetzt verstehe ich erst so richtig, was du meinst mit, wir machen Dinge komplett anders. Schlagt das mal einem Chef eines mittelständischen Traditionsunternehmens vor, dass jetzt die Leute, die eure Kerle, das immer machen. Fabian: Würde ich nicht tun. Würde ich nicht mehr wir daraus gelernt haben. Ich glaube, ich würde das nach wie vor in Erwägung ziehen, wenn es ein kleines Team ist, muss ich ehrlich sagen. Fand ich wirklich sehr, sehr positiv in ganz vielen Aspekten. Aber für ein eingesessenes Unternehmen keine Chance. Also sehe ich nicht mehr. Ja und so haben wir eigentlich alles. Max Maute: Wo siehst du das? Fabian: Also, Entschuldigung. Max Maute: mich interessiert nochmal, wo du da den Kipppunkt siehst, ab dem es nicht mehr funktioniert und was der Unterschied ist, vielleicht auch in den Köpfen der Mitarbeiter oder des Teams dann in dem Moment, wo sowas nicht mehr funktioniert. Weil das ist ja irgendwie eine Form der Identifikation, die entweder distanziert, also man distanziert sich mehr vom Unternehmen und greift sich dann einfach was raus, weil man ein anderes Verantwortungsbewusstsein hat. Oder man identifiziert sich voll damit und spürt halt, wenn ich jetzt dem Unternehmen einen Teil wegnehme, dann nehme ich auch mir einen Teil weg und deswegen macht das keinen Sinn. Wo würdest du sagen ist dieser Kipppunkt? Was ist der Unterschied? Fabian: Wie so oft in dem Moment, wo, und das ist auch natürlich und auch richtig irgendwo ein Stück weit, aber es gibt dann, es gibt einfach Menschen, die sich stärker durchsetzen und welche, die sich weniger stark durchsetzen können an so Stellen. Und dann gibt es halt die Leute, sagen, nee, ich nehme jetzt aber so viel, weil ich will halt jetzt so viel. Und das passt aber irgendwie vielleicht nicht mehr ins Gefüge oder ins Gesamtbild, weil wir hatten komplette Transparenz. Jeder wusste, wer was verdient von uns allen. Und dann entstehen irgendwann Störgefühle. Wenn du merkst, dann passt vielleicht die wahrgenommene Leistung nicht zu dem, was jemand nimmt. Und dann entsteht halt Reibung. Also ganz natürlich und ganz klar. ich glaube, wenn du ganz, ganz kleines Team bist, dann kann man diese Reibung gemeinsam bewältigen. Dann kann man offen ins Gespräch gehen. Aber du kannst ja danach nicht, wenn du wächst, kannst ja nicht die ganze Zeit deine Zeit damit verbringen, solche Konflikte zu lösen. Das geht einfach nicht. Und dann kommt jemand Neues rein, das kommt noch dazu, dann kommen neue Leute rein, die das gar nicht mit erschaffen haben und verstehen es auch eigentlich nicht, glaube ich. Können es auch nicht fühlen, können es nicht spüren, können es auch nicht verstehen, dann kommen sie rein und sagen, na gut, ich hatte meinen letzten Job, keine Ahnung, 80.000 Euro, 50.000 Euro, 20.000 Euro, wie auch immer, und greifen halt einfach genauso wieder in Topf, weil sie sagen, ja, wird schon passen. Und das geht dann halt nicht. Aber ich bereue es gar nicht, dass wir das gemacht haben. Das war eine super coole Erfahrung, aber wir haben mit unser Lehrgeld bezahlt. Max Maute: Ja, das ist fast schon so ein soziales Experiment. Fabian: Vielleicht. Ja, so fühlt es sich auch an. Max Maute: Kennst du noch jemand, der so was gemacht hat auf die Art und Weise? Fabian: Einhorn hat das auch gemacht. Einhorn hat das auch gemacht bis zu einem gewissen Grad. Also immer mit so Feinheiten. Du musst es natürlich ein bisschen, du musst es ja navigieren und steuern. Wenn da jemand reinkommt und sagt, nehme eine halbe Million, dann ist der Laden ja pleite. Das funktioniert ja nicht. Also du musst natürlich irgendwie einen Rahmen setzen. Du musst einen Prozess darum bauen, wie das funktioniert, wie oft das auch gemacht wird und so und das. ja, genau. Die hatten das auch. Ich glaube, sie haben es auch nicht mehr. Max Maute: Okay. Fabian: Ich weiß aber ehrlich gesagt nicht. Max Maute: Gibt es noch so ein Fehler, wo du sagst, boah, wäre der nicht passiert, wäre die ganze Company nicht da, wo sie heute steht? Fabian: Definitiv. Die Frage ist jetzt ob im negativen oder ob positiven. Im Endeffekt wir alle Fehler dazu geführt, dass die Company sich da entwickelt hat, wo sie heute ist. Aber glaube wir haben wahnsinnig schlecht gehipert zwischendrin. Aber muss ich leider so sagen, wir haben echt... Personen angestellt. ⁓ dem Glauben raus, oftens steht ja was ⁓ ein Pendelschwingen von links nach rechts, eine starke Bewegung in die eine Richtung, so wie gerade die ganze Welt nicht mehr in Nachhaltigkeit denkt, kommt dieses Pendel hoffentlich wieder zurück in ein paar Jahren und ich glaube irgendwann, ⁓ die Erkenntnis bei uns kam, dass wir gewisse Kompetenzen nicht haben im Team, haben wir dann natürlich probiert diese Kompetenzen. bei anderen zu suchen und haben dann so komplette Gegenteile angestellt, kann man eigentlich sagen, und haben da oft nicht auf einen Wertefit geachtet oder nicht ausreichend geachtet. Und da haben wir uns schon echt viel Arbeit mit eingefangen, dass wir einfach Leute eingestellt haben, die wir uns wirklich, die waren einfach komplett im falschen Bus, so, ich weiß nicht, ob das Bild kennst, aber so, richtiger Bus, richtiger Platz. Da haben wir einfach Leute in den Bus reingeholt, die da nichts verloren hatten. Die müssen in einen anderen Bus. Und die sind auch woanders wieder glücklich geworden. das hat bei uns nicht funktioniert. Und das haben wir eine ganze Zeit lang nicht gut gemacht. Vor allem in der Phase, wo wir schnell gewachsen sind. Ich erinnere mich auch gar nicht mehr so genauer. Der Sprung von 40 auf 120 ging einfach wahnsinnig schnell. für unsere Verhältnisse. Dann sehe ich mal andere Unternehmen und denke mir, wie macht ihr das? Wie schafft ihr irgendwie 2000 Leute in zwei Jahren anzustellen? Aber für uns war das ein Riesensprung und da haben wir, ja, das war nicht gut. Hat trotzdem dazu geführt, dass die Firma heute da ist, wo sie ist. Also wir haben dann mal daraus gelernt, haben die Konsequenzen gezogen, aber das waren schon bittere Fehler und ich glaube, das ist auch eins, wo ich sage, Ich glaube, haben wir uns als Gründer, ich mich auch, einfach zu stark rausgezogen aus dem Prozess. Wir haben zu früh gesagt, wir haben nicht mehr das letzte Wort, was das Hiring betrifft. Ganz am Anfang hatten wir oft noch so ein Veto. Dann haben wir einfach gesagt, nee, irgendwas passt da nicht, irgendwas wollen wir da nicht. Und das haben wir irgendwann bleiben lassen und haben einfach einerseits, was ja gut ist, die Verantwortung auch abgegeben für diese Themen. Aber dann waren halt so paar Personen dabei, wo ich dachte, das habe ich von Anfang an Anfang Ich wusste eigentlich ab dem ersten Moment, dass das schief geht und wir haben es trotzdem irgendwie zugelassen. Und das würde ich heute nicht mehr machen und nicht mehr so machen wollen. Das würde ich glaube ich deutlich konsequenter sein. Max Maute: Mh. Das heißt, würdest du vielleicht auch mit Absicht bisschen Geschwindigkeit aus dem Wachstum rausnehmen, ⁓ diesen kulturellen Fit noch länger zu wahren? Fabian: Das ist lustigerweise eine Frage, ich schon öfter bekommen habe. glaube, die Option gab es nicht. Wir waren in einem extrem kompetitiven Markt. hatten eine Gesetzgebung, die uns irgendwie angeschoben hat. Langsames Wachstum wäre Suizid gewesen. Das hätte nicht funktioniert. Also wir mussten einfach durch. Aber beim zweiten Mal, wenn ich das irgendwann noch mal erleben darf, dann hoffentlich mit ein paar weniger Schmerzen. Max Maute: Ich bin überzeugt mit ein weniger Schmerzen, weil die Learnings, du gemacht hast und die Schmerzen, die du dabei erlebt hast, die sind ja sehr einprägsam und lassen dich ja wunderbar lernen. Fabian: So. Absolut. Max Maute: Ja, Gott sei Dank hast du dir jetzt auch hier preisgegeben, weil dann können zumindest ein bisschen auch andere davon lernen. Mir hat sehr viel Spaß gemacht, Gespräch mit dir, ⁓ jetzt nochmal in die Gegenwart zu kommen. Ich weiß, du bist gerade sowieso in dieser Phase, wo du so ein bisschen nach einer neuen Herausforderung suchst. Gibt es schon irgendwelche Visionen in deinem Kopf, auch was Business betrifft, die du ⁓ von denen du träumst, die du umsetzen möchtest oder stehst du vor dem weißen Blatt Papier sozusagen. Fabian: weiß es ist nicht mehr. Ich glaube es füllt sich langsam. Ich fühle viele Gespräche, treffe viele Menschen. Ich glaube ich weiß sehr gut, da haben wir gerade auch viel darüber geredet, welcher Rolle ich mich sehe und wo ich wieder hin will und ein Stück weit auch mehr wieder hin will. Also ich glaube für mich ist schon reizvoller in Team zu gehen, was nicht viel zu groß ist. Und glaube, darüber bin ich mir mittlerweile sehr klar. Wo sind meine Stärken, wo sind meine Schwächen, wie will ich arbeiten, wie will ich agieren, wie will ich interagieren auch mit Menschen. Und inhaltlich bin ich aber noch ziemlich blank. Ich hatte jetzt natürlich irgendwie viele Ideen zwischendrin und auch viele Gründungsideen. Ob jetzt eine Gründung in der Lebensphase mit Familie und so gerade die beste Idee ist, weiß ich nicht. Das lasse ich einfach auf mich zukommen. Ich bin aber auf jeden Fall, gehe gerade sehr offen so durch die Welt und gucke mir alles an und freue mich dann, wenn das Herzblut wieder anspringt. So, wenn ich merke, okay, da habe ich Bock drauf, wenn es mich hinzieht. Und ich hatte das beste Learning eigentlich, was ich irgendwann mal hatte, für mich persönlich zumindest, das trifft vielleicht nicht auf jeden zu, aber ich war damals... noch lange vor Recap hatte ich einen ganz anderen Karrierewunsch, wollte ganz woanders hin, hat alles nicht funktioniert und war bei einer Berufsberaterin und die hat, da war ich nur zum Vorstellungsgesprächen, die hat gesagt, so Menschen wie du, sind ganz einfach, die brauchen einfach nur ein neues Ziel, dann laufen die wieder. Und dann kam irgendwann dieses Ziel, dann kam Recap und dann bin ich wieder gelaufen und ich glaube, jetzt gerade so bisschen diese Zielsuche, ne? Also ich warte darauf, dass ich mich irgendwie auf ein Ziel einschieße und hab dann noch großes Vertrauen dass ich dann auch wieder anfange so in den Modus zu kommen. Und bis dahin ist etwas einfach ein bisschen unangenehm auch. Ich glaube es darf es auch sein. Max Maute: unangenehm inwiefern. Also dass dir die Finger jucken, weil du denkst, ich muss jetzt wieder was reißen. Fabian: Ja, ich hab ja Bock, was zu reißen, aber ich will ja nicht irgendwas machen. Und ich glaub, wer will, natürlich will ich nicht irgendwas machen, wer will das? ich... Es ist einfach nicht so unangenehm, ziellos für mich rumzulaufen. Ich bin ein sehr zielorientierter Mensch, würde ich sagen. Ich hatte eigentlich mein ganzes Leben lang irgendwie Ziele, außer diese Zwischenphasen. Und die Zwischenphasen sind immer entsprechend so, dass ich mich freue, wenn es vorbei ist. dramatisch, es ist auch nicht geil. Max Maute: Ja, kann ich voll nachvollziehen. Ich habe es immer so beschrieben, wenn ich irgendwie an einem Berg oben angekommen bin, dann gucke ich mich kurz ⁓ und dann habe ich aber auch Bock, den nächsten zu besteigen und will dann nicht lange verweilen, weil der Aufstieg ist ja das, Spaß macht. Fabian: Ja, aber man kann es auch genießen da oben zu sitzen. ist dann so nach dem nächsten Gipfel zu gucken, ist eine gute Sache. Max Maute: Cool, dann habe ich noch eine einzige Abschlussfrage, aber sag dir nochmal herzlichen Dank, dass du dir Zeit für diesen Podcast genommen hast. Ich glaube, das war sehr bereichernd, nicht nur für mich, sondern auch für alle, die sich das angehört haben. Was würdest du Menschen sagen, jetzt gerade vielleicht mitten in einer schwierigen Phase stecken, wie beispielsweise, wie du es vorher genannt hast, eine kulturelle Transformation, wo man vielleicht gerade gar nicht weiß, man das drehen kann. Fabian: Feedback von außen holen. Also wenn es jetzt ⁓ Unternehmertum geht, dann aber auch ums Privatleben, weil es ist ja... Am Ende hilft jedes Gespräch gefühlt. Man kann aus jedem Gespräch was lernen, was mitnehmen und... in allen Phasen, in denen wir nicht mehr weitergekommen sind, hat es uns doch mal extrem geholfen, dass wir gute Mentoren hatten, Menschen ⁓ uns herum, die Themen schon mal durchlebt haben. Ich glaube, das ist gut. Und spannend ist in dem Moment vielleicht noch ergänzend, ist mir aufgefallen, dass ganz viele dieser Themen, über die wir auch geredet haben, natürlich schon 100.000 Leute erzählt und gemacht und getan. Und man hat ja immer eine sehr selektive Wahrnehmung auf die Probleme, die man gerade selbst hat. Und ich glaube, ich hätte öfter auch ein bisschen mehr zuhören können an Stellen, wo mir Menschen Rat oder Erfahrung geteilt haben. die aber in dem Moment nicht mein Problem war. Oft war das dann so, dass ich dem Moment gesagt habe, ja, ist aber nicht mein Problem, so, haben wir nicht. Und dann habe ich es weggedrängt, statt es irgendwie mit in diesen Lösungstopf mit aufzunehmen und auch schon mal anzustoßen und ein bisschen proaktiver zu werden. besser hinhören. Ich glaube alle haben gute Dinge zu teilen und dann auch wirklich zu gucken, kann ich das schon irgendwie aufnehmen oder nicht. Und ⁓ das vielleicht noch mit einem letzten Beispiel abzurunden, total klingt wie eine Banalität, aber am Ende gar nicht. Mein Vater hat ganz am Anfang der Gründung gesagt, sorgt ja dafür, dass ihr eine gute IT-Infrastruktur habt. sorgt dafür, dass das echt von Anfang an gut aufgebaut wird. ich war so, ey, wir sind irgendwie Marketing-Sales, wir bauen eine geile Brands, ist mir doch egal. Boah, da haben wir auch echt bitter für bezahlt. Ganz bitter. Das war richtig teuer. Und das war aber so eine gut gemeinte Erfahrung aus seinem Leben, glaube ich, die ich in dem Moment einfach gar nicht hören konnte oder wollte. Und hätten wir das mal getan, hätten wir uns bestimmt ... sehr viel Geld und Schmerzen sparen können. Max Maute: Hm, mega. Besser hinhören, sowohl auf Tipps von anderen, die schon vielleicht da stehen, wo du hin möchtest, und gleichzeitig auch besser hinhören auf sein eigenes Befinden, habe ich mitgenommen. Das war ja am Anfang Thema. Ich glaube, wenn man die zwei Tipps folgt, hat man schon die wichtigsten Learnings mitgenommen. Fabian: Auf jeden Fall. hoffe jetzt ist gerade im Hintergrund, ist nicht gerade der Kinderschrei hier durchgekommen durch das Mikrofon. Okay. Max Maute: Wunderbar! Der ist bei mir durchgekommen, ich weiß nicht, vielleicht wird es nochmal rausgefiltert, aber das ist ja... That's life! Sehr gut, dann machen wir ein wieder. Fabian: Das ist die Realität, so ist es. alles klar. Perfekt. Vielen Dank Max, hat mir viel Freude bereitet. Max Maute: Danke, gleichfalls.