Cindy von fehlerMACHER: passiert eigentlich, wenn jemand scheinbar alles richtig gemacht hat und darüber im Fehlermacher-Podcast spricht? Unser heutiger Gast hat uns im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön aus dem Konzept gebracht. Jens Zimmermann hat vieles gemacht, wovon andere träumen. Pressesprecher, Marketingmanager, Jugendtrainer, Eventplaner, Geschäftsführer, TV und Eventmoderator. FehlerMACHER: Das war der Fehlermacher Podcast, euer Podcast für mehr mutige Macher und Macherinnen. Wenn euch die Episode gefallen hat und ihr echten Impact mitnehmen konntet, dann freuen wir uns natürlich über eine positive Bewertung von euch. Damit ermöglicht ihr uns, dass noch mehr Menschen Fehlermacher hören und sehen und damit selbst zum mutigen Macher und Macherin werden können. Und wenn ihr künftig keine Folge mehr verpassen wollt, dann abonniert ihr einfach unseren Podcast. Max Maute: Herzlich willkommen, lieber Jens! Jens: Hallo Max! Max Maute: Du hast gerade schon laut den Countdown mitgezählt. Du bist es gewohnt, Countdowns zu zählen. Woher kommt das? Jens: Mittlerweile haben wir relativ häufig einen Countdown bei unseren Arena-Produktionen, die wir mit begleiten dürfen. Tatsächlich 2019 zum ersten Mal bei der Handballweltmeisterschaft eingeführt und das ist seither auch im Handball übernommen worden. Das hat Dima, mein Mann, vorgeschlagen, das zu tun in Deutschland und in Dänemark bei der Handball-WM. Und das kam gut an und mittlerweile ist es zum Standard geworden. Cindy von fehlerMACHER: Kaum jemand hat so viel Bühnen gesehen, so viele Events begleitet und so viele Menschen getroffen wie Jens Zimmermann. Man könnte ihn beschreiben als Macher mit tausend Leben. Und in dieser Folge erzählt Jens eben nicht von spektakulären Abstürzen oder großen Pleiten. Stattdessen spricht Moderator Max Mauthe mit ihm über seinen Lebensweg, der geprägt war von Vertrauen, Timing, Professionalität und dem Mut, Chancen anzunehmen, FehlerMACHER: Danke, dass ihr heute dabei wart. Bis in drei Wochen zur nächsten Folge, eure Fehlermacher Max und Cindy. Max Maute: Sehr schön. Wir sprechen heute über, klar, deine Erfolge sind unausweichlich Teil Lebens. Aber im Fehlernacher Podcast geht es ja auch ⁓ die Fehler, die dich irgendwie begleitet haben. Als Allererstes möchte ich aber so bisschen mit dir durch die Stationen deines Lebens gleiten. Wenn du jetzt mal im Hier und Jetzt dich einordnest, wo würdest du sagen? Cindy von fehlerMACHER: wenn sie denn plötzlich vor der Tür stehen. Diesmal ist es also eine Folge der ganz besonderen Art und wir kamen nicht umhin, uns selbst zu fragen, braucht es Fehler wirklich, um erfolgreich zu werden? Diese Frage beantworten wir euch jetzt in der neuen Episode bei den Fehlermachern. Viel Spaß und maximale Learnings! Max Maute: Stehst du gerade im Leben? Jens: freue mich, dass ich ein intensives Hobby komplett zu meinem Beruf machen konnte, die Moderation, was viele Jahre oder Jahrzehnte in Wegbegleiter war für eine hauptamtliche Tätigkeit. Da war die Moderation immer ein intensives Hobby, so wie andere, Golfstunden geben oder Tennistrainer sind. So durfte ich viele Events begleiten als Moderator und seit ⁓ gut anderthalb Jahren kann ich mich jetzt auf dieses Hobby rein beruflich komplett fokussieren und konzentrieren. Und das ist schön. Ich bin sicherlich im letzten Drittel meiner Arbeitswelt. Wenn man mal das Alter anschaut, dann dürfte das so sein. Und bei der Moderation ist es aber tatsächlich so, dass da mit 65 oder 67 jetzt nicht das Mikrofon zwingend zur Seite gelegt werden muss, sondern wenn es dann noch Auftraggeber geben sollte, die die Erfahrung schätzen und mich gerne buchen wollen, dann kann man das, solange man gesund ist, gerne auch noch weitermachen. Da kommt es dann rein, wie in vielen Themen auch, auf die Qualität an und nicht aufs Alter. Max Maute: beschäftigt dich gerade aktuell? Mehr als vielleicht vorher schon? Jens: Beruflich meinst du? Mehr als anders würde ich jetzt nichts sagen. sind einfach so die Projekte, die jetzt anstehen in nächster Zeit. haben diesen Sommer eine große Weltmeisterschaft, die wir begleiten dürfen. Das ist die Weltmeisterschaft der Rhythmischen Sportgymnastik in Frankfurt in der Festhalle. Wir sind als Konsultant, als beratende Agentur für den Europäischen Turnverband tätig. Da stehen in diesem Jahr auch wieder Europameisterschaften an. als auch in Kroatien. Da gilt es Konzepte zu erstellen, umzusetzen mit den Veranstaltungen fort. viele Themen, wiederkehrend sind, der TVB Stuttgart in der Handball-Bundesliga und der VfB Stuttgart hier in der Fußball-Bundesliga, die ich begleiten darf als Moderator und die wir auch konzeptionell in vielen Dingen beraten und begleiten dürfen, was Moderation, Events, Ausgestaltung anbelangt. ist tägliches und macht sehr viel Spaß. Max Maute: Jetzt warst du ja ganz am Anfang eigentlich auf einem ganz anderen klassischen Weg. Hast eine Lehre zum Bankkaufmann angefangen. Jens: Ja. Max Maute: Wie kam es denn, dass du ja sag ich mal, nach kurzer Zeit diesen Job wieder an den Nagel gehangen hast? Jens: Ich meinem Papa zu verdanken. war so geplant tatsächlich. Es war von Anfang an als Grundausbildung geplant, als Basis, als Fundament. Ich habe mich jetzt nie als Bankfilialdirektor oder irgendein Vermögensberater gesehen, sondern es war einfach eine klassische Grundausbildung, wenn man so will. Und als diese auch von Anfang an so angedacht, ich wollte eigentlich Sportökonomie studieren in Bayreuth. Es war damals ein sehr neuer Studiengang, Mitte der 90er. ist es so aufgekommen, der Idee, den Sport und das Betriebswirtschaftliche auf eine Ebene zu stellen, was die Gewichtung im Studium anbelangt, keine Fachidioten, BWL-Fachidioten oder Sportfachidioten auszubilden, sondern das quasi wirklich parallel auf eine gesunde Expertisebasis zu stellen. Und das wollte ich studieren. war mein Ziel im Sportmanagementbereich, im Sportmarketingbereich tätig zu sein. Sport war schon immer mein Leben. Und bevor ich dieses Studium begonnen wollte, sagte mein Vater zu mir, mach doch erst mal eine Ausbildung, hast ein gutes Fundament und dann studierst du. So habe ich es gemacht. Also die Ausbildung habe ich gemacht, das Studium aber nicht. Max Maute: Hattest du damals schon eine Vision von dem, wo du heute stehst? Dein Lebenslauf war ja schon extrem viele vielfältige Stationen im Lebenslauf. Alles hatte mit irgendwie Leidenschaft für Sport und Kommunikation zu tun. Aber hattest du damals schon so eine klare Vision? Jens: Das haben wahrscheinlich die wenigsten 22-, 23-Jährigen. Das Studium hat ja dann nicht funktioniert. Aus eigentlich ganz schönen Gründen kam tatsächlich auch durch eine Moderation. In Freudenstadt, in meinem Heimatlandkreis, gab es einen Fußballturnier, den Schwarzwald Cup. wurde von den Stuttgarter Kickers veranstaltet und ausgerichtet vor Ort von der Spielvereinigung Freudenstadt, bei der ich als Jugendtrainer tätig war und spiele in der ersten Mannschaft. Und habe zu der Zeit schon so bisschen moderiert bei den Heimspielen der B-Jugend-Verbandstaffel. Das war damals die höchste Liga. Und dann hat man gesagt, Mensch, da ist so jetzt auch das Fußballding, ja, da könntest du doch die Moderation machen im Stadion. Und da hat mich der damalige Geschäftsführer der Stuttgarter Kickers, die zu der Zeit noch in der zweiten Fußball-Bundesliga gespielt haben, Traditionsfeind in der zweiten Liga zu der Zeit, über 20 Jahre Zugehörigkeit, hat mich dann gefragt, was er eigentlich machen würde. Dann sag ich, ich fange im Oktober mein Studium an. Dann sagt er, ⁓ schade. Warum? Jemand wie dich könnte man auch bei uns gebrauchen. Und dann haben wir bisschen intensiver gesprochen. Ich habe einmal drüber geschlafen und dann wurde ich quasi vom Fleck weg. von den Stuttgarter Kickers verpflichtet und habe es gewagt, den Sprung ins kalte Wasser nach Stuttgart ohne Ausbildung, also eine Bankausbildung, aber eigentlich nicht für diesen Sportbereich. Ich war dort nicht in der Buchhaltung, sondern kam in den Jugendbereich. war ich bei der Spielfeier in Freudenstadt schon viele Jahre als Jugendtrainer. Also hatte auch eine B-Trainerlizenz, war von... dieser Komponente aus, schon auch mit einer Vorbildung dann dort reingestartet, aber ansonsten natürlich weit weg von irgendeinem Sportstudiengang, der normalerweise so als Entree dient in der Fußball-Profi-Welt. Max Maute: Das heißt, wenn ich es jetzt richtig verstanden habe, hast du an der Moderationsluft geschnuppert einmal und bist dann aber zunächst nicht in diesen Bereich eingestiegen, ja irgendwie in vielen anderen Funktionen beim Stuttgarter Kickers. Richtig? Jens: Also über die Moderation haben sie mich kennengelernt, dann auch als Typen kennengelernt und gehört, ich schon so ehrenamtlich gemacht habe als Jugendtrainer etc. und fanden das dann spannend und direkt so einen wie dich könnten wir bei uns gut brauchen. Ich habe dort auch die Pressearbeit begleitet und die Stuttgarter Kickers hatten damals einen Aufstieg der A-Jugend in die dann damals höchste Jugendklasse. Heute wäre es die A-Jugend-Bundesliga, damals war es A-Jugend-Regionaliga, hieß das. Und neu aufgestellt, alle ist gegen Bayern München gespielt und so weiter, großen Vereine hier im Südwesten. Und brauchten dort jemanden, der das organisiert und mitbegleitet. Und da haben sie mich dann ausgeschaut und dazu noch die Pressearbeit unterstützt. Statensprecher-Posten war damals schon besetzt, seit vielen Jahren, Jahrzehnten bei Werner Stockinger, eine Legende des süddeutschen Rundfunks. Der phasenweise Stadionsprecher war beim Stuttgarter Kickers und beim VfB Stuttgart, aus heutiger Sicht völlig undenkbar, aber damals ging es noch. Und den Werner Stockinger, wollten wir jetzt, der Schwarzwald Cup war Mitte Juli, den wollten wir dann also auch nicht vier Wochen vor Saisonbeginn den Stuhl vor die Tür stellen, sondern ging dann noch in meinem ersten Jahr mit dem Werner Stuckinger in die Saison und ich bin dann im Jahr 1998 Startunentsprecher geworden, also ein Jahr später. Max Maute: das heißt da ging es dann schon ⁓ Jens: Das war aber nur ein Nebenaspekt meines eigentlichen Tätigkeitsfelds bei den Stuttgarter Kickers. Also ich war dann halt auch Stadionsprecher, aber habe trotzdem zehn, elf Stunden damals auf der Geschäftsstelle verbracht. da man weit weg vom Acht-Stunden-Tag. Das war, wenn man beim Verein beschäftigt ist, dann ist es kein Nine-to-five-Job. Dann muss man das mit ganzem Herzen ausfühlen. habe ich damals auch wirklich geliebt. Max Maute: Ja, so wie alles was du tust, glaube ich. Wenn man dir eins nicht absprechen kann, dann ist es die Leidenschaft, glaube ich. Jens: Meistens waren es mehr als 11 Stunden. Bitte. Max Maute: Was für mich jetzt eine spannende Phase ist, tatsächlich, wenn das so eine Nebentätigkeit war praktisch die Moderation damals, hast du denn schon das Gefühl gehabt, dass das später mal dein Hauptjob sein könnte oder die Vision gehabt, dass du in dem Bereich dich so entwickeln könntest? Jens: Eigentlich habe ich es als Hobby respektiert und habe es auch cool gefunden, dass es ein Hobby war. Es hat sich ja dann auch irgendwie entwickelt, dass es auch einfach ein ganz guter Nebenverdienst war, wenn man da und da am Wochenende mal unterwegs war und gebucht war. Es war jetzt in den ersten Jahren natürlich noch nicht so viel, aber ich habe mich auch nie aktiv darum bemüht, irgendwelche Aufträge zu bekommen, es kamen bei allen Jobs, die ich bislang gemacht habe, zu 95 Prozent kamen die Leute auf mich zu und haben mich gefragt, ob ich das machen möchte. Das ist echt ein Privileg und da bin ich auch sehr, sehr dankbar. Aber ich muss jetzt nicht mich groß bewerben. Und es war vielleicht aber auch am Anfang ein Stück weit ein Erfolgsrezept, weil ich nicht hinterherrennen oder hatte jetzt nicht so einen inneren Druck. Ich muss jetzt das unbedingt, sondern wenn es kam, kam es, das war okay. Und wenn nicht, dann war es auch okay. Vielleicht rückblickend, weil wir ja auch zum Thema Fehler heute sprechen wollen. Vielleicht hätte ich früher schon auf die Karte ganz setzen können. Dann hätte die Karriere vielleicht auch fernsehtechnisch noch eine andere Wendung nehmen können. Wenn ich damals dann gesagt hätte, okay, jetzt mache ich ein Volontariat beim SWR und gehe da vielleicht mehr in diese Richtung, auch TV-Moderation. Ich habe im Laufe der Zeit ja auch TV-Erfahrungen gesammelt. Hier beim Regionalfernsehen bei Regio TV hatte ich ja einige TV-Formate. Das hat auch sehr viel Spaß gemacht und das Feedback war auch sehr gut. War jetzt aber tatsächlich nie meine oberste Priorität. Ich muss das unbedingt machen. einmal ein Casting gemacht für Sport im Dritten. Und das war's. Sonst habe ich diesen Weg TV auch nie mit aller Konsequenz weiterverfolgt. Vielleicht rückblickend 30 Jahre zurück hätte ich damals vielleicht machen können und dann hätte das nochmal eine andere Wendung genommen. ich bin völlig fein damit, wie es gelaufen ist bis heute. Max Maute: Es ist immer spannend, Nachhinein zu überlegen, was wäre dann passiert. Im Endeffekt verändert sich auch die ganze Herangehensweise, dem Moment, wo man sich ein Ziel setzt und da so krass dann drauf fokussiert ist. Vielleicht war das auch genau deine Stärke in dem Moment, dass du es als Hobby akzeptiert hast. Ich meine, im Verkauf ist es ja auch meistens so, dass was man unbedingt will, da wird es dann schwierig, der Gegenüber spürt das. Jens: Genau. Du, ist ja auch nie zu spät. Eins meiner Lieblingszitate oder Sprichwörter ist, beste Zeitpunkt einen Baum zu pflanzen war vor 20 Jahren. Der zweitbeste Zeitpunkt ist jetzt. Also du musst es immer nur tun. Also wenn ich es ändern wollen würde, das ist natürlich manchmal nur bisschen mit Abstrichen zu sehen. Also kann jetzt nicht mit Anfang 50 kommen und dann sagen, ich bin jetzt der neue Mann fürs aktuelle Sportstudio. ist natürlich unrealistisch, da muss man auch die Kirche im Dorf lassen. Nichtsdestotrotz, wenn du mich viele Jahre gefragt hättest, was ist denn so dein Ziel, dann hätte ich das geantwortet. Ich möchte gerne mal als aktuelles Sportstudio moderieren Aber dafür war ich zu wenig konsequent in der Erfüllung dieses Traums, muss ich sagen. Da hätte ich dann schon mal einen ZDF-Sportchef ansprechen müssen und sagen, Jens, komm mal vorbei. Dann hätte ich es gemacht. hätte jetzt nicht da zehn Mails hingeschrieben oder Tapes eingeschickt oder Videos oder Files. Dann hätte ich machen müssen, vielleicht, ⁓ den Traum zu verwirklichen. Aber habe ich Max Maute: Ja, Leute sind auf dich zugekommen und dadurch hat sich deine Karriere entwickelt. Das zieht sich ja wirklich so durch dein durch dein ganzes Leben. Wie lief es dann damals, als du warst du dann zwischendurch bei Kemper und Ulsport auch in der der Kommunikation? Dann bist du aber wieder zurückgekommen zu den Stuttgarter Kickers und dann einfach mal kurzerhand als Geschäftsführer tätig gewesen. War das auch so ein Fall, wo die auf dich zugekommen sind? Jens: Ja, das zieht sich tatsächlich wie ein roter Faden durch mein Leben. Nach den Stuttgarter Kickers war ich zunächst beim ADAC, ADAC Württemberg, als PR-Manager, Manager Kommunikation und Events. Die hatten mich im Januar 2002 gefragt, ob ich zu ihnen kommen möchte und da waren die Kickers aber gerade im Abstiegskampf in der Regionalliga. Damals war das die dritte Liga, da gab es die dritte Bundesliga noch nicht. nach dem Abstieg aus der zweiten Liga. Ich habe gesagt, ja, kann ich mir vorstellen, nach fünf Jahren Stuttgarter Kickers mal was anderes zu machen. ADAC Württemberg, ein starker Verein, das hätte jetzt wirklich Spaß gemacht. Aber ich kann erst nach der Saison kommen. Und die hatten aber eine Vakanz, weil die Pressesprecherin krank war. Haben aber trotzdem auf mich gewartet und habe dann am 1. Juni 2002 dort begonnen. Und es war halt eine völlig andere Welt. Da war ich 29. eigenes Büro gehabt mit einer Lädersitzecke, mit einem Fernseher und einer Sekretärin, die dir morgens den Kaffee gebracht hat. Unten in der Tiefgarage war ein Stellplatz mit meinem Namen und das Auto wurde schon bestellt, der Dienstwagen, also war für mich eine völlig andere Welt. Und mit Stempelkarte morgens einstempeln, dann wieder ausstempeln, wenn du gehst, also jede 15 Minuten über Stunde. wurde dann angerechnet und abgerechnet. Das kann ich gar nicht sagen, hatte davor 11, 12 Stundentage. Das war eher die Regel als die Ausnahme bei den Stuttgarter Kickers. Und das hat sich gut angelassen, aber war halt eine andere Welt. Und dann kam wieder durch eine Moderation der Kontakt zum damaligen Geschäftsführer der Ulsport-GMBH, Jürgen Kiefer aus Alpstadt übrigens. der Jürgen Kiefer, den kannte ich noch von meiner Kickerszeit, weil Ulsport auch Kickersausrüster war zu der Zeit. Und der fragte, was ich denn jetzt eigentlich mache. Ich bin ja nicht mehr bei der Kickerszeit, ich bin jetzt beim ADAC. ⁓ schade. ⁓ Ja, ihr Leiter, Sport Sponsoring, hat gekündigt und da könnt ihr sich mich auch gut vorstellen. Na ja, ich hab jetzt gerade erst vor zwei Wochen angefangen und die haben fünf Monate auf mich gewartet. Das wäre jetzt echt unfair, wenn ich da jetzt gleich wieder gehen würde. Dann sagt er, ich könnte es mir ja mal anhören. Okay, das Gespräch wird mir meistens nicht dümmer. Dann haben wir uns getroffen zum Kaffee. Und dann war der Job halt genau das, was ich eigentlich machen wollte. mit dem Ziel des Sportökonomiestudiums. Sportmarketing, Sportmanagement war da die Zielrichtung des Studiengangs und dass ich dann später mal bei einer Sportartikelfirma arbeite. Das war eigentlich so das Berufsziel dann damals. Und plötzlich kam es ohne Studium. Fünf Jahre Stuttgarter Kickers dazwischen und plötzlich kriegst du dieses Angebot sogar als Head-of ohne Ausbildung in dem Bereich. Und dann habe ich da echt noch mal zwei Nächte drüber geschlafen und wir haben uns noch mal getroffen zum Gespräch. Und dann habe ich gesagt, ja, okay, Probezeit ist für beide Seiten, für den Arbeitgeber und für den Arbeitnehmer. Und dann war das tatsächlich der schwerste Gang meines beruflichen Lebens. In den vierten Stock beim ADAC Wirttemberg am Läckertor zum Geschäftsführer, zum Jürgen Köhn zu gehen und sagen, Herr Köhn, ich gehe zu Wulzport. Und er konnte es nicht glauben. Er war wirklich wie vor den Kopf gestoßen, dass ich ihn jetzt nach sechs Wochen wieder alleinlasse. Und das tat mir auch echt leid. es ist überhaupt gar nicht meine Art, wenn es nicht Leute eine Zusage gibt, dann können sie sich zu 100 Prozent drauf verlassen. Und da musste ich ihn echt so enttäuschen. Das haben wir Gott sei Dank mittlerweile wieder ausgeräumt und wir verstehen uns gut. Aber da war er echt total geschockt und das tat mir auch echt leid. Für mich persönlich war es die richtige Entscheidung und auch das echte Learning. Da muss man dann einfach auch manchmal hart sein, auch hart gegenüber anderen. Wenn man für sich selber erkennt, das ist ein anderer Weg der Richtige. Und ich habe ganz, ganz viel in dieser Ulsportzeit erleben dürfen, die mich geprägt haben und die sechs Jahre. als Verantwortlicher für die Marken Ulsport und Kemper. Ich war damals für beide Marken verantwortlich. Die war einfach herausragend und es sehr viel Spaß gemacht. Und ich war sehr dankbar, dass ich dann damals gefragt worden bin. Max Maute: hast du ja eben gesagt, dass das auch so von Anfang an dein beruflicher Traum war, in so einer Position zu arbeiten. Bereust du es jetzt, dass du das nicht proaktiv dann vorangetrieben hast im Sinne von... Ich weiß ja nicht, vielleicht hast du ja Bewerbungen geschrieben, aber wenn man ⁓ roten Faden verfolgt, dann ist das ja alles durch quasi Zufälle. durch deine Moderationen, durch Connections, wo Leute auf dich aufmerksam geworden sind, entstanden. Bereust du es, dass du das nicht aktiv verfolgt hast, diesen Traum von Anfang an? Jens: Vom Timing her war das ja trotzdem ideal. Da hätte ich auch nicht früher einsteigen können. war 29, als ich den Job bekommen habe, oder 30, bis ich dann letztlich angefangen habe. Das hätte früher auch mit Studium nicht klappen können. Ganz im Gegenteil, wenn ich studiert hätte, hätte ich den Job nie bekommen. Ich habe fünf Jahre Profifußballerfahrung gehabt. Als ich dann damals begonnen habe bei Ulsport... hatten wir zwei Bundesligisten mit Hannover 96 am Minier Bielefeld und fünf Zweitligisten. Und ich kannte in jedem Verein irgendjemand. Also entweder ein Manager, ein Trainer, ein Spieler. Durch meine Stuttgarter Kickerszeit kannte ich überall jemand, hatte überall den Zugang zum Verein. Wenn ich von der Uni gekommen wäre, das wäre undenkbar gewesen, das wäre nie gegangen. Also von daher ist auch so eins meiner Lebensmotiv, der Weg ist das Ziel. trifft es hier absolut. Ich kam in meinem beruflichen Leben nie an den Punkt, dass ich von mir selber aus so keine Lust mehr auf den Job hatte, dass ich mir überlegt habe, in welche Richtung könntest du jetzt gehen und will ich mich vielleicht mal da oder da bewerben. Die Anfragen kamen immer zu einem Zeitpunkt, wo ich voll im Thema drin war und es mir voll Spaß gemacht hat, wo ich dann erst durch die Anfrage ins Überlegen kam. könnte man sich vielleicht mal verändern, könnte man mal was anderes machen. der Impuls kam immer von außen, ⁓ dann die Veränderung anzustoßen. Ich war nie selber an dem Punkt, ich gesagt hätte, ich muss jetzt unbedingt was ändern. Von daher nein. Max Maute: Ja, sehr gut. es ist glaube ich auch wirklich eine interessante Perspektive zu sagen, wenn du den klassischen Weg hättest genommen, ⁓ dieses Ziel zu verfolgen, dann wärst du halt auch einer von vielen gewesen. Und auf diese Art und Weise warst du halt der Jens Zimmermann, der vorher die und die Stationen hatte und einzigartige Kontakte hat, einzigartige Fähigkeiten. Das ist halt sofort ersichtlich gewesen und deshalb Jens: Nö. Max Maute: sind diese Türen wahrscheinlich auch aufgegangen. Jens: Letztlich ist es immer hypothetisch und was auch völlig klar ist, Qualität setze ich immer durch und mit den Dingen, die ich auch in mein Berufsleben mit einbringen kann. Wer weiß, wie es funktioniert hätte, wenn ich studiert hätte in Bayreuth mit verschiedenen Praktikern irgendwo. Keine Ahnung, vielleicht wäre ich jetzt Deutschland-Geschäftsführer bei Adidas oder ich weiß es nicht. Völlig hypothetisch. Max Maute: Ja, ja. Apropos Geschäftsführer, das war jetzt ein Punkt, worauf ich dann eigentlich hinaus wollte. Stuttgarter Kickers war dann deine nächste Station Geschäftsführer. Jens: Es war noch eine Station dazwischen. war ein Jahr lang noch Spielerberater im Handball. Dann wurde ich Wolfgang Güco einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Spielerberater in den 2000ern und Anfang der 2010er gefragt, ob ich nicht zu ihm kommen möchte in die Agentur. Und er damals viele von den 2007er Weltmeistern auch unter Vertrag gehabt. da war ja 2007 mal Deutschlandhandball-Weltmeister und 2008 ich dann zu ihm in die Agentur gegangen. Also da war Handball ganz, ganz groß und wurde dann sein erster Mitarbeiter, weil bis jetzt lang war ja eine One-Man-Show. Und das war dann zum ersten Mal, dass ich in diesem Athletenmanagementbereich direkt tätig war. Wir beide haben dann aber festgestellt, dass es ein bisschen herausfordernd ist, gemeinsames Büro zu haben. Er saß in Ostfriesland, ich in Stuttgart. Und auch da kam es dann wieder so, die Stuttgarter Kickers kamen auf mich zu. War dann eine Trauerfeier für Axel Dünwald Metzler den Kickers Präsidenten. Da habe ich dann auch ein paar Moderationsthemen übernommen, haben sie mich gefragt, ob ich das machen möchte. Ich immer noch nach wie vor Kontakt zu den Kickers. Und so kam es dann auch in den Gesprächen mit dem damaligen Präsidium der Stuttgarter Kickers, dass sie mich gefragt haben, könntest du dir vorstellen zurückzukommen als Geschäftsführer? Und ja, so war es dann wiederum so, dass der Impuls von der Gegenseite oder der anderen Seite kam und Dann habe ich die Tätigkeit als Spielerberater im Handball bei Boca N' Guitjo aufgegeben und habe dann bei den Stuttgarter Kickers angefangen als Geschäftsführer. eine herausfordernde Zeit, denn die Kickers sind damals gerade abgestiegen aus der Regionalliga, aus der dritten Liga in die Regionalliga, also in die vierte Liga. So tief waren sie bis zu dem Zeitpunkt noch nie. Waren ja auch zweimal in der ersten Bundesliga in ihrer Geschichte. Und war finanziell... ⁓ alles sehr schlecht, die Stimmung war schlecht, die Zuschauerzahlen waren schlecht. Also es war eigentlich fast ein Himmelfahrtskommando und war dann eine spannende Zeit. in drei Jahren einen Dreijahresplan umgesetzt, den wir uns aufgestellt haben, nach drei Jahren zurückzukehren in die dritte Liga und sind dann am Ende von dem dritten Jahr dann aufgestiegen mit Dirk Schuster als Trainer in die dritte Liga. Dann haben sich aber im Verein einige Dinge geändert. Es kam Investor, an Bord, mit dem ich überhaupt nicht gematcht habe, der einen völlig anderen Ansatz hatte, wie so einen Verein zu führen ist, wie die Stuttgarter Kickers. Und dann haben wir uns im Dezember getrennt, also im ersten drittligen Jahr. Und da bin ich dann gegangen und wollte mich dann selbstständig machen, tatsächlich. Aber es ist dann auch wieder anders gekommen am Anfang erst mal als gedacht. Max Maute: Okay, die Zeit als Geschäftsführer, ⁓ als würdest du die bezeichnen? Würdest du die als Segen bezeichnen, weil du nochmal Perspektiven hattest? Ja, weil das ja als Geschäftsführer von so einem Traditionsverein in dieser, wie du es nennst, Himmelfahrtskommando-Runde Da hast du ja mit Sicherheit ganz, ganz viele brenzlige Situationen, schwierige Situationen gehabt. Vielleicht auch dir anderen Fehler mal gemacht. Würdest du sagen, Zeit war ein wichtiges Fundament für deine Selbstständigkeit? Jens: Ja, meine jede Station ist ein wichtiger Aspekt und du musst überall was rausnehmen und diese Stuttgarter Kickerszeit sicherlich auch. war jetzt nicht der wichtigste Baustein nachher für eine Selbstständigkeit. Das würde ich jetzt eher nicht sagen, ich musste zu der Zeit sehr viel anpacken, auch mit unserem Team auf der Geschäftsstelle. Wir konnten sehr viel entwickeln, weil vieles einfach auch brach lag und Auch nicht so... modernisiert wurde. Das war tatsächlich auch zu dem Zeitpunkt 2009 bis 2012. hat sich digital ganz viel entwickelt. ging ganz, ganz viel los. Facebook und so weiter. Da musste man auch auf der Website ganz andere Wege einschlagen. Mit so einem eigenen Kickers TV hat man dann begonnen, das dann ausgespielt auf der Website und auf YouTube und so. Also es waren viele Medienthemen, auch viele Sponsoren-Themen. Was interessant war für die spätere Selbstständigkeit war diese Sponsoren-Aquise-Phase, die ich dort auch inne hatte bei den Stuttgarter Kickers. Das war sicherlich etwas, was ich nachher dann auch bei TönD4Passion als Athletenmanager sehr, sehr gut dann auch gebrauchen konnte. Wie gehst du ran an Sponsoren-Gespräche etc.? Weil auch das, ich habe es ja nie gelernt jetzt in einem Studium oder einer Ausbildung, sondern auch das hat mein Leben geprägt. Das war ganz viel klassisch learning by doing. Und auch da passend zum Titel deines Podcasts aus Fehlern oder auf Herangehensweisen, die vielleicht nicht so erfolgreich sind, zu lernen, immer mit offenem Auge herangehen. Okay, das hat jetzt so nicht so gut funktioniert. Dann versuchen wir das im anderen Weg vielleicht anders zu tun. Und das habe ich bislang immer ganz gut umsetzen können und beherzigen können. das ist aus meiner Sicht extrem wichtig, man, tatsächlich auch jetzt bisschen tiefer auf deinen Titel einzugehen, dass man für sich selber eine positive Fehlerkultur entwickelt, ⁓ wirklich auch daraus zu lernen. Und einen Fehler darf man machen. Aber den selben Fehler ein zweites Mal zu machen, das ist schon dumm. Max Maute: Okay, Stichwort Fehler. An dem Punkt würde ich gerne mit dir ein kleines Spielchen spielen. zwar heißt dieses Spiel es heißt Lehrgeld, Volltreffer oder Tabu. Und deine Aufgabe ist es, die klassischen Unternehmerfehler, die ich dir gleich vorlesen werde, einzuordnen in eine dieser drei Kategorien. Davon ist Lehrgeld, heißt sowas wie, heute kannst du drüber lachen, Volltreffer, Das hat richtig wehgetan. Und Tabu heißt so was wie du hättest früher wahrscheinlich niemals darüber gesprochen, weil es dir eher peinlich und unangenehm ist. Hast du die Kategorien so weit verstanden? Jens: Jawoll! Max Maute: wunderbar. Dann starte ich mit dem ersten klassischen Fehler und zwar ich wollte alles selbst machen. Jens: war zu der Zeit bei den Stuttgarter Kickers sicherlich der Fall. Und da musste man dann auch mal Lehrgeld bezahlen, weil einfach der Tag nur 24 Stunden hat und du noch ein paar Stunden auch zum Schlafen brauchst und du kannst einfach auch nicht alles selber machen. Und da muss man dann auch für sich erkennen, dass auch es gut ist, wenn man delegieren kann und auch Mitarbeitern vertrauen kann, dass sie das so umsetzen können. wie du es selber auch machen würdest und wie es deinem Anspruch dann nachher gerecht wird. Das ist sicherlich eine große Gabe, eine Führungsperson haben muss, dass sie Dinge weitergibt, delegiert, Aufgaben verteilt, aber vielleicht auch mit einem guten Briefing, damit nachher das Ergebnis auch dementsprechend kann, wie du dir es selber vorstellst. ich viele dann einfach nur so laufen lasse und sage, mach mal, dann kann es halt in eine völlig andere Richtung gehen. dann ist die Nachbereitung viel anspruchsvoller und zeitintensiver, als wenn du vielleicht vorher ganz gute Leitplanken schon gegeben hättest, wie du es dir selber wünscht oder vorstellst. Max Maute: uns gerne im Anschluss nach der Einordnung in eine der Geschichten ein bisschen tiefer eintauchen. Was würdest du jetzt sagen, in welcher Kategorie landet dieser Fehler? War schmerzhaft, was du damit assoziierst oder ist es eher, heute kannst du drüber lachen? Jens: war es nicht. Lachen, das war halt einfach ein Teil der damaligen Zeit, dass man sehr viel probiert hat umzusetzen und an sich zu reißen und du dann einfach erkennen musstest, dass du gar nicht alles selber machen es war ein Entwicklungsprozess, würde ich eher sagen. Max Maute: Ja, okay. Wie sieht es denn mit dem zweiten klassischen Fehler aus? Ich habe verschiedene Warnsignale komplett ignoriert. Jens: Das Ergebnis war, dass ich dann im Krankenhaus lag mit einer Gürtelrose und viele immer zu mir gesagt haben, muss bisschen langsamer machen und du kannst nicht den Termin und den Termin. Und war dann so, ich war ein bisschen angeschlagen mit einer Kältung und dann extrem viele Termine gehabt, sowohl mit unserem Athletenmanagement als auch mit Moderation bis hin zu zwei Moderationen an einem Tag. Es waren zwei Handballmoderationen, am frühen Nachmittag aus der TV bei Stuttgart und am Abend dann noch die SG BBM BDK Medals. Und so eine Handballmoderation ist auch nicht ganz ohne. Da kann man mal zwei Spiele in Folge machen, wenn es vielleicht in einer Halle ist, wie bei einer EM oder bei einer WM, aber dann auch noch einen Ortswechsel und dann wieder auf ein neues Team einstellen und neu fokussieren. Das ist dann schon auch Stress. waren dann so klassische Komponenten, wo dann auch eine Gürtelrose sagt, so, jetzt hole ich mir dich. Und so hat es mich dann auch erwischt. Und das war es, so, auch mit ein paar Warnsignalen, die ich da ignoriert habe. Es war jetzt in Anführungszeichen Gott sei Dank nur eine Gürtelrose. Andere klingen dann auch mal einen Herzinfarkt oder irgendwas oder ein Burnout. darf gerne bei mir ausbleiben, das ich nicht in meinem Leben. Aber da habe ich schon auch bisschen gelernt, Leute, die näher an mir dran sind, die würden sagen, nee, hast du nicht. Aber ich rät es mir ein. Max Maute: Ja, könnte vielleicht spannend sein, eher darauf einzugehen später, weil es für Leute, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben und ihre Leidenschaft leben, auch immer viel schwieriger ist, irgendwo Grenzen zu ziehen und mal Nein zu sagen, weil man hat ja Bock auf den Job und man möchte es ja machen. Und vielleicht ist das ein sehr, sehr spannendes Lernfeld, wo wir nachher noch darauf eingehen dürfen. Jens: gibt es auch kein Patentrezept und jeder Mensch ist da völlig unterschiedlich. Wenn ich schaue, ich habe immer im Urlaub meine E-Mails beantwortet und immer gelesen. Es hat mich aber nie belastet. Im Gegenteil, die Entwicklung der Technik für mich eher ein Segen, dass du sowohl auf dem Smartphone als auch am Rechner einfach deine E-Mails beantworten konntest. Ich kann mich noch gut an meine Anfangszeit erinnern. bei ULSPORT beispielsweise, da war es doch nicht möglich, du von unterwegs die E-Mails bearbeiten konntest, Anfang der 2000er. Und dann kamst du aus zwei Wochen Urlaub zurück und hattest schon zur damaligen Zeit unfassbar 150, 200 E-Mails. Und bei den meisten war es nicht nur Lesen, sondern war irgendeine Aktion dabei, zum Beantworten. war irgendwie der Urlaubseffekt nach zwei Tagen schon wieder vorbei. Heutzutage hat sich das dahingehend auch noch mal gewandelt, dass viele einfach auch diesen CC oder BCC Button oder Funktionen nutzen, ⁓ sich abzusichern. Du warst ein CC, du konntest es ja lesen und damit erhöht sich auch die Anzahl der E-Mails in deinem Posteingang. Wenn du mal eine Zeit lang nicht da bist, das macht es nicht einfacher. Aber wie gesagt, mich hat es nie belastet, Urlaub beispielsweise auch E-Mails zu lesen. Aber da ist jeder anders. Es gibt einfach auch viele Menschen, dann sagen, ich brauche jetzt einfach diese 10 Tage Auszeit und ich bin nicht erreichbar, weder am Telefon noch am Rechner per E-Mail. Fair enough. Da gibt es für mich keinen richtig oder falsch. Da gibt es nur eins, das muss jeder für sich selber wissen. Max Maute: Hm. Lass uns zum dritten, klassischen Fehler kommen. Zu lange an etwas festhalten. Ist es für dich Lehrgeld, Volltreffer oder Tabu? Jens: Als du mir das gesagt hast, dass das ein Thema sein könnte, habe ich wirklich auch lange überlegt, ob das bei mir mal der Fall war, dass ich zu lange an etwas festgehalten habe. es an einem Traum oder sei es an einem Projekt. Ich bin tatsächlich auf kein Ergebnis gekommen. Mir ist jetzt nichts eingefallen, wo ich sage, Da habe ich zu lange in dem Traum festgehalten. Also beispielsweise Moderator, aktuelle Sportstudio. Würde ja bedeuten, es belastet mich in irgendeiner Form, wenn ich zu lange an etwas festhalte. Hat es aber nicht. Und das war jetzt auch in keiner beruflichen Station bei mir der Fall. Wie ja vorher kurz geschildert, bin ich immer wieder gefragt worden, in Momenten, wo ich mir noch gar nicht hätte vorstellen können, zu gehen. wo ich dann den Job gewechselt habe. Also von daher kann ich es jetzt gar nicht so genau sagen. Das einzige vielleicht, dass ich aus heutiger Sicht mich hätte früher befreien können, ⁓ dann auch meinem Umfeld zu sagen, dass ich jetzt keine Frau heiraten werde, sondern dass ich irgendwann mal einen Mann heirate. Das ist im Jahr 2026. sehr einfach darüber zu sprechen, wie es noch im Jahr 2000 war. Aber ich hatte meinen ersten Freund mit 29, also als ich dann wegging von den Kickers zu Ulsport. Und habe das lange noch einfach verheimlicht. Klassische Geschichte, wie es bei vielen queeren Menschen ist, dass sie es einfach nicht offen erzählen wollen, können, warum auch immer. Und vielleicht ist das einer der Punkte, mit der Gewissheit von heute, dass es eigentlich überhaupt kein Problem ist. Also ich hatte in meinem beruflichen Umfeld nicht einmal irgendein schlechtes Gefühl vor meinem Gegenüber. Also egal wo, ob in Berlin oder in Oberstdorf, die Leute waren immer mir sehr, sehr offen diesbezüglich gegenüber. Jetzt auch mit Dima, meinem Ehemann, immer mit offenen Armen uns beide empfangen und ich habe da 0,0 schlechte Erfahrungen gemacht. Gott sei Dank, da bin ich auch sehr, sehr dankbar für. auf deine Frage zurückzukommen, das hätte mein Leben sicherlich bisschen leichter gemacht, wenn ich da früher schon dann einfach den offenen Weg gewählt hätte. Max Maute: Hattest du damals Zweifel aus beruflichen Gründen auch? Hattest gedacht, dieser Sportwelt ist das vielleicht noch nicht so angekommen. meine, ich habe mir heute auch Jens: Ja. Durchweg viel im Fußball zu der Zeit. gibt es ja immer noch, die einschlägigen Sprüche, spiel doch kein so schwulen Pass oder bewege dich nicht so wenig Schwuchtel. da es gerade im Fußball sicherlich noch viele Themen aufzuarbeiten diesbezüglich. Das hat ja auch einen Grund, warum sich noch wenige Profifußballer geoutet haben. Das große Ziel muss ja mal sein, dass man sich nicht outen muss, sondern dass man einfach lebt, wie man ist. Also kein Mensch kann von jemandem verlangen, ich muss jetzt ein Statement abgeben, wen ich liebe. Sondern eigentlich sollte es das Normalste von der Welt sein. Da kommt halt einfach mein Freund mit und dann ist es so, ich muss da gerne drüber sprechen. Was übrigens bei mir auch der Fall war. Und da kann ich nur auch positiv drüber berichten. Gerade als ich in Dima kennengelernt habe, das war für mich so der Turning Point. Er war dann einfach mit dabei und die Leute haben es halt irgendwann mal kapiert. So, hey, die zwei sind wohl zusammen. Also es gab eine einzige Person, die mich aktiv gefragt hat. Das war unser Ringer Weltmeister Frank Stäbler. Aber der ist halt Nahkampf erfahren. Der geht dann halt auch mal auf die Zwölf und sagt, jetzt komm ich jetzt, mal... Der Dima, das ist dein Freund, das war der einzige, der mich direkt auf den Kopf angesprochen hat. Alle anderen haben es halt irgendwie erfahren. und das war es. Du ja wahrscheinlich auch, oder? Irgendjemand hat halt mal gesagt, der Jens ist mit dem Dima zusammen. Dann war es halt so. Max Maute: das war so ein Slow Fade In, das aber tatsächlich überhaupt nichts verändert. Deswegen finde ich das eigentlich, habe ich so noch nie darüber nachgedacht, weil ich wahrscheinlich halt auch einfach nicht betroffen bin, aber es tatsächlich irgendwie ja bescheuert zu sagen, es muss ein großes Coming Out geben oder so, weil es interessiert da eigentlich, keinen oder sollte es keinen interessieren. Jens: Sollte. Jetzt sind wir beide auf dem Land groß geworden. Da ist es nochmal ein bisschen schwieriger. Definitiv. Aber jetzt bist du an einer anderen Generation aufgewachsen. Als du Kind warst, hatten wir schon einen schwulen Außenminister mit Guido Westerwelle. Da war das dann irgendwie normal. Der Regierende Bürgermeister in Berlin war schwul und war auch gesellschaftlich akzeptiert. Von daher bist du da in einer ganz anderen Zeit aufgewachsen. Gott sei Dank. Aber ja, muss ich euch auch sagen, es gibt andere Beispiele. Ein Klassenkamerad aus meiner Grundschule, sich das auch erkannt hat, relativ früh, aber dann trotzdem noch seine langjährige Freundin geheiratet hat. haben ein Kind miteinander und irgendwann kam dann mal vor ein paar Jahren der Punkt so, ich habe auch nur ein Leben und habe jetzt einen Typen kennengelernt. dem kann ich mir vorstellen, zusammen zu sein. Und der hat das dann seiner Frau gesagt. Und dann ist dann natürlich eine Welt zusammengebrochen, ganzen Ort eine Welt zusammengebrochen. Und alle haben sich das Maul drüber zerrissen. Und für ihn ist es ein brutales Spießrutenlaufen. Und der tut mir echt extrem leid. auf der anderen Seite sage ich dann so, aber es ist doch eigentlich ganz cool bei uns zu Hause. Und auch da muss ich sagen, ich habe keine schlechten Erfahrungen macht. Keine Ahnung, was die Leute hinter meinem Rücken reden, aber mir gegenüber alles supernett und fein. habe ich dann einmal zu ihm gesagt, so schlimm ist doch bei uns gar nicht. Ja, du hast leicht Reden, prominenter Moderator. Und wenn du kommst, dann sind alle so, da kommt der Jens, da wird keiner was bös sagen. Aber bei mir ist das was ganz anderes. Und das ist, so wie du gerade sagst, das ist für dich, kannst dich da nicht reinfühlen. So ist es. In dem Fall für mich natürlich auch, ist schwer, das zu teilen, was da Menschen manchmal auch für ein Päckchen mit sich rumtragen müssen. Aber deswegen ist es leider halt auch der heutigen Zeit noch so, dass dann viele einfach auch wegziehen in die Anonymität der Großstadt und dann dort auch freier leben können. Aber das ist mich jetzt auch keine Option. Mein Sohn lebt dort und... Max Maute: Ja. Lass uns zum nächsten klassischen Fehler kommen. Ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass dir das auch ein oder andere Mal als sehr optimistischer Mensch, wie ich dich wahrgenommen hab, oder als sehr positiver Mensch, muss ich sagen, vorgekommen ist. Ich war naiv. Kannst du da an irgendwas dich erinnern, wo du dachtest, ui, das war jetzt doch eine Nummer zu groß, oder das hab ich jetzt doch mich verschätzt. Jens: harmoniebedürftig vor allem. Vielleicht sogar noch gar nicht so lange her. Naiv ist ein hartes Wort, das würde ich jetzt vielleicht nicht bezeichnen, aber unvorsichtig war er vielleicht. Ich hatte einen Vertrag jetzt für die Olympischen Winterspiele in Milano-Cortina als Producer für Skispringen. mir liegt es an der olympischen Idee sehr viel. durfte viermal bei Olympia dabei sein als Moderator und jetzt gerade auch in Flamesthal, wo die und Skilanglaufwettbewerbe sind, gibt es eine enge Verbindung, weil wir seit zehn Jahren dort sind und die Tour des Skis begleiten durften mit der Agentur für Arena-Produktion und ich als Moderator. Als dann die Vergabe war für Milano-Cortina, war es für uns natürlich so, ⁓ dort wollen wir seit vielen Jahren arbeiten und da freuen wir uns schon drauf. Und das müsste ja mit dem Teufel zugehen, wenn wir das nicht fort mit begleiten durften, dann auch die Olympischen Spiele. war tatsächlich ein bisschen intensiverer Prozess. Sie haben eine Agentur beauftragt und war jetzt auch nicht völlig selbstverständlich, dass jeder, auch im Weltcup dort arbeitet, dann auch bei den Olympischen Spielen im Einsatz ist. alles ewig gedauert und letztlich war es dann aber so. Sie haben dann einen Vertrag geschickt und den habe ich dann auch unterschrieben. Und dann gab es die Aufgabe, ⁓ zu absolvieren. Zweimal vier Stunden wirklich. Stunden so vorm Laptop zu sitzen über Arbeitsschutzmaßnahmen. keine wie hoch muss die Treppe sein? Wie viele Feuerlöscher müssen hier stehen? Was ist zu tun bei A und B, Was jetzt für einen Arena-Produzenten bedingt wichtig ist, gibt es andere Positionen in so einer Organisationsstruktur, die für die das elementar ist, aber für dich jetzt selber nicht, ist aber italienisches Gesetz, dass jeder Arbeitnehmer Dienstleister absolvieren muss. Okay, dann brauchen wir auch nicht drüber reden. Gesetz ist Gesetz, das muss man machen. Jetzt haben die aber ein Online-Tool dort ausgewählt mit einem Italiener, der einfach der englischen Sprache nicht mächtig war. Also, es war wirklich eine absolute Qual und auch unwürdig für eine Veranstaltung wie Olympische Spiele einem so was vorzusetzen. Und dann habe ich mir erlaubt, in einer E-Mail das zu formulieren. Ich bin dann aber schon so vorsichtig reingegangen und habe gesagt, wahrscheinlich oder ich hoffe, dass ihr auch eine positive Fehlerkultur lebt und euch Feedback wichtig ist, eine Feedbackkultur habt, für die ihr dankbar seid, wenn ihr was zurückgespiegelt bekommt. Und das vorausgesetzt wollte ich euch jetzt ein Feedback für dieses Tool geben. habe es diplomatischer formuliert, aber die Quintessenz war ein Riesenscheiß, was ihr einem da angeboten habt. Und eigentlich, das könnt ihr nicht machen für Olympische Spiele. Und dann kamen noch ein, zwei Mails hin und her und dann kam die Kündigung. Da haben sie mir einen Vertrag gekündigt, weil ich dieses Tool beklagt habe oder kritisiert habe. Ich habe wirklich niemanden persönlich beleidigt oder so. Gut, vielleicht diesen Dozenten, vielleicht ist das der Vater von irgendeinem. von der Agentur gewesen oder vom Organisationskomitee, dann tut es mir leid. Aber der war halt einfach für diese Position als Dozent von diesem Online Tool nicht gemacht. sein Englisch war so schlecht wie mein Russisch. Also eigentlich nicht existent, was man wirklich sagen muss. Ja, und auf die Frage zurückzukommen, vielleicht hätte ich das einfach schlucken müssen. Jetzt lassen können. Warum muss ich das kritisieren? Hätte es einfach so hinnehmen müssen, es wäre nicht meine Aufgabe, an der Stelle vielleicht anzubringen. Andererseits, es war wirklich lächerlich, dann daraufhin einen Vertrag zu kündigen, nur weil du dir erlaubst, etwas zu kritisieren. Und ich kann da super ins Spiegel schauen, ich jetzt nicht sage, das war jetzt ein Fehler, das getan zu haben, sondern ... ja glaube ich auch eine Charakterstärke, auch Dinge entwickeln zu wollen und einen Hinweis zu geben. Und ich sehe das eher als Schwäche dieser Agentur, die den Auftrag bekommen hat, diese Arena-Produktion dann daraufhin einen Vertrag zu kündigen und einen, das vielleicht mal so formuliert, so erfahrenen. Menschen in der Arena-Produktion dann nicht in seinem Team zu haben. Und ich mache seit 20 Jahren Skisprung, Weltcup und Weltmeisterschaften etc. Jetzt haben sie an der Stelle einen Produzenten aus Australien. Da ist jetzt Skispringen sicherlich keine Kernsportart. Der mag das super machen, will über ihn überhaupt gar nichts Schlechtes sagen, ⁓ Gottes Willen. der kann natürlich nicht die Erfahrung mit einbringen, wie jemand, 2008 die Vierschanzentournee macht. Aber sei es drum. Wie gesagt, ich bin fein damit und wünsche auch niemandem was Schlechtes. Die olympischen Spiele laufen ja offensichtlich gut und sind alle super happy und zufrieden. Ich wäre gerne mit dabei gewesen, wenn Philipp Reimund seinen Gold springt. absolviert hat und hätte das gerne begleitet. Das muss ich sagen, das tat schon weh. Aber da stand ich dann am Bahnhof Frankfurt, am Flughafen und bin gerade von meinem Lanzerrote-Urlaub zurückgekommen. War auch schön. Max Maute: hätte sie verlängern können, quasi. Jens: Ich habe den gebucht nach der Kündigung. Also wir waren dann in der ersten Olympia Woche, waren wir dann im Urlaub. Max Maute: Okay, Ja gut, jetzt ist es tatsächlich so, dass mir vor allem ein Fehler, in Anführungszeichen, dieser Stelle jetzt im Kopf geblieben ist. Würde mich jetzt interessieren, ob das bei dir auch so ist, weil unsere These, die wir mit diesem Podcast verfolgen, ist ja die erfolgreichsten Menschen. auch die oder gerade die erfolgreichsten Menschen sind oft gescheitert oder haben viele Fehler gemacht im Leben, ⁓ da hinzukommen, wo sie stehen. Ich glaube, bei dir ist es einfach so, dass du ein so unglaublich gutes Verständnis von Fehlerkultur hast, dass du viele Fehler, die du gemacht hast, gar nicht so negativ annimmst, sondern als Entwicklungsschritt. Ich würde gerne etwas von dir hören, Fehler von dir hören, wo du wirklich sagst, das tut selbst mir oder hat selbst mir mit meinem positiven Fehler-Mindset ziemlich wehgetan in dem Moment oder hat mir klare Grenzen gezeigt, hat sich aber im Nachgang als sehr wichtig entpufft. Was fällt dir dazu ein? Jens: Also richtige unternehmerische Fehler oder Lebensplanungsfehler, muss ich sagen, wo jetzt so richtig eine Kerbe eingeschlagen haben. Toi doi toi, da bin ich verschont geblieben. Was natürlich immer mal passiert ist bei einem Moderator, dass man sich mal verspricht oder da einen Fehler macht. Also das hat er mir auch gesagt, ich soll ein Utensil mitbringen, was ich mit einem Fehler verbinden kann. Und das ist tatsächlich so ein Versprecher, der mir heute noch im Kopf ist. bei rund 150, 160 Moderationen im Jahr ist so ein Versprecher aus dem Jahr 2007, das der noch im Kopf ist, ist schon was Besonderes. Das war beim Handball Super Cup in München. haben die Rhein-Neckar Löwen gespielt, glaube gegen den THW Kiel. Ich war der Handsprecher und kurz vor Ende kam die Regisseurin zu mir her und wollte mit mir schon mal kurz die Siegerehrung noch mal absprechen, während dem laufenden Spiel. Und sprich, ich war bisschen abgelenkt, nicht ganz in der Konzentration und der Schiedsrichter pfeift sieben Meter. Und ich unterbreche kurz unser Gespräch, nehme das Mikrofon und sage 11 Meter für die Rheinecker Löwen. Ah, 7 Meter. Kurz versprochen. endete in kleinen Unmutsäußerungen bei den Zuschauerinnen und Zuschauern. haben so, uuuuh, hat 11 Meter gesagt. Und am nächsten Tag stand in der Münchner Abendzeitung, der Handball in München hat noch einen langen Weg zu bestreiten in der Fußballhochburg München, denn selbst der Hallensprecher spricht von 11 Meter statt von 7 Meter. Und seither ist tatsächlich der Pfiff des Schiedsrichters bis heute. Kommt in meinen Kopf. 7 Meter, 7 Meter, 7 Meter, nicht 11 Meter, 7 Meter. Und ich mache keine Ahnung, wie viele Handballspiele, 40, 50. Und das ist heute noch drin. Wenn der Schiedsrichter 7 Meter pfeift, dass ich mich darauf konzentriere, dass ich 7 Meter sage. Das ist echt wie eingebrannt. Das krass. Max Maute: Dann ist es ja umso verwirrender, wenn du beim Radball sitzt und es dann auf einmal 4 Meter sind. Jens: vier Meter gibt. Da spreche ich dann meistens nur von Penalty. Zum Schutz, Naja, also das war was Prägendes, tatsächlich Handball. Max Maute: Zum Schutz. Sehr gut. Hast du daraus tiefgreifende Rückschlüsse gezogen im Sinne von, okay, ich möchte vorab ein umfangreicheres Briefing und nicht während meines Jobs? Oder bist du da nach wie vor so flexibel geblieben, ich dich ja doch auch kennengelernt habe, dass du on the fly die Sachen auch ziemlich gut drauf hast? Jens: 2024 war ja die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Und da gab es auch eine ganz witzige Geschichte zum Thema, wenn ich jetzt moderiere, dann lasst mir meine Ruhe, ich muss mich darauf konzentrieren, damit ich keinen Fehler mache. Erst das Gruppenspiel war Dänemark gegen Schottland, glaube ich, in Stuttgart. Und ein Freund von mir, der arbeitet beim SWR, ist Moderator. und der hatte Sendung ⁓ 18 Uhr und das Spielbeginn begann ⁓ 18 Uhr. Und zwar das erste Spiel in Stuttgart während der Euro. Und dann haben wir so im Vorfeld geschrieben und da er, da können wir doch eine Live-Schalte machen. Ich wie eine Live-Schalte? Ja, ruft sich an, schalte ich ins Studio. sage, während dem Fußballspiel ist es eigentlich kein Problem, 90 Minuten, kann mal ein Tor fallen, gibt es eine Auswechslung, aber ansonsten sitzt du da als Statensprecher und hast nichts zu sagen. Beim Handball anders, da kann ja wirklich alle 20 Sekunden ein Tor passieren. Oder beim Radball. Und dann schreibe ich ihm so, ja, können wir machen. Wenn dann Christian Eriksen in der 15. Minute das 1 zu 0 macht, dann muss ich halt kurz unterbrechen und muss Toren sagen, ja, das wäre ja cool. Und dann gehen wir rein in die Sendung. 14 Minuten oder so waren gespielt und Christian Eriksen macht das 1 zu 0, quasi wie prognostiziert. Und jetzt setze ich auch ein bisschen Gänsehaut. Und ich war live im Interview, gerade in SW1. Sorry, ich muss kurz unterbrechen. Und dann hören die Zuschauer so im Radio Tor, auf Englisch Goal for Denmark. Scored by No. 10 Christian Eriksen. so, jetzt bin ich wieder da. Dann haben wir das Interview weitergeführt. Ja, ist schon irre. Also da muss man natürlich schon auch bisschen Erfahrung haben und auch vielleicht auch nicht aufgeregt sein, wenn man dann ein Radiointerview gibt. Das gibt es ja auch für manche Menschen, dass einen das dann ein bisschen unter Puls setzt. und von daher habe ich aus der ursprünglichen Situation wahrscheinlich viel gelernt, sondern mache es dann trotzdem noch so Sachen. Aber es war echt eine witzige Geschichte. Kam dann auch in der Zeitung und das ZDF hat darüber berichtet. Die haben dann so kleine Splitter. haben das dann aufgegriffen und ging dann ein bisschen viral. Max Maute: Zurecht. ⁓ mal wieder ins hier und jetzt zu kommen nach den ganzen Geschichten aus der Vergangenheit. Was für eine Vision, also gibt es vielleicht heute eine Vision, die dir vorschwebt für die nächsten Jahre oder bist du nach wie vor in diesem Modus wie schon dein ganzes Leben, dass du einfach die Chancen nimmst, die sich dir auftun und ansonsten das tust, was du liebst, nämlich moderieren? Jens: Ich bin jetzt eigentlich kein Sprüche-Klopfer, aber es gibt halt so ein paar Leitsätze, die mich auch so ein bisschen antreiben. Und einer davon ist auch, das Geheimnis des Könnens liegt im Wollen. Und das treibt mich schon auch so ein bisschen an. Also die Dinge zu machen, die du willst. Und ich bin jetzt auch in einer Situation, auch mit der Selbstständigkeit, dass ich auch für mich sagen kann, ich kann mir rausnehmen, auch mal Dinge abzulehnen, die ich nicht will. Und die Dinge machen kann, die mir Spaß machen. Und klar, jeden Job, ich ablehne, habe ich kein Einkommen als Selbstständiger, wenn du es so willst. von daher, wenn du jetzt nur Geld getrieben bist, musst du sagen, mach, mach, mach, egal was es ist. Aber zum Beispiel keine Lust mehr, Messen zu gehen, an Messestände irgendwie fünfmal am Tag dasselbe Interview mit irgendjemand zu führen. Und die Leute laufen da nur vorbei und mal bleibt einer stehen und dann laufen sie wieder weiter. Das brauche ich jetzt nicht mehr in meinem beruflichen Leben. Ich habe gerne Talk-Formate. Das ist was, was mir sehr viel Spaß macht. Format, das heißt Köpfe in Stuttgart, in Freiburg, in Mainz, wo ich mit Persönlichkeiten auf der Bühne sitze und so 70, 75 Minuten so ein Personality Talk führen darf. Und da durfte ich schon extrem spannende Menschen kennenlernen, wie beispielsweise Wolfgang Schäuble. Ein halbes Jahr bevor er verstorben ist, haben wir dort einen unvergesslichen Abend gehabt mit ganz, ganz viel Politik, Historie und Geschichte und einem tollen Gespräch. Und dafür bin ich sehr dankbar. Und das würde ich gerne noch mehr machen in den nächsten Jahren, solche Formate. Ich glaube, dass das durchaus auch eine Stärke ist, einer Animation im Stadion und die Leute da mitzureisen, auch gute Gesprächsführung zu haben, die Leute zu Wort kommen zu lassen. prominente Kollegen im Fernsehen, die wollen gerne lieber ihre Meinung durchdrücken und wollen, der Gegenüber die eigene Meinung bestätigt und nötigen ihn dann irgendwann dazu und lassen ihn nicht aussprechen. Das ist nicht mein Ansatz von einem guten Talk und Gespräch. Und ja, das macht mir sehr viel Spaß. Das würde ich gerne in den nächsten Jahren noch ein bisschen weiter ausbauen. ⁓ auch perspektivisch, weil wir mal am Anfang darüber gesprochen haben, wie lange kannst du denn das machen? ist zum Beispiel was, da kannst du ja mit 70 oder 75 vielleicht noch da sitzen, wenn du noch geradeaus Sätze sprechen kannst und dann mit bisschen älter Statement dann so einen Talk führen. Max Maute: Das heißt, es sind vielleicht sogar die zwei Fehler, die mir heute hängen geblieben sind, die für dich entscheidend sind. Zum einen zu erkennen, wann es vielleicht zu viel ist und was man streichen kann und eng damit verwandt auch nur noch das zu tun, was man wirklich will, weil das Können liegt im Wollen. Das ist so das, was ich heute von dir gelernt habe. Jens: Ja, muss man auch fair sein. Das ist ein Privileg, so was sagen zu können. Ich tue nur noch das, was ich will oder worauf ich Spaß habe. Ich bin jetzt Anfang 50. Das können die wenigsten Menschen sagen. sind einfach in ihrem Job gefangen und ... Die wenigsten haben eine leitende Position, dass sie selber ihren Tag frei bestimmen können, sondern die müssen ihren Arbeitsablauf erfüllen, wie er ihnen vorgegeben ist oder wie er von ihnen erwartet wird. Und dazu sagen, ich tue, was ich will, ist relativ schwierig. Verständlicherweise. Von daher, das ist ein Privileg. Das bin ich mir auch bewusst und dafür bin ich auch sehr dankbar, dass ich einfach auch ein Talent in die Wiege gelegt bekommen habe. Und darüber haben wir noch gar nicht gesprochen. nie irgendwie eine Ausbildung als Moderator gemacht oder nie irgendwie Kurse belegt oder schon gar nicht studiert in dem Bereich, sondern es war wirklich alles immer ein Learning by Doing, auch gerade in der Moderation. Und da auch immer Feedback Kultur von den Menschen aufnehmen. So, hey, was hat ihnen gefallen? Was ein guter Ansatz ist, was müssen wir vielleicht nur ein bisschen schärfen oder verstärken. Und wo hast du gemerkt, dass es vielleicht nicht so gut ankam und dann das beim nächsten Mal verändern. bin ich sehr dankbar, dass ich dieses Talent habe und dass ich dieses Talent jetzt quasi zum Beruf machen konnte. auch da, ist ein Privileg. Ich war einfach ein zu schlechter Fußballspieler. Wenn ich das Talent gehabt hätte, hätte ich mich gerne auch in der Bundesliga oder der Nationalmannschaft gesehen. Vom Kopf her war ich da auf jeden Fall, aber die Füße haben nicht mitgespielt. Max Maute: Sehr gut. Ja, also ⁓ das nochmal einzuordnen, was du eben gesagt hast, ich finde, ja, zum einen kann man das als Privileg betrachten, aber das, du ja immer gemacht hast, ist, deiner Leidenschaft zu folgen. du hast immer, also du hast im Grunde meistens das gemacht, was du wolltest, weil du das einfach liebst, was du tust. Das heißt aber ja nicht, dass jeder Tag, genau, und das heißt ja aber auch nicht, dass alles daran immer ... Jens: als mir angeboten wurde. Max Maute: einfach ist und du sag ich mal im Mikromanagement des Tages immer das machst, du willst, sondern das ist einfach im Großen und Ganzen aus der Vogelperspektive immer das ist, was du willst. Und ich glaube, wenn man so einordnet, dann ist es mehr Lebenseinstellungen als Privileg und dann kann auch jemand, der in einem Job ist, ihm nicht so liegt, sagen, ich möchte mich langfristig orientieren, Dinge dafür zu tun. Jens: Mh. Max Maute: in eine andere Richtung zu kommen, die ich möchte. Das muss ja nicht von heute auf morgen in Umbruch sein. Jens: Ja, du musst einfach auch für dich die Klarheit im Kopf haben, dass du Dinge dann nachher auch verändern kannst oder willst, wenn es dir keinen Spaß mehr macht. Oder wenn es dich zu sehr belastet. Ich konnte vor anderthalb Jahren mein Agenturgeschäft, was das Athletenmanagement anbelangt, wirklich in tolle Hände weitergeben, drei meiner Mitarbeitenden, die gerne den nächsten Schritt auch in ihrer beruflichen Entwicklung machen wollten. Und für mich war einfach ein Punkt erreicht, auch mit den ganzen Moderationen und mit den Consulting-Aufträgen, dass es für mich einfach auch zu viel war. Also Agentur mit fünf, sechs Mitarbeitenden, verschiedenen Projekten plus die Moderation. Du bist von Montag bis Freitag hier im Büro, hast das Agenturgeschäft. Samstags, Sonntags bist du bei der Moderation, dann bist du montags neun Uhr wieder im Büro. Und da sind wir mal meiner Lebenssituation ohne Kinder, wo du nach dir und deinem Mann schauen kannst, dich dann fragst du, für wen, warum? Und da habe ich jetzt schon ein Stück weit mehr Lebensqualität, muss ich sagen. nicht zwingend immer ⁓ neun hier im Büro sein müssen, mein Tagesablauf hat sich jetzt auch bisschen gewandelt. Jetzt kann ja mal ⁓ neun noch im Gym sein und mach dann die ersten drei Mails von zu Hause und geht dann ins Büro oder bin mal gar nicht im Büro. Das ist schon merkliche Veränderung gewesen und da bin ich wirklich auch sehr dankbar, dass ich diese Klarheit dann auch gefunden habe, ⁓ zu sagen, so hey, jetzt ist auch an der Stelle der richtige Schritt, einen Cut zu machen und das zu übergeben. was mich tierisch freut, dass es einfach super weiterläuft mit 24 Passion und sie die bestehenden Athleten weiter ganz toll begleiten. Auch neue Athleten jetzt gefunden haben, sich da auch neu aufstellen. Irgendwann geht eine Karriere mal zu Ende und dann brauchst du auch neue Athleten. Da war jetzt auch vor anderthalb Jahren ein Zeitpunkt, wo einige dann auch aufgehört haben und jetzt dann auch neue mit dazugekommen sind. Und das machen sie ganz, ganz fantastisch. Und wir arbeiten auch noch in manchen Bereichen zusammen. Und es ist schön zu sehen, wenn man so sein Kind laufen sieht und wie es dann langsam erwachsen wird. ist schön, von außen dann jetzt aber auch zu begleiten und ein Auge drauf zu haben. überhaupt nicht einzumischen, sondern wirklich nur begleiten. Max Maute: Jens, herzlichen Dank für den Einblick in dein Leben, in deine Erfahrung. Sehr beeindruckend von außen zu sehen, welcher Leichtigkeit du die Station in deinem Leben gemeistert hast. Zumindest wirkt es so. Und jeder, der schon mal mit dir gearbeitet hat, weiß, dass es auch mit einer sehr, sehr professionellen Arbeit einhergeht und die Ergebnisse. verlässlich immer gut sind und mit diesen Worten herzlichen Dank, dass du auch hier im Podcast warst und hast du noch letzte Worte zu sagen. Jens: Vielen Dank. Ich kann das Kompliment nur zurückgeben, Max. Ich finde es beeindruckend, wie du deinen Weg gehst von der Sportlerkarriere in den Beruf hinein, ins Agenturgeschäft. Und wir waren sehr dankbar, dich an unserer Seite zu haben, jetzt bei der letzten Heinrad-Weltmeisterschaft in Göppingen. Das war ein großartiges Miteinander. Auch deine Erfahrung, die du mit eingebracht hast und auch die die du sammeln konntest, sicherlich dann auch nochmal von einer anderen Perspektive gesehen. Und ich würde mir wünschen, dass es nicht das letzte Mal war, dass wir so eng zusammengearbeitet haben. Max Maute: Bestimmt nicht. Dann mach's gut, Jens. Jens: Dankeschön!