Speaker 1: Also FehlerMACHER: Das war der Fehlermacher Podcast, euer Podcast für mehr mutige Macher und Macherinnen. Wenn euch die Episode gefallen hat und ihr echten Impact mitnehmen konntet, dann freuen wir uns natürlich über eine positive Bewertung von euch. Damit ermöglicht ihr uns, dass noch mehr Menschen Fehlermacher hören und sehen und damit selbst zum mutigen Macher und Macherin werden können. Und wenn ihr künftig keine Folge mehr verpassen wollt, dann abonniert ihr einfach unseren Podcast. Stell dir mal vor, dein größter Fehler wäre gleichzeitig dein größter Durchbruch. Willkommen beim Fehlermacher Podcast, der Bewegung für mehr Mut, Wachstum und eine echten Fehlerkultur. Hier sprechen wir mit erfolgreichen Menschen über ihre Geschichten. Aber nicht über ihre Erfolgsgeschichten, sondern über ihre größten Fehler auf dem Weg zum Erfolg. Wir erzählen von echt mutigen Entscheidungen, ehrlichen Scheiterstorys, Danke, dass ihr heute dabei wart. Bis in drei Wochen zur nächsten Folge, eure Fehlermacher Max und Cindy. und den ganz großen Learnings. Also sei jetzt dabei und werd auch du ein mutiger Fehlermacher! Speaker 1: mal herzlich willkommen, Miriam. Ich freue mich, dass wir beide heute hier ein Gespräch führen können. Du hast ja ein Buch geschrieben. Ich habe es gelesen. Ich war mehr als begeistert. Ich konnte es auch wirklich an Tagen nicht, wo ich Zeit hatte, der Hand legen. Es gab immer einen Kapitel, wo man dann weiter blättern wollte. Ja, es ist etwas ... ist deine persönliche Lebensgeschichte, die man liest, die auch nicht immer sehr leicht war. Genau. Und ich würde gerne mal mit dir einsteigen mit der Miriam vor dem Erfolg, vor ja, auch den Schicksalsschlägen vor allem. Also, ich weiß aus deinem Buch, dass du als Kind gerne Tänzerin werden wolltest. Ja. Und irgendwie hat es ja da so begonnen, dass es dann irgendwie auch nichts wurde. Speaker 2: Ja, genau, das war so eigentlich der erste Moment, in dem ich dann gelernt habe, irgendwie kann ich mir noch so viele Pläne im Leben machen. Der Plan geht nicht immer auf. Also es kommt ganz oft das Leben dazwischen. Und du hast recht, ich wollte Tänzerin werden. Also ich habe auch eine Ballettausbildung gemacht und der Weg war wirklich mir vorgegeben, dass ich irgendwann auf der Bühne stehe und Ballett tanze. Aber ich bin zu groß geworden. Also so wie es kleinwüchsige Menschen gibt, so gibt es auch großwüchsige Menschen. Und zu denen gehöre ich. Also ich war mit 13 Jahren schon über 1,80 Und dann hat man anhand meiner Handwurzelknochen ausgemessen, dass ich 1,98 Meter groß werde. Ich bin heute nur 1,84 Also ich habe eine Hormontherapie gemacht, dass ich quasi auf der Größe dann stehen geblieben bin. Und somit war aber trotzdem klar, dass mit der Tänzerin die Karriere ist vorbei und so musste ich mich umorientieren. Speaker 1: ⁓ wirklich? das...wie alt warst du, als du die Hormontherapie gemacht hast? Speaker 2: Mit 14 dann. Also mit 13 ist das festgestellt worden. Mit 14 habe ich die Hormontherapie dann gemacht und mit 15 war dann meine Pubertät schon abgeschlossen. Weil das ist das, was die Therapie macht. Man kriegt sehr hochdosierte Hormone, dass man eben nicht mehr wächst, aufgrund, dass die Pubertät abgeschlossen wird. Okay. Speaker 1: Hat es was mit dir als dann schon 14-Jährige gemacht? Speaker 2: Ja, schon. Das muss man sich überlegen. Andere kommen leicht in eine Pubertät, haben dann über drei, vier Jahre diese langsame Umwandlung von dem Kind zu einem Erwachsenen. Und bei mir ging das wahnsinnig schnell. Mein Papa ist total dankbar heute. sagt, ich konnte mir das ersparen, diese ganze Zickerei und was man dann von anderen Familien mitbekommen hat, wo eine junge Frau und dann ... auch Jungs in die Pubertät kommen. Und das hat insofern etwas mit mir gemacht, dass ich dann sehr schnell mit meinem Umfeld nichts mehr anfangen konnte. Ich war dann gefühlt erwachsen. Ich habe diese vier Jahre Pubertät übersprungen und ja, habe mich dann schon gefragt, was mache ich beruflich? Ich will eine Weltreise machen. Also alles wurde von jetzt auf gleich größer, auch in meinem Kopf. Speaker 1: Ja, und das spürt man ja dann auch. Irgendwie wird es jetzt auch klarer dann in deinem Lebenslauf. Du hast ja dann, okay, Tänzerin dann nicht, aber du hast dann ziemlich schnell deinen Weg, glaube ich, gefunden. Speaker 2: Ja, auf jeden Fall. hab dann eine Ausbildung gemacht, erst mal zur Sport- und Fitnesskauffrau. Meine Eltern wollten immer, dass ich was Normales, Wohntständiges, einmal was Vernünftiges mache. Mir war aber immer klar, ich möchte Stuntfrau werden. Im Sinne von, dass ich einmal in dieser Zeit der Pubertät im Warner Brothers Movie World war. So hieß der damals. Heute Moviepark. Und dann habe ich zum ersten Mal eine Stunt-Show gesehen. Da sind Menschen von Autos angefahren worden und haben von Kopf bis Fuß gebrannt. Und da war dann für mich klar, okay, ich will Stunt-Frau werden. Das war für mich in dem Moment klar. Und dann bin ich diesen Weg gegangen, nachdem ich die Ausbildung dann beendet habe. Speaker 1: Ungewöhnlich, ne? Also ich sag jetzt mal, darf man das heute noch sagen, als Frau ungewöhnlich den Weg zu gehen, ist ja eher schon, glaub ich, Männerdomäne. Warum wolltest du das da? Also was war denn so der intrinsische Motivator dabei? Speaker 2: Männerberuf, total. Ich glaube, das ist bei mir ... immer schon war, dass ich Actionheldin werden wollte. Das war noch vor dem Wunsch, Tänzerin zu werden. Da ich vor meinen Eltern gesessen und gesagt, Mama, Papa, wenn ich groß bin, werd ich Actionheldin. Das war so klar. Ich werd fliegen können und außergewöhnliche Kräfte haben und die Menschheit vor dem Bösen beschützen. Ach, Mann. Dann war aber klar, Tänzerin, kommt dem nahe. Als ich dann die Stunt-Show gesehen habe, hab ich gedacht, ich wollte immer Actionheldin werden. Actionheldin und Stuntfrau. das passt sehr gut und somit ja kam dann eins und eins zusammen. Speaker 1: Im wahrsten Sinne des Wortes On Fire. Speaker 2: Und feiern. Und das kennt ja jeder von uns. Das muss ja kein spektakulärer oder außergewöhnlicher Beruf sein wie bei mir, sondern es kann sein, dass du dich für irgendetwas interessierst. Es können Pflanzen sein, können Tiere sein, können irgendwie, wie koche ich was besonders. Also wir gehen einfach durchs Leben und ich gehe einfach dran vorbei und denke mir, ja, ist halt was auch immer ein Hund. Und du gehst vielleicht hin und sagst, wow, guck mal, das ist die Rasse. Oder das ist ganz selten. Und so haben wir unterschiedliche Dinge, die uns im Inneren wie kitzeln, wie aufwecken. Und du spürst einfach in dem Moment, wo du siehst, das ist meine Passion, das ist meine Leidenschaft. Und das ist auch so wichtig, dass wir mit offenen Augen durchs Leben gehen, weil diese Passionen oder diese Leidenschaften ja zwei Dinge machen. Die machen auf der einen Seite uns Freude. Freude ist das, was wir haben wollen. Wir wollen uns lebendig fühlen. Wir wollen mit viel Lebendigkeit durchs Leben gehen. Und auf der anderen Seite, wenn es mal schwierig in deinem Leben ist, ist das genau immer wieder die Erinnerung, was du wieder möchtest. Also wenn es dir schlecht geht und dann ist gerade die Passion oder Leidenschaft für Hunde da, hilft dir deine Leidenschaft auch, durch diese schweren Phasen zu gehen und dich wiederzufinden. Speaker 1: Ja, bewundere, aber vielleicht kam es durch diesen Weg bei dir. Ich bewundere an dir, dass du deine Passion so schnell ... Also das Kribbeln, das kennt, glaub ich, jeder, irgendwie, ne? Also du weißt, ich bin Eventmanagerin. Aber mein Weg hat so lange länger gedauert, bis ich meine Passion erkannte oder gefühlt habe, dass ich sie jetzt ausleben sollte. Also ich kenn das auch von den Eltern, Kind, mach mal was Solides hier, ne? Also so hab ich dann irgendwie die klassische Bürokaufrauausbildung gemacht und noch ein Studium hintendran und so. Aber eigentlich, das Studium war dann auch schon mit Eventmanagement. Da wusste ich schon, ask geh schon dahin, aber ich hab so viel länger gebraucht, zu sagen, jetzt, hier. Jetzt spür ich's, will ich's, mach ich mich selbstständig damit. Bei dir war das Gefühl schon so vorgegeben, du hast es gelebt von Anfang an. So fühlt es sich jedenfalls für uns Außenstehende an. ⁓ Speaker 2: Ja, aber war auch ein Weg dahin, auch gerade über Hobbys. ich war reiten und hab Saxophon gespielt und Tennis. Und ich hab immer sehr, viel ausprobiert und hab aber auch immer gleich gemerkt, okay, das ist es nicht. Und irgendwann, wie gesagt, kam dann der Moment, dass ist es. Und nur so kommen wir auch dahin, weil unsere Leidenschaften, verändern sich. Früher war es bei mir die Standarbeit, das Fallschirmspringen, das Motocross fahren, Rennautofahren, also alles. laut und spektakulär. Heute stehe ich da und sage, cool, brauche ich aber nicht mehr. Also meine Leidenschaften haben sich verändert. Und dementsprechend finde ich es sehr, spannend, dass wir immer mal wieder auch stehen bleiben sollten und uns überlegen sollten, wer bin ich eigentlich heute? Und gehe ich vielleicht noch Leidenschaften nach, die gar nicht mehr meine sind, sondern einfach nur aus der Routine heraus? Weil ich mich verändert habe, gibt es jetzt vielleicht was Neues, was auf mich wartet. Und dann gilt es wieder, daraus zu gehen, neue Dinge auszuprobieren und auf sich zu hören. wo kribbelt es gerade, wo möchte ich jetzt hingehen. Speaker 1: Ja, da hast du ja wirklich auch viele Dinge ausprobiert. Also, ich meine, du warst dann bei Germany's Next Topmodel, du warst Grippe, Sportrennfahrerin, du warst ... Och, nicht, könnt jetzt wahrscheinlich ... Die Latte ist lang, glaub ich, bei dir. Viel ausprobiert. Grandios. Genau, und du hast dann ... bist dann rübergegangen zur ... Ja, ich würd sagen ... Wie nennt man's jetzt? Mode? Also, Mode-Stuntfrau? Wie kann man das ... Also sag's mir gerne, wie's ... Speaker 2: Ja, ich war schon drei Jahre selbstständig als Stunfrau. Also ich habe mit 18 begonnen, weil ich damals dann meine Ausbildung ja schon fertig hatte, habe mich mit 18 Jahren als Stunfrau selbstständig gemacht und dann bin ich zu Germany's Next Topmodel gegangen. Da war ich ja Anfang 20. Und da habe ich ganz schnell gemerkt, wieder mal Es ist ein Weg, aber es ist nicht mein Weg, 20, 50, 100, 1000 anderen Frauen zu stehen. Und sie kämpfen alle für dieses eine Schönheitsideal. Und in meiner Generation bei Germany's Next Top Model ging es auch noch darum, 90, 60, 90 gefühlt noch dünner, alles muss perfekt sein. Heute ist das ja Gott sei Dank anders. Da wird die Individualität des Menschen in den Vordergrund gestellt. bei mir war das noch so. Und da habe ich auch schon gedacht, das bin ich nicht. nicht dieses Schönheitsideal sein, sondern ich möchte individuell meine Stärken nach vorne bringen. Und deswegen habe ich mich nach Germany's Next Topmodel als Actionmodel selbständig gemacht. Und das war mein Erfolgsrezept, weil ich nicht werden wollte wie alle oder das, Medien und Werbung vorgibt, sondern meine Einzigartigkeit. Und daraus sind beispielsweise die großen Feuerflügel entstanden, wo ich dann über Laufstege gelaufen bin. Eigentlich ein Model, was grob aussieht wie ein Model, groß, blond, schlank, so wie man das damals gesehen hat, wie ein Model auszusehen hat. Und dann aber der ganze Action-Abenteuerbereich, den ich damit verknüpft habe. Und da gab es keine zweite Frau, ich hatte keine Konkurrentin und bin dann losmarschiert. Speaker 1: Ja, einzigartig muss man sagen. Bye, bye. Speaker 2: Aber will mich gar nicht so in den Vordergrund stellen. Ich fühl mich überhaupt nicht einzigartig. bin immer noch bis heute die Miriam vom Land. Ich bin total bodenständig, bin wenig zufrieden. Aber ich hab das Glück gehabt, mich mutig auf meinen Weg zu begeben, ⁓ meine Einzigartigkeit zu finden. Und jeder von uns hat ja diese Einzigartigkeit. Oder auch unterschiedliche Talente. Und deswegen find ich das so wichtig. Schaut nicht auf mich, ich bin ... im Sinne nichts Besonderes, weil ich einfach nur mich lebe. Aber es ist wichtig, Einzigartigkeit, die man selber in sich trägt, zu leben. Also schau nicht auf andere, sondern schau eher auf dich. Was macht dich aus? Speaker 1: Ja, Ja, aber bei dir ist halt der Mut auch ganz durchspürbar, ne? Also, dass man da eben mutig vorangeht. Das ist, ich, so dein, wo du viele Frauen und auch Männer wahrscheinlich ansteckst mit diesem mutig vorangehen, ne? Für sich einstehen, kämpfen für das, was man gerne machen möchte. Ich glaube, das ist schon so, ja, sehr inspirierend. Wirklich sehr inspirierend. Danke. Ja, dann ... hast du das gelebt und hattest dann, wenn ich es deinem Buch entnommen habe, einen Kunden gehabt, der dir auch quasi dafür Geld bezahlt hat, dass du die Mode von ihnen quasi als Model dann trägst und dabei noch einen Stunt hinlegst. Genau. ja, man sagt ja leider immer so der Spruch, das hat dir dieses Genick gebrochen. Das hat es Gott sei Dank nicht. Aber war leider auch ein sehr einschneidendes Erlebnis für dich, Speaker 2: Absolut, klar. Also es geht ja heute auch ⁓ das Thema Fehler, Fehler machen. Und das war definitiv eines der größten Fehler, die ich da gemacht habe in meinem Leben, weil somit auch meine Karriere zu Ende gegangen ist. Ich war ja nicht einfach nur Mal-Stunt-Frau und hab das mal so ein bisschen nebenher gemacht, weil es mir Spaß gemacht hat, sondern es war über zehn Jahre mein Hauptberuf und es war meine Karriere und es war meine Leidenschaft und ich hab da alles reingestellt. und ich war schlussendlich das Produkt. Das ist was anderes, als wenn du für eine Firma arbeitest und du vermarktest ein Produkt oder irgendetwas anderes. Ich war immer das Produkt und war da auch stolz drauf und habe immer auch sehr hart an mir gearbeitet. Wer war aber nicht bewusst bis zu dem Zeitpunkt, dass mein Körper wirklich mein Kapital auch ist. Und das ist genau die Lehre, die ich ja, daraus geschlossen habe. Weil erst weißt du etwas zu schätzen, wenn du es nicht mehr hast. Und dieser Stunt, von dem du gerade sprichst, der ist einfach komplett schiefgegangen. Ich war, wie gesagt, zehn Jahre schon unfallfrei. Stuntfrau war total glücklich, auch im Privatleben mit meinem Lebenspartner. Bin nach Österreich gezogen, wir sind von einem Event zum nächsten gereist. Ein Stunt nach dem anderen, weil er auch Stuntman war, umgesetzt. Also es war alles wie perfekt. Wir sind so richtig die Erfolgswelle gesurft. Und dann war ein Fotoshooting, was meine Königsdisziplin ja war, Action und Model. Ich sollte unter Hannes Helikopter hängen. und dabei dann geshootet werden mit diesen Designer-Klamotten, die du gerade angesprochen hast. Und da ging von vornherein ganz, ganz viel schief. Also es war viel Druck vom Kunden da. Ich wollte dem Kunden beweisen, dass wir irgendwie dieses perfekte Bild hinkriegen. Ich habe nicht meine Grenzen geachtet. Das kennen wir alle, innere Gefühl, irgendwas läuft hier falsch, bin ein bisschen kränklich. Irgendwas ist nicht die Intuition, die sagt, eigentlich solltest du hier aufhören, was sehr, sehr wichtig vor allen Dingen im Stuntberuf ist, weil wir solche gefährlichen Situationen immer wieder haben und auch kontrollieren müssen, damit uns nichts passiert. Aber an dem Tag bin ich über so viele rote Ampeln gefahren, meine inneren roten Ampeln, dass ich schlussendlich von diesem Helikopter gestürzt bin und mir dabei beide Mittelfüße. gebrochen habe. Aber so schwer, dass sie zertrümmert waren und lange auch gar nicht klar war, ob ich je wieder vernünftig gehen werde, ohne zu hinken. Speaker 1: Ja. Also es ist ja wirklich der Worst Case. glaube, bist da auch ... Also von dir wurde viel gefordert an dem Tag, ich, viel zu viel. Und du hast die Grenze dann einfach überschritten. Du hättest sagen müssen, okay, meine Kraft ist nicht mehr da. Wir müssen jetzt aufhören. Was waren da deine Motivationen oder deine Gedanken? Oder warum? Hast du dann irgendwie schon vom Gefühl, glaube ich, hattest du schon, So, okay, eigentlich bin ich schon durch mit meiner Kraft. Aber dann ging es drüber und drüber. Speaker 2: Kanal. Speaker 1: dann nochmal sagen wie es beschreiben was ist weiter los Speaker 2: Ja, trotz dass ich Stuntfrau bin, bin ich aber auch ganz normaler Mensch. Und wir Menschen wollen alle das Gleiche. Wir wollen Liebe, wir wollen Aufmerksamkeit, wir wollen Wertschätzung für den Menschen, der wir sind, Anerkennung. Das sind alles diese Dinge, nach denen wir streben. Und wo können wir diese Dinge am besten bekommen? Über Leistung. Wenn wir uns zeigen und immer wieder ... über unsere Grenzen hinausgehen und zeigen, ich mach noch mal diese extra Stunde, mein Chef wird mir das danken. Oder alleinerziehende Mütter, die einen Job haben und nach außen auch sagen, ich kriege das alles hin. Und dieses, kriege das alles hin, alles gut, passt schon, kennt jeder von uns und innerlich schreit dein Ich nach Ruhe. Lass es einfach, du brauchst eine Pause, du brauchst mal zumindest eine Stunde für dich. Und das war auch bei mir so. Es war ein Privatleben. Wir waren ja dann schon über sechs Jahre ein Paar. Wir hatten fast zwei Jahre versucht, eine Familie zu gründen. Ich hing da unterm Helikopter bei diesem spektakulären Fotoshooting und hing eigentlich da und war bei den Gedanken, warum funktioniert das nicht, woran liegt es? Und du kannst keine Stuntarbeit machen mit halbem Hintern. So sagt man ja so schön. Und es musste ein Fehler passieren, weil der Kunde wollte das perfekte Bild. Ich wollte ja zeigen, ich kann das trotzdem, war aber mit dem Kopf nicht bei der Sache. Und so gehen wir immer wieder über unsere Grenzen, wissend, dass wir müde und erschöpft sind und eigentlich gar nicht in dem Moment dahingehören. Aber wie viele andere auch, wollte ich mal wieder beweisen, dass ich es doch irgendwie alles gehändelt kriege. Und dann machen wir Fehler. Speaker 1: Und gab's da, weil du sagst Hannes war ja auch mit dir bei diesem Stunt, niemand von außen hat dann auch irgendwie die Bremse gezogen für dich und hat gesagt, hey jetzt so, lass es. Gab's da? Speaker 2: Ich beschreibe das auch so gut im Buch, weil es auch genauso war, dass der Kunde immer wieder wollte, dass ich zum Helikopter gehe und immer wieder abspringe und immer wieder... die Distanz? Also es war immer wieder der gleiche. Hängen. Genau. Ja das... 10, 12, 15 mal. kann es gar nicht... Speaker 1: Ja. Also am Helikopter hängen und abspringen. Und wie vielmal war das? Irrsinn. Also ich hätte nicht mal einen gekriegt. Die spielst du schon alle beinahe. Speaker 2: Aber das war halt mein Job. Ja, und das ist einfach... Speaker 1: Ja. Speaker 2: Wie ich gerade sagte, ich hatte die Verantwortung, weil ich irgendwann zu dem Aufnahmeleiter gegangen bin und habe gesagt, was machen wir hier? Ich kann nicht den ganzen Nachmittag mich hochziehen lassen und abspringen. Wir haben mindestens 600 Bilder und wir brauchen nur eins. Es muss doch irgendwie dabei sein. Und der schaut mich an und sagt auch genau den richtigen Satz, es ist deine Entscheidung. Du bist der Profi und weißt, wie viel du kannst und wann Schluss ist. Und genau in dem Moment laufe ich los zum Helikopter und sag, komm, dieses eine Mal noch. Und dieses eine Mal war dann zu viel. Speaker 1: Ja, der Klassiker, genau das. Speaker 2: Bauchgefühl, alles schreit, mach es nicht und du machst es trotzdem. Speaker 1: Ja, da ist der Punkt, warum eigentlich fragt man sich danach, aber letztlich aus Anerkennung ist schon richtig klar, wir wollen dann zeigen, was wir können, wir ich sag mal, geliebt werden ist jetzt in dem Sinne, doch aber irgendwie erinnern sich doch da, also wir wollen halt gemocht werden und wollen es schaffen und Speaker 2: Du erhoffst dir natürlich dadurch auch den extra Lob von dem Kunden, sagt, Mensch, was du da geleistet hast, toll, weil ich das auch immer wieder in meinem Job erfahren habe. Wenn ich mehr leiste als andere, wenn ich mit Männern mithalten kann, dann werde ich dafür anerkannt, wertgeschätzt und schlussendlich auch bezahlt. Und deswegen hat mich das so angetrieben. Nur an dem Tag war der Fokus nicht da. Und dadurch, dass ich auch zehn Jahre unfallfreies Dannenfrau war, Speaker 1: Ja. Speaker 2: Erkennt man schon, dass es mein Job war und auch meine Königsdisziplin, meine Grenzen zu kennen. Nur durch diese private Belastung mit der eigentlichen Familienplanung war ich überhaupt nicht bei der Sache und hätte einfach auf mich hören sollen. Speaker 1: Okay, also es war ein großes Thema, dass du an dem Tag irgendwie da mit dem Gedanken festhingst, irgendwie Familienplanung war am Kopf und ... Speaker 2: Genau und ich bin auch nur eine Frau, bin auch nur Mensch. Sehnsüchte, du denkst auch hier wieder, was ist falsch mit mir, warum kriegen alle Kinder, warum ich nicht. Und du siehst auch auf einmal nur noch überall Babys und hängst dabei unter dem Helikopter und denkst, ich möchte nicht mehr hier hängen. Ich möchte eigentlich gar nicht mehr Stuntfrau sein, ich möchte Mama sein. Speaker 1: Ja, okay, krass. Ja, kann ich leider aus persönlicher Erfahrung sehr gut mitreden und sehr nachempfinden. Aber ja, okay, also die Gedanken müssen beim Stunt dann wirklich auch bei der Sache sein, dürfen null abschweifen. Du musst da 180 Prozent bei der Sache sein. Speaker 2: Ja, gerade bei Stunts, weil da geht es ⁓ unser Leben. Da geht es auch ⁓ das Leben anderer, die bei einem Stunt mit dabei sind. Also die Sicherheit steht immer an erster Stelle. Weil wir aber heute auch für Menschen sprechen, die eben nicht Stunt-Leute sind, sagen, interessiert mich ja nicht, was bei Stunts abgeht. Aber selber auf sein Leben mal zu schauen, zu sagen, ich verliere jetzt hier vielleicht nicht gerade mein Leben, weil ich unterm Helikopter hänge, aber für sich immer mal wieder zu hinterfragen, wo stehe ich gerade mit meiner Energie? Und kann mir etwas passieren, weil ich Fehler mache, was große Konsequenzen haben könnte? Da spreche ich mal wieder irgendwie die Mutter an, die alleinerziehend ist und noch einen Job hat und immer über ihre Grenzen geht und müde ist. Das kann aber auch so der Geschäftsmann sein. einfach noch eine extra Stunde und noch ein Meeting und hier und dann steigst ins Auto, fährst los, bist überhaupt nicht konzentriert, gar nicht bei der Sache und fährst wo rein. Das kann so passieren, die meisten Unfälle mit dem Fokus, nicht beim Autofahren. Speaker 1: Ja klar, deswegen ist es ja nur menschlich. Deswegen denke ich auch immer, jetzt so die Profifußballer und so, ich sage, ja, ja, wir können alle sagen, dass die Millionen und Milliarden verdienen, aber letztlich sind sie auch am Ende nur Menschen. Ja und auch bei so einem Berufsstand Profi würde ich immer denken, dass man das Risiko damit einkalkuliert, weil es eben so gefährlich ist und ich jeden Tag weiß, was ich da tue und aber ... ist dann ja, am Ende bleiben wir alle Menschen, das ist schon so. Speaker 2: Und es beginnt auch alles bei dir. Das ist mir dann auch so bewusst geworden. Dann im Rollstuhl sitzend, beziehungsweise erstmal im Krankenhaus liegend. Jetzt ist mein Kapital weg. Also mein Werkzeug, mein Vater, mein Bruder, diesen Tischler. Wir haben eine Tischlerei, eigenes Unternehmen. Wenn die keinen Hammer haben, die keinen Hobel haben, die keine Maschinen haben, können die auch nichts. Und mein Körper war mein Kapital. Und da war dann Schluss. Also es war wirklich einfach. Ich hatte kein Werkzeug mehr, dem ich arbeiten konnte. Speaker 1: Schluss. ⁓ Darauf würde ich gerne gleich eingehen. Ich wollte die Situation einfangen. Du hast gesagt, dir war dann menschlich wichtig, dass jetzt der Applaus kommt, dass du da so viel Energie reingehst. Wie war denn dann die Situation? Du bist dann böse gestürzt. Zu dem Zeitpunkt konntest noch nicht wissen, dass du wirklich übelst dir die Beine zertrümmert hast. Das kam erst im späteren Prozess. ... In dem Moment war klar, irgendwas ist richtig schiefgegangen. Du hattest sicher tierische Schmerzen. Wie war denn um dich rum dann das ... Also ... der Kunde ... War der da oder ist der weggegangen? Oder wie war die menschliche Situation dann für dich? Speaker 2: Menschlich fand ich es sehr schwierig, weil auf einmal die Menschen dann auch Angst kriegen, wenn was passiert ist. Die erste Frage, wer ist jetzt verantwortlich? Und auch das ist Jahre später für mich eine große Lehre, wer ist wirklich für dich da, wenn es dir schlecht geht? ja, auch der Kunde, also es war alles okay, jetzt müssen wir erstmal aufräumen und packen und ich hatte dann noch eine nette Mail gekriegt, dass ich trotzdem irgendwie die Rechnung stellen kann, obwohl das Shooting nicht zu Ende geführt werden konnte. Aber so diese menschliche mal eine karte schicken oder anrufen wie geht es dir das fehlte mir schon ist aber auch wieder eine erwartung von meiner seite ich wäre so ich kann aber nicht von mir auf andere schließen und und dementsprechend kriege ich ganz häufig auch gesagt ja die fotografin oder der kunde der so einen drück ausgeübt hat und wollte dass du noch und noch mal springst bist du da nicht sauer und ich habe jahrelang wirklich wut verspürt so die hätten auch auf mich aufpassen können bis ich einfach gelernt habe, es ist aber meine Verantwortung, Grenzen zu setzen und die einzuhalten. Das ist für mich Leben schlussendlich auch, dass deine Grenzen immer wieder in Frage gestellt werden. Es kann ein Partner sein, der respektlos mit dir umgeht, dich anschreit, dich beschimpft. Ist das schon eine Grenze oder sagst du wieder einmal, ach ja, ich kann das ja aushalten, ich bin ja stark und der wird mir das auch danken, dass ich ihn innerlich heile und seine Komplexe irgendwie mit ihm aufräume. Nein, es ist deine Aufgabe, dich zu schauen, wo ist eine Grenze und die hältst du ein. Du kannst andere Menschen nicht verändern. nicht verändern, wie die denken oder wie die sich verhalten, kann es immer nur den Spiegel umdrehen und in den Spiegel schauen und schlussendlich wäre es meine Aufgabe gewesen, auch mich aufzupassen und meine Grenze einzuhalten. Speaker 1: Finde ich sehr selbstreflektierend. Speaker 2: Ja, brauch ich aber auch Jahre für. Hättest du mir irgendwie zwei Jahre nach dem Unfall gefragt, hättest mich da nicht so... Speaker 1: Aber diese Gefühle sind ja auch völlig normal, dass man erst mal jemanden sucht, schuld ist. Die Wut, da drin ist, warum ist mir das jetzt passiert? glaub, diese Gefühle sind völlig normal, man da erst mal, schreibst du es auch so schön in deinem Buch, in die Opferrolle gerne erst mal geht. Das ist auch ein Selbstschutz, dass man erst mal sagt, wer hat mir alles was angetan? Dabei, ja, geh ich mit. ist immer Selbstverantwortung irgendwie. Speaker 2: Und ist auch immer das Einfachste. Ja. Also ich saß wirklich da und wollte mal wieder den einfachsten Weg nehmen und dann habe ich gedacht, ja, Verantwortung abgeben ist immer das Leichteste. Also mit dem Finger auf den Kunden zu zeigen, zu sagen, ihr seid aber schuld. Ist aber in den meisten Fällen nicht passend, frag dich immer selbst, was hätte ich anders machen können, damit ich es demnächst besser mache. Speaker 1: Find ich gut. Für mein Leben seh ich das auch eher so, in die Selbstverantwortung zu gehen. Aber natürlich gibt's immer eine Situation, wo man sagen kann, ja, hätte auch anders laufen können. Ich mein, auch ein Kunde hätte schon sehen können. Na, jetzt, ne, ist über den Auftrag hinaus eigentlich schon und muss das jetzt noch so. Wir haben ja 600 Bilder. Ja. Okay. Aber klar, einen selber, glaub ich, Leben ist es dann auch besser. einen selber zu reflektieren, sagen, okay, ich nehme meine Verantwortung auch, ich habe meine Verantwortung auch an dem ganzen. Speaker 2: Und du kannst auch nur dein Päckchen tragen. Die anderen müssen dann mit ihrem Päckchen umgehen. Speaker 1: Genau. Ja, und man bleibt dann bei sich. Man kann dann das, was man beeinflussen kann, was man fürs nächste Mal für sich, wir sind ja hier bei Fehlermacher, das Learning, sozusagen für sich gut verpacken und sagen, das habe ich daraus gelernt, und das war meine Verantwortung, damit kann ich weitergehen. Ja, Ja, ⁓ mir kam eine schlimme, schlimme Zeit. Das war dann leider nicht so das Einzige, was auf dich einprasselte. Du hast zu kämpfen gehabt im Rollstuhl, musstest dich da deinem Leben erst mal völlig zurechtfinden. Ich stell mir das so wahnsinnig ... wirklich herausfordernd vor, weil dir deine berufliche Grundlage erstmal genommen wurde. Du wusstest ja dann, sind Monate, die ich jetzt erstmal brauche. Ja und dann ging es weiter. Speaker 2: Dann ging es weiter. Das ist auch eine ganz normale Reaktion, wenn uns eine Säule in unserem Leben wegbricht. Und das war ja bei mir waren es ja gleich zwei. Das war mein Beruf und meine Gesundheit auf einen Schlag. Dann lehnen wir uns auf andere Säulen, die stabil dastehen. Und das war mein Privatleben, also mein Lebenspartner. Und der hat mir wahnsinnig viel Halt gegeben. Weil erinnere ich mich bis heute dran, dass er gesagt hat, Miriam, weißt du, egal wie schmerzhaft die Dinge sind, die uns im Leben passieren, das Leben macht eine Sache. Es fasst uns in dem Moment an die Schultern und es richtet uns neu aus. Weil etwas Neues, Wertvolleres ... oder Größeres auf uns wartet. Und mit diesem Vertrauen bin ich dann sechs Wochen durchs Leben gerollt in dem Rollstuhl, dass das vielleicht eine gute Handbremse war, die das Leben uns beiden jetzt angezogen hat, weil wir wollten ja eine Familie gründen. Und nur sechs Wochen nach meinem schweren Unfall kam wirklich von jetzt auf gleich ein Anruf. Wie aus dem Nichts beschreibe ich auch im Buch, wie das Leben sich auch innerhalb von Sekunden dann ändert und da kam einfach die info dass Hannes mit seinem helikopter abgestürzt ist und gestorben ist und das war dann eine weitere dimension würde ich fast schon sagen also alles was ich anfassen und was ich sehen kann die knochen die gebrochen sind die mit schrauben und platten wieder zusammengeflickt wurden Das kann ich verstehen. Da kann ich draufschauen und vier Wochen später sagen, die wachsen wieder zusammen. Aber der Tod ist für mich so ... unbegreiflich gewesen. Ich konnte den nicht erfassen, konnte mit dem nicht diskutieren. Ich dem nicht was runterhauen. Ich konnte nix. Ich saß halt einfach da und war so machtlos, weil ich nichts tun konnte. Der Tod lässt mit sich nicht diskutieren. Und das macht es so unfair. Ja, und dann war ich 29 Jahre alt und dann sind weitere Säulen zusammengebrochen. Die Säule der Träume in die Zukunft, die Hannes in dem Moment mit sich genommen hat, weil er gestorben ist. Das ist unsere Motivation, morgens aufzustehen. Wie wird die Zukunft aussehen? Dafür arbeite ich hart. Also die Säule der Zukunft und einfach mein Lebenspartner. der gestorben ist, die wichtigste Person in meinem Leben. Und das war einfach zu viel innerhalb von sechs Wochen. Da bin ich wirklich innerlich zerbrochen, weil ich dann auch nichts mehr Mir fehlte die Kraft zu kämpfen. Ich lag wirklich einfach nur noch da und habe das Leben nicht mehr verstanden. Ich hätte das Vertrauen ins Leben komplett verloren. Speaker 1: Also, stockt mir der Atem. Schon beim Lesen stockt es der Atem. Auch wenn man es hört, selbst wenn betrifft nicht, wenn man so was hört, man völlig... Warum? Warum du? warum? Es ist sowieso immer unbegreiflich, aber... Ja, also... Punkt. Speaker 2: Vielen Speaker 1: und kann ich verstehen, dass du damit nicht zurechtkommst. Und dann auch noch mit den anderen Sachen, die ja auch noch im Rucksack waren, die schweren Steine. Ja, und ich glaube, es war dann auch nicht zuletzt, es ging dann noch weiter mit der Wohnung, die dann irgendwie ziemlich schnell ... Also das war ... ging ja irgendwie Da war das ja so ein Fass ohne Boden, war Wahnsinn. Speaker 2: Ja, also wir haben so einen schönen Spruch bei uns. Der Teufel scheißt auf den größten Haufen. Und das hörte nicht auf mit diesen Botschaften. Weil ich dann noch die Kraft irgendwo dann aufbringen musste, auch Hannes zu beerdigen. Ich hab sogar noch irgendwie eine Rede gehalten. Ich weiß gar nicht, wie ich das alles geschafft habe. Und dann in den Momenten, wo du eigentlich nur noch wochenlang im Bett liegst, nicht mehr duschst, nicht mehr isst, einfach komplett aufgiebst. Speaker 1: Ja. Speaker 2: kriegst du dann nächste Nachrichten, immer wieder andere Nachrichten rein. Und irgendwann kam dann die Nachricht, dass er kein wirkliches Testament hatte, wo ich drin vorkam. Weil das war so alt, da gab es uns als Paar noch gar nicht. Und wir hatten über zwei Jahre ein altes Bauernhaus umgebaut. Und ... Das war unser Zuhause. Das waren genau die Wände, die wir aufeinander gebaut hatten, indem wir unsere Zukunft gesehen haben. Und meine Investition nicht nur finanziell, sondern jede Arbeitsstunde, jeder, mein Haus nicht nur gebaut, sondern auch umgebaut hat, weiß, was da drinsteckt, ist mir dann auch genommen worden, weil ich nichts geerbt habe. und auch nichts zurückbekommen habe, was ich investiert habe. Das heißt, jetzt die nächsten zwei Säulen umgefallen, die finanzielle Säule und mein Zuhause, mein sicherer Ort. Ich wusste nicht, was ich zuerst machen soll. Laut dem Teufel entgegenlachen, Gott eine runterhauen. Ich wusste es nicht mehr. Das war dann der Moment, wo ich so eine Wut verspürt habe. Weil alles davor war wie selber leblos sein. Es gibt so ein Out-of-body-Syndrom, so nennt man das, wenn du schwerste Traumata erlebst, also schwerste Dinge erlebst, über Wochen, Monate, Jahre du mit dir trägst, weil die so eindrücklich waren, die sich so festsetzen in deinem System, dass der Körper sich oder die Seele will sich schützen und ich lag einfach nur noch da und ... konnte mich selber nicht mehr spüren. ich hätte mich kneifen können, ich hätte mich nicht gespürt, diesen Schmerz. Ich lag dann, das beschreibe ich ja auch im Buch, im Bett und habe gesehen, mir muss furchtbar kalt sein, weil die Haare hochstanden. Ich hatte Gänsehaut, aber ich habe keine Kälte verspürt. Und das war so der schlimmste Zustand, den ich hatte. Und durch diese Dinge, die dann auch andere Menschen ... diese Enttäuschungen von Menschen, die ja alle noch oben und top kamen durch, dachte, ja, aber es ist doch mein Zuhause, nein, das erbt jetzt jemand anders, da wohnt demnächst jemand anders drin, du musst jetzt ausziehen. Da kriegst du dann so eine innere Wut, aber nicht nur auf diese Menschen und nicht nur auf das Leben, sondern auch auf mich wieder. Weil es war auch meine Verantwortung, meinen Lebenspartner nach über sechs Jahren zu fragen, Was ist das hier? Wenn das doch unser ist, hast du mich abgesichert? Stehe ich da irgendwo mit drin? Gerade wir Frauen warten unser Leben lang auf den Mann mit dem weißen Pferd und dann kommt er da her und du denkst, jetzt geht es mir gut. Ja, und wenn er aber vom Pferd fällt und sich das Genick bricht, was passiert dann mit mir? Das Pferd rennt weg. Irgendjemand kotzt dir noch auf dein schönes Kleid und du bleibst allein im Wald zurück. Und so fühlte ich mich. Ja, und dann stellt man sich eigentlich nur noch eine Frage, gibst du jetzt auf, weil diese Aufgabe dir zu groß erscheint, eine Säule nach der anderen wieder aufzubauen oder gehst du es jetzt an? Ein kleiner Schritt nach dem anderen. Und ich wusste, was für ein Schmerz bei Hinterbliebenen entsteht. wenn jemand stirbt. Und deswegen habe ich gesagt, ich möchte niemanden diesem Schmerz zumuten, also kämpfe ich. Und kämpfe für mich, weil wenn ich wieder kraftvoll bin, wenn ich wieder glücklich bin, dann sind es auch die Menschen ⁓ mich herum. Und dann kann ich da draußen wieder etwas bewegen. Und dafür habe ich mich dann entschieden, in erster Linie für mich zu kämpfen, aber schlussendlich dann auch für andere Menschen, ⁓ denen dann vielleicht irgendwann auch ein Beispiel zu sein, dass es sich lohnt, zu kämpfen. Speaker 1: Ja, spannend. Spannende Ansicht, okay. Ja, ist ... Also, die Situation ... Also, wo du sagst, man spürt nicht mal mehr, was einem selber wie man sich fühlt. Ist das wie, es sich damit so wie Lethargie vor? Aber man kann noch spüren Wut oder so, sagtest du. War das in dem Gefühl drin oder war da eigentlich erst mal nur Lethargie, dann kam Wut, also sind das so nacheinander Steps oder ist das so alles irgendwie jeden Tag anders? Speaker 2: Lethargie ist eigentlich so die kleinste Form. Das kennen wir alle. Ich bin heute so bisschen lethargisch. Ich nehme mir mal ein Buch, ich muckele mich ein und das ist eigentlich Lethargie. Ich bin antriebslos. Und das ist überhaupt nicht damit zu vergleichen, weil das ist ein richtiges Aufgeben. Also das ist ein richtiges ein richtiger Identitätsverlust. Also du spürst nicht einmal irgendwie etwas. Du bist getrennt. Deine Seele und dein Körper ist getrennt. Und dann brauch es irgendwie einen Impuls. Und sei es, dass du deine ersten Worte widersprichst. Das macht man viel in Therapien, auch in Psychotherapien. Ob das Musik ist, ob es das Tanzen ist, ob es das Bildermalen ist. Es gibt so viele unterschiedliche Formen, wieder zu sich zu kommen. Und bei mir war es dann die nächste Hiops-Botschaft, wo ich wusste, wird jetzt quasi das Bett, in dem ich hier, Entschuldigung, dass ich so spreche, versiffe, auch noch unterm Hintern weggezogen. Also das Bett, in dem ich liege, ist jetzt offiziell nicht mehr mein. dann tragt mich hier raus oder ich schaffe es selber jetzt aufzustehen und mir irgendwann ein eigenes Bett wieder zu kaufen. Und das war dieser Moment bei mir, nicht eigenständig, sondern von außen, der mich so wütend gemacht hat und Wut ist wunderbar. Wut ist auch eine der größten Lehren für mich. Ich habe gerne Wut. Man sagt immer, sei nicht so wütend. Ja, doch Wut ist manchmal gut, weil es bringt dich dazu, wieder in Aktionsbereitschaft zu gehen oder Dinge anzugehen und zu verändern. Also diese Wut war für mich damals wahnsinnig wichtig. Speaker 1: Okay, ja. Jaja. Ja. Okay, also kann man fast sagen, der letzte Schicksalsschlag war dann, dass es dich wütend gemacht hat und dann doch positiv zu bewerten ist, weil es einfach dich wieder in Aktion gebracht hat. Speaker 2: Immer immer die Frage, wie bewertest du Dinge? Ja, gut. ist aber auch ... Bin auch wieder ich. Ich möchte an gewisse Dinge in meinem Leben glauben. Ich möchte sie so bewerten. Weil würde ich sie anders bewerten, dann wäre ich vielleicht heute eine total vergerbte, alte Frau, die immer noch auf die Vergangenheit schimpft, die jetzt hier sitzen würde und die erzählen würde, früher war alles besser und ich wünsche mir meinen Lebenspartner zurück und hätte ich das nicht gemacht, wäre das nicht passiert. Diese Aussagen sind typische ... Opfer aussagen und die bringen dich kein Stück in deinem Leben weiter, sondern du drehst dich Tag für Tag immer wieder ⁓ dich selbst und du lebst überhaupt nicht mehr im Jetzt, sondern immer nur in der Vergangenheit und verlierst wertvolle Lebensjahre. Und so habe ich wirklich dann auch gelernt, meinen Kopf so zu strukturieren und auch aufzuräumen und zu lernen, zu führen. dass es mich weiterbringt. Deswegen sage ich, ich möchte an gewisse Dinge glauben, die mich weiterbringen, die mich wieder an mein Ziel näherbringen, die mich aus dem Bett rausholen, die mich einen Mann ansprechen lassen in einer Bar, obwohl ich nicht weiß, ob er vielleicht verheiratet ist. Aber ich bin jetzt mal mutig. Also dieser Optimismus ist wichtig, einfach den sich zu behalten, dass man weitergeht. Speaker 1: Ja. Jetzt könnte man ja meinen, durch diese ganzen Schicksalsschläge hast du dich als Mensch verändert. In gewisser Weise. Aber letztlich höre ich ja raus, dass du ja trotzdem die Miriam, die mutige Miriam von früher geblieben bist in irgendeiner Art und Weise. jetzt damit ja weitergehst. Also, du irgendwie deinen Wife gefunden hast und da rausgangst. Wie kann ich mir das vorstellen? Also, du lagst dann irgendwie da und wusstest nicht mehr. Okay, da waren dann die Ansätze wieder da. Speaker 2: Ich habe in der Zeit so sehr für mich herausgefunden, wie wichtig es ist, mutige Entscheidungen zu treffen. Also das war in meiner Standarbeit wichtig, sich das anzutrainieren. Ich glaube nicht, dass Mut ein Persönlichkeitszug ist, den du einfach hast, der dir angeboren wurde. Das ist eine Fähigkeit. Wie Klavier lernen die einen, mehr oder weniger Talent dafür, aber du kannst diese Fähigkeit erlernen. Und es ist wahnsinnig wichtig, dass du lernst, mutige Entscheidungen zu treffen. Weil die bringen dich wieder dazu, etwas zu erleben. Und das kann positiv oder negativ sein. Also entweder scheiterst du oder du bist erfolgreich, denkst in dem Moment, Wahnsinn, hätte ich nie gedacht, dass ich das schaffe. Also treffe ich die nächste mutige Entscheidung und gehe weiter. Oder du führst einfach, drehst noch mal eine extra Runde, weil du mutig etwas entschieden hast etwas erlebt, bist dabei gescheitert, hast aber wieder Informationen bekommen und versuchst es noch mal. Und deswegen ist so diese Dynamik des Lebens so wichtig, aufrechtzuerhalten, weil alles andere ist Stillstand. ich glaube, hat Herbert Grünemeyer, hat das, glaube ich, mal gesungen. Stillstand ist der Tod. Und so möchte ich nicht durchs Leben gehen. Also ich sage, wäre ich mal mutiger gewesen oder hätte ich doch mal ... sondern ich möchte wirklich durchs Leben gehen und schlussendlich am Ende meines Lebens sagen, habe alles aus mir und meinen Möglichkeiten und Chancen rausgeholt, was nur irgendwie ging. Speaker 1: Würdest du also sagen, Scheitern gehört zum Erfolg absolut dazu? Speaker 2: Absolut. Absolut. Ich habe mehr durchs Scheitern, durch meine Fehler gelernt, als durch Erfolg. Erfolg ist auch so Erfolg und Puff und es ist weg. Das ist kurzfristige Freude. Danach setzt du sofort ⁓ wieder ein neues Ziel und gehst weiter. Aber die größten Lehren, vor allen Dingen die innere Stärke, die Souveränität, die ich heute habe, die habe ich durch meine Fehler bekommen. Durchs Lernen. Dadurch wächst du. Speaker 1: Ja, okay, naja, nun war es ja, kann man ja sagen, es waren ja nur deine Fehler. okay, der Umgang damit, aber die Schicksalsschläge sind ja auf dich eingeprasselt. Konntest ja jetzt irgendwie, waren ja nicht mal Fehler, die du verursacht hast. Aber klar ist der Umgang damit wichtig und genau, Ähm, ja. Was würdest du denn jetzt so aus deiner Geschichte rausziehen und sagen, okay, das waren jetzt die drei wichtigsten Learnings, die ich da aus allen gescheiterten Sachen, die da auf mich eingeprasert sind, Schicksalsschläge, was hast du da für dich als drei Kernpunkte vielleicht rausgenommen? Speaker 2: Also dadurch, dass es in dem Podcast ja vor allen Dingen ⁓ Fehler machen geht, würde ich ganz klar sagen, dass einer der größten Fehler, die ich in meinem Leben gemacht habe, der war, nicht ehrlich zu mir und zu anderen Menschen zu sein. Speaker 1: immer am Vermachern. Speaker 2: Also ich hab so häufig meine Grenzen nicht geachtet, weil ich nicht ehrlich war. Einfach zu sagen, ich schaff's heute nicht oder ich kann heute nicht oder mir geht's nicht gut. Oder ich brauch Hilfe. Die einfachsten Sätze, die uns aber so schwerfallen auszusprechen, weil wir wieder nicht als schwach gelten wollen. Und dementsprechend waren einfach die größten Fehler, nicht nach Hilfe zu fragen, immer wieder so zu tun, als wäre ich die Starke, nicht ehrlich zu mir zu sein und somit auch zu anderen. Und das lerne ich bis heute. Das mache ich auch bis heute, dass ich mich immer wieder dahin trainiere und sage, wo stehe ich heute? Wie geht es mir von meiner Energie? Brauche ich Hilfe? Ich frage dann einfach danach. Also viel, ehrlicher. zu mir zu sein und auch zu anderen Menschen. Weil die können dann auch mit mir umgehen. Ansonsten ist es ein immer nur im Nebel tanzen und du findest den anderen da aber nicht wirklich. Und ich möchte heute sehr aufrichtige Beziehungen führen. Ich möchte Freundschaften haben, die aufrichtig sind. Auch meine Liebesbeziehung, die Beziehung zu meinen Eltern, Geschwister. Nimm alle, egal, ob es meine Kunden sind. Ich möchte so authentisch wie möglich durchs Leben gehen. Und ich bin heute so froh, das auch zu sein, weil ich einfach Mensch bin. Und früher hab ich mich, glaub ich, versteckt und immer gedacht, ich muss immer dieser Actionheld sein, weil dafür werde ich, wie gesagt, bezahlt. Aber ich bin heute so stolz darauf, Mensch zu sein. Und zu Mensch sein gehört auch mal zu scheitern oder schwach zu sein. Weil dann nehmen die Leute dich auch wirklich ernst. Und die sind gerne da und helfen. Speaker 1: Ja, ja. Also im privaten Umfeld gehe ich da mit. der Gesellschaft würde ich jetzt eher sagen, haben wir es in diesem Land auch nicht so ganz einfach. Also ich glaube, gibt Länder wie Amerika oder ähnlich, die gehen ganz anders mit Scheitern ⁓ wenn du da dein drittes Start-up gegründet hast und zwei sind gescheitert, dann klatschen die Investoren erst in die Hände und sagen so, die weiß, wie es geht. Und da setzen wir an und da investieren wir. Und das ist in Deutschland, finde ich, eine ganz andere Kultur. Und deswegen sind wir ja auch vom Fehlermacher da und wollen das ja so bisschen laut werden lassen und dann in Community auch zu sagen, okay, hier können wir hingucken. Also das Scheitern gehört einfach zum Erfolg dazu. Das wird nicht ohne gehen. Und wenn wir Innovation wollen und vorankommen wollen, dann müssen wir halt auch mutig sein. So wie du das ja auch jetzt wunderbar beschrieben hast, einfach mutig vorangehen und dann scheitert man halt, ist halt der Weg. Genau, da dürfen wir glaube ich in diesem Land echt noch viel viel lernen. Speaker 2: Ja, und dafür braucht es Menschen, vorgehen. Und es entwickelt sich wirklich in die Richtung. Weil der größte Heilungsschritt, der wichtigste Heilungsschritt in meiner Geschichte war dann schon auch der, Maske abzulegen und dann auch wirklich ... darüber zu sprechen, was mir passiert ist. Und meinen Standpunkt zu sagen und klarzumachen, dass ich nicht weiß, ob ich hier wieder gehen werde. Und die Menschen waren so dankbar dafür. Und mir ist so eine große Last genommen worden, weil ich viel auch über Social Media gemacht habe. Und dann hieß es, ich hab auch meinen Lebenspartner verloren. Oder ich sitze auch im Rollstuhl. Oder ich hab auch finanzielle Probleme. Ich weiß auch gerade nicht wohin. Und das ist genau dann die ... Die Verbindung, die ich heute haben möchte, nicht dieses, hey, wie geht es dir alles gut? Ja, wie war das Wetter? Wie war die Anreise? Interessiert keine Socke. Ganz ehrlich, wir leben in so herausfordernden Zeiten, dass ich ⁓ jeden Mensch dankbar bin, der mir sein echtes Gesicht zeigt. Und ich habe dem Schmerzhaftesten in meinem Leben den Sinn gegeben, anderen Menschen ein Vorbild zu sein, dass es wichtig ist, nach Hilfe zu fragen, mutige Entscheidungen zu treffen. Speaker 1: Ja. Speaker 2: und auch die Schönheit in der eigenen Zerstörung zu finden. Deswegen hab ich ein Buch geschrieben. Deswegen steh ich bis heute auf der Bühne und erzähle immer wieder meine Geschichte. Weil ich weiß, irgendwo da im Publikum sitzt jemand, der weiß grad nicht weiter. Dieser Mensch sucht nach Halt, nach Orientierung, nach Antworten. Der sucht nach Menschen, die ihm Schritte voraus sind. Und das möchte ich für die Menschen sein. Und deswegen ist es so wichtig, dass es noch mehr Menschen gibt, die sagen, ich Beispiele ohne Ende, ich habe auch eine Fehlgeburt erlebt oder ich bin auch betrogen worden oder ich habe eine Scheidung oder ich habe eine Depression. Und es wird immer mehr, dass die Menschen mit ihrem Schmerz rausgehen und sich connecten, weil das sind echte Verbindungen, das sind echte Begegnungen. Und wenn wir uns wirklich auf dieser authentischen Ebene begegnen, dann können wir gemeinsam heilen. Und dann ist es auch eine Zukunft, die funktionieren kann. Diese Oberflächlichkeit, aus der wir kommen, bringt uns nirgendwo hin. Speaker 1: Ja, ja, da sagst du was. Ich weiß, ich hatte mal mit einer Kollegin die Verabredung morgens, das ist uns immer so, ist genau wie du sagst, so wie geht's? Ja, ja, alles gut, ne? Und dann hatten wir immer so die stille Vereinbarung, wenn der eine irgendwie gemerkt hat, na? Wirklich jetzt? Wirklich. Wir haben immer zweimal nachgefragt und dann kam es auch. Also unsere DNA, würde ich fast behaupten, zu sagen, ja, ja, alles gut, ne, erst mal so alles fein. Also glaube, das ist Amerika aber auch nicht anders, dass man da dieses, wie geht es und dann ja, sagt man erst mal alles fein, so genau. Speaker 2: Genau. Ist auch in manchen Situationen wichtig. Also müssen wir jetzt auch nicht drüber sprechen. willst auch nicht jedem Postboten der fragt, na alles gut, dein Liebeskummer. Speaker 1: Andersrum wahrscheinlich auch. Man ist nicht von jedem Postbot in der Natur, wenn man freundlich ist, klar. Aber da ist natürlich die Grenze, wo hört's auf, wo fängt's an, dass wir's wirklich wissen wollen. Aber würd mal meinen, die, die man kennt, da kann man schon sagen, man ist interessiert nicht wirklich, wie's dir jetzt geht. Speaker 2: Und genau das ist genau das, was wir Menschen so häufig unterschätzen. Also wir unterschätzen einfach, wie wertvoll wir für andere Menschen sind. Und vor allen Dingen auch für fremde Menschen. Also ich hatte letztens einen Vortrag, ich hatte meinen Laptop unterm Arm, war zu spät, weil ich musste zum Flieger, da hat alles relativ lang gedauert und ich war wirklich unter Druck, musste zum Parkhaus, zum Auto und komme an einem Menschen vorbei, steht an einem Lkw, der musste irgendwie ausgeladen werden, hat alles nicht funktioniert und der stand da und ich hab den gesehen und hab gesagt, irgendwas ist mit diesem Mann. Und ich gehe dann an ihm vorbei und der guckt wirklich nur mit großen Augen, rote Augen und geht es ihm gut. Und der macht nur so. Also der konnte gar nicht sprechen. Geht's Ihnen gut? So, und dann ... konnte der nicht reden. ich sag, geht's Ihnen gut? Brauchen Sie was? Und dann zuckte er auch so mit ... Hab ich dann gefragt, darf ich Sie in Arm nehmen? Dann hab ich einfach nur einmal kurz gedrückt, dann er geweint. Er hat Sie müssen gar nichts machen, das hat mir geholfen. Dann ging der wieder zu seinem LKW. Aber ich will mich gar nicht nach vorne stellen wieder. Es geht nur ⁓ diese Geschichte, weil ich so häufig auch der Mensch war, der einfach nur in der U-Bahn da saß. ich dachte, kann mich nicht einfach irgendjemand mal in den Arm nehmen? Oder mir einfach nur kurz sagen, hey, morgen ist ein neuer Tag. Oder du kriegst das schon irgendwie hin, ich schaue dir zu. Und sich bewusst zu machen, wie wertvoll wir für andere Menschen sind, oft nur ein Blick oder ein Satz ist, ist so wahnsinnig wichtig. Speaker 1: Ja, total. bin ja auch immer sehr offen mit meinen ... Weil ich genau das fühle und denke, gibt doch ... Was würde es mich kosten, ein Kompliment, ein Lächeln mehr rauszugeben? Das kostet mich nichts. Und ich mach das auch sehr häufig. Ich weiß immer manchmal nicht, umzugehen, wie andere Menschen das aufnehmen. Weil ich bin damit sehr großzügig. Und ich weiß in diesem Land manchmal nicht, in anderen Ländern ist es bestimmt gang und gäbe, aber manchmal denkst du dir so, ich bin der Außerirdische, bin so superfreundlich. ⁓ damit umgehen, wenn man so Komplimente verteilt und sagt, ey, du siehst toll aus heute, ja, auch Frau zu Frau irgendwie sagen, ey, ich find dich heute mega chic, du hast ein tolles Outfit an. So, dann ist immer erst mal so Verwirrung, große Verwirrung, traurig, oder? Speaker 2: Aber ist das nicht traurig? Dass man dann irgendwie denkt, mein, die ist jetzt ernst oder will die mich veräppeln? Also daran merkt man, glaube ich, aber auch einfach, wie sich die Gesellschaft verändert hat. Wir haben sehr viel Vertrauen in andere Menschen verloren, gerade auch durch Corona. Und umso wichtiger ist es, wieder echte Bindungen und Beziehungen aufzubauen. Und das startet genau damit. Ich meine das wirklich ernst. Einfach als Zusatz. Sie sehen heute toll aus oder tolle Ausstrahlung. Auch unter uns Frauen diese, ach du, ich mag aber deine Schuhe oder ... Die Brille steht dir, aber das ist alles so oberflächlich, sondern einfach so, ich mag deine Ausstrahlung oder du strahlst heute oder geht's dir gut, du hast so klare Augen. Das sind viel schönere Komplimente anstatt einfach nur irgendwie über den Pulli zu sprechen. Speaker 1: Ja, weil man halt hinguckt und der andere führt sich gesehen. Führt sich wirklich gesehen und ich glaube, macht es sich auch, ich bin ja auch der Meinung, es lohnt sich auch hinzugucken und dann mal ein Kompliment zu verteilen, weil man eben nicht weiß, wo steht der andere gerade und vielleicht hat er genau dieses kleine Kompliment an diesem Tag gebraucht. genau. Von daher denke ich auch, da können wir ruhig bisschen wirklich ⁓ uns schmeißen mit. Speaker 2: Ja, genau. Aber bitte nur, wenn es ehrlich gemeint ist, ist es wieder heuchelig. Speaker 1: Ja, nein, das machen wir nicht. Das machen wir nicht. Speaker 2: Meine Oma hat mal gesagt, bevor du heuchelst oder lügst, sag lieber gar Speaker 1: Okay, dann geh ich mit, ja. Genau, genau. Okay, Miriam, ja. Was würdest du denn jetzt einem Menschen sagen, der genau da steht? Der struggelt gerade mit sich, der hat gerade eine schwierige Zeit, dem geht's gar nicht gut, welche Richtung auch immer, dem ist vielleicht Ähnliches passiert, dem sind Säulen weggebrochen. Was würdest du demjenigen jetzt sagen in der Situation? Speaker 2: Schau dir nicht das ganze Bild an. Also hätte ich diesen riesengroßen Scherbenhaufen gesehen und alle... Säulen gleichzeitig wieder aufstellen wollen, hätte ich, glaube ich, gar nicht angefangen. Sondern ich bin ganz nah an meinen Scherbenhaufen rangegangen und habe an einer Ecke angefangen zu graben, ob vielleicht doch noch irgendwo ein wertvolles Stück übergeblieben ist, was ich rausnehmen kann. Bin an eine andere Ecke gegangen, habe hier ein wertvolles Stück gefunden und erst mal gesammelt und dann angefangen aufzubauen, mir etwas Neues aufzubauen. Eine Säule nach der anderen. Und wir meinen immer, wenn wir diese große Katastrophe sehen, Chaos, das schaffen wir nicht. Das überwältigt uns und wir fühlen uns ohnmächtig. So habe ich mich zumindest gefühlt. Der richtige Weg ist aber ganz klein anzufangen. Mit kleinen Schritten. Zu sagen, ich nehme mir morgen vor, das Telefon in die Hand zu nehmen. und den Freund einer Bekannten anzurufen, weil der ist Trauerbegleiter und ich frage nach Hilfe. Das nehme ich mir morgen vor. Aber ich nehme mir nicht vor, morgen meine gesamte Trauer zu heilen. Sondern ich weiß, dass wir Zeit brauchen. Aber ich fange morgen an. Und dann einen Schritt nach dem anderen. Einen Tag nach dem anderen. Und das ist genau die Frage, die ich mir dann auch gestellt habe. Wenn ich einen Tag nach dem anderen weitermache und ... Speaker 1: Hmm. Speaker 2: Verantwortung übernehme für wie denke ich, was esse ich, wie viel schlafe ich, mit welchen Menschen umgebe ich mich, wie viel Zeit verbringe ich alleine. Ich räume richtig mein Leben auf. Wie wird mein Leben dann in Zukunft aussehen? Und diese Neugier in mir, die dann immer größer geworden ist, werde ich vielleicht mich irgendwann wieder verlieben können. Werde ich vielleicht doch irgendwann mal Mama sein? Wo werde ich eigentlich leben? In einem Haus oder in einer Wohnung oder Was auch immer. Also mal dir dein Leben aus, so wie du es dir vorstellst und mach diese Neugier in dir zu deinem Motor. Die war über so viele Jahre mein Motor, ist es nach wie vor bis heute. Wie wird mein Leben aussehen in Zukunft? Und dann gehst du Schritt für Schritt, ohne dir Druck oder Stress zu machen. Nicht mit Druck und Stress arbeiten, sondern eher mit so Kohlis, mit kleinen Schritten in dein Leben. Mach einfach weiter. Speaker 1: Das erfordert, glaube ich, auch eine Menge Geduld mit sich selber, mit dem Umfeld, mit allem, oder? Ich gerade sagen, also ich wollte es ja nicht sagen. Also mir fällt Geduld, nicht so, was ist das, Geduld? Aber er frisst ja dann auch noch mal Kapazitäten, wenn man dann unnatürlich, sage ich jetzt mal, dann geduldig sein lernt, geduldig sein zu müssen. Speaker 2: Ja, totale Königsdisziplin von mir, Geduld. Ja, unfassbar. Es gibt einen wunderschönen Satz, den werde ich bis heute nicht vergessen. Gras wächst nicht schneller, wenn du daran zählst. Speaker 1: Ja, den kenne ich auch. Den sag ich mir auch öfter mal. Speaker 2: Ich habe wirklich alles gemacht. Ich Podcast gehört, ich Bücher gelesen, habe mich mit Menschen ausgetauscht, die Ähnliches erlebt haben. Ich hatte mehrere Psychologen, hatte Trauerbegleiter. Ich hatte alles, wirklich. habe alles gemacht. Und ich saß nach drei Jahren, nach fünf Jahren immer noch heulend da und habe gedacht, das kann doch nicht sein. Also wie geht das, dass ich alles mache und immer noch nicht geheilt bin? Ich mach doch alles, ne? auch fast schon bettelnd leben, lass mich doch mal wieder 100 Prozent glücklich sein. Und ich bin's bis jetzt. Ja, genau, genau. Das bitte gleich. Ja, dieses gleich und sofort war eben nicht da, sondern auch nach drei und nach fünf Jahren, nicht? Und dann hab ich irgendwann, irgendwann platzt mir auch die Hutschnur und ich bin jetzt aber auch nicht mehr geduldig und ich will jetzt aber auch wieder Speaker 1: Sofort bitte. Speaker 2: bis ich einfach gelernt habe, sei geduldig mit dir im Sinne von, dass es vielleicht auch Wunden gibt, die niemals heilen. Weißt du, ich habe so viele Narben an meinem Körper, die sind alle sichtbar. Aber die größte Narbe ist ja in mir und die ist auch verheilt. Die Narbe ist aber sichtbar. Und jetzt ist die Frage, wie trage ich diese Narbe, die immer bleiben wird, mit mir mit? Und das bedeutet auch, Geduld mit sich haben. geduldig sein, dass du irgendwann verstehen wirst, wofür dir das passiert ist, was dir passiert ist. Und deswegen sage ich ganz, ganz häufig, es ist eines der schönsten Geschenke gewesen, dass ich diesen Mann kennenlernen durfte, dass ich über sechs Jahre mit ihm ein Leben aufbauen durfte, durch Leben gehen durfte. Und es ist aber zugleich eines der schönsten Geschenke gewesen, dass er gestorben ist. weil es meine Sicht heute aufs Leben ist. Sein Tod hat mir das Leben nähergebracht, mir das echte Leben beigebracht. Und das ist auch nach Jahren erst in mir hervorgekommen. Deswegen heißt mein Buch auch so, das Leben ist ungerecht, weil ich das alles so unfassbar ungerecht empfunden habe. Aber es ist auch gut so, dass uns Dinge passieren, die wir als ungerecht empfinden, damit wir das wirkliche Leben leben. Das bedeutet heute für mich eine totale Wertschätzung mir gegenüber. Da sind wir wieder bei den Grenzen. Na, wie gehe ich mit mir ⁓ Eine Wertschätzung mir gegenüber, eine Wertschätzung aber auch jetzt meinem Lebenspartner, meinem neuen Lebenspartner gegenüber. Einfach Wertschätzung der Zeit gegenüber, die wir gemeinsam miteinander haben. Und das hat mich zu einem so bewussten und klaren Menschen gemacht. Speaker 1: Ja, ja und ich meine du sitzt jetzt freudestrahlend, also ich sehe ja, dass es dir gut geht, würde ich jetzt so sagen. Du bist klar, du bist fokussiert, hast jetzt einen krass neuen Weg eingeschlagen beruflich. Dann frage ich dich doch jetzt mal, wie geht es dir denn wirklich? Wie geht es dir denn jetzt wirklich wirklich mit deinem Leben sozusagen? Speaker 2: Mhm. Ja, also genau diese Klarheit, diese Wertschätzung, diese Dankbarkeit und Souveränität, die ich heute in mir trage, die spüre ich auch wirklich. Also ich, ähm, ich lasse mich nicht mehr rumschubsen. Dafür bin ich viel zu stolz auf mich. man sagt immer, äh, stolz sein sollte man nicht zu laut sagen, doch. glaube, dass wir viel öfter mal in den Spiegel schauen sollten und ... uns wirklich bewusst machen sollten, was wir alle schon geschafft haben, was wir alles tagtäglich leisten. Also ja, bin stolz auf mich und ich habe so viel gelernt aus diesen vielen Fehlern, die ich gemacht habe. Und heute bin ich eine viel, bessere Partnerin als damals. Ja, warum? Weil ich aber auch dadurch wieder eine Klarheit gefunden habe. Heute treffe ich auch beruflich Entscheidungen ganz anders, weil ich die Fehler aber damals gemacht habe. Heute achte ich viel mehr darauf, was esse ich, wie viel Sport mache ich. Ich achte auf meinen Körper ganz anders, anstatt den vor das nächste Auto zu schmeißen und zu sagen, cooler Stunt, kriege ich wieder Aufmerksamkeit für. Also ich bin wirklich wieder glücklich und die Menschen schauen mich ganz häufig an und sagen, kann man wirklich wieder glücklich werden, nachdem man das alles erlebt hat? Und ich sage aus dem wirklich tiefsten inneren Ja, ich bin nie wieder Speaker 1: Ja. Speaker 2: 100 Prozent glücklich geworden, aber ich war als dann Frau nicht glücklich. Also wir streben immer nach 100 Prozent Glück. Das gibt es für mich nicht. Ich habe das noch nie erlebt, dass ich 100 % glücklich war, weil es immer irgendwo eine Baustelle in meinem Leben gab. Aber auch das habe ich für mich gelernt, dass es eine totale Zufriedenheit gibt, die ich erreichen kann und die ist heute viel höher als damals als junge Frau. Ich habe eine totale Souveränität und Zufriedenheit in meinem Leben. Das macht mich glücklich. Und dann gibt es diese Glücksmomente. Und ja, ich bin wirklich wieder glücklich, mal mehr, mal weniger. Ich kann das Leben viel, besser einschätzen und viel bewusster heute leben. Speaker 1: Ja, toll. Wirklich toll, finde ich gut. Ja. wer ist denn bitte immer glücklich? Zeig mir einen Menschen, immer glücklich ist. Jeden Tag. Morgens aufsteht, abends ins Bett, geht nächsten Tag selbst. Ich glaube, das ist auch eine Illusion. Aber ich finde es ganz spannend, was du sagst. Das nehme ich für mich auch immer gerne jetzt mit auf den Weg, dahin zu gucken, wo der Glücksmoment ist. da zu sagen, und jetzt gerade ist echt die Welt gerade in Ordnung. Jetzt gerade bin ich hier an einem schönen Ort. Jetzt gerade sitze ich mit dir hier, darf einen Podcast aufnehmen. Jetzt grad ist das Leben einfach mal schön. Diese kleinen Glücksmomente jeden Tag zu finden in dem ganzen Alltag, wir alle sind gerade irritiert, die Welt steht irgendwie gefühlt Kopf. Aber dann eben gerade zu sagen, okay, ich guck mir die Kleinigkeiten an, die den Tag lebenswert machen, finde ich total wichtig. Speaker 2: Es wird uns einfach so schwer gemacht. Durch die Werbung, gerade durch Social Media, weil die Menschen natürlich nur ihre besten Momente teilen. Und du liegst dann vielleicht morgens oder abends oder zwischendurch im Bett oder auf dem Sofa und denkst, die sind alle so glücklich, die Bilder sind alle so bunt, das alles so schön. ich, ich esse hier aus dem Karton Pizza und hab immer noch keinen Partner. ne, also, sich davon zu lösen und zu sagen, nee, das ist Social Media, das ist Internet, das ist Werbung, die muss mir zeigen, wenn ich dieses Auto fahre, dann bin ich glücklich. Davon sich frei zu machen ist auch ganz, ganz, ganz, ganz wichtig. Speaker 1: Deswegen solltest du so viel mehr Menschen geben wie dich. also mein höchster Respekt, dass du über all diese Sachen so offen sprichst. Die waren sicherlich schmerzlich und toll, dass du so viel Learnings daraus genommen ziehen konntest für dich und dass dich das so stark gemacht hat. wirklich toll, wirklich. Speaker 2: Ja, Speaker 1: Ich habe doch verstanden, Speaker 2: Ich kriege ja nicht alle keine ... Speaker 1: Nee, aber es ist wirklich mehr davon, ne? Weil genau das, da haben wir den Gegenspieler, sagen wir mal, Social Media, der genau das Gegenteil in uns bewirkt. Und wenn wir uns hinsetzen und sagen, wir sind alle verletzlich, wir haben alle unsere Geschichten, unsere Struggles, nichts ist perfekt, dann wird's doch wieder echt menschlich und ehrlich und dann fühlen wir uns vielleicht wieder mehr verbunden. Genau. Richtig. Total. Es war mir eine totale Freude. Ich habe mich auf das Gespräch sehr gefreut und es war so wie es oder besser sogar, wie ich es mir erträumt habe. Speaker 2: Ich habe mich auch sehr gefreut, weil ich das Thema so toll finde. Also macht den Podcast groß, teilt den, hört jede Folge, schickt es weiter, ja wirklich, an Menschen, es brauchen können. Ganz, ganz wichtig, dieses Thema. Speaker 1: Ich danke dir, aber die letzten Worte sollen natürlich dir gebühren. Von daher würde ich jetzt schon mal sagen, herzlichen Dank Miriam und ich übergebe dir sozusagen die letzten Worte in diesem Podcast. Speaker 2: Ich glaube an einen besonderen Zauber, ich nenne das auch ein bisschen die Magie des Lebens und stehe heute auf einem Fundament von Vertrauen, weil auch so viele Dinge in meinem Leben passiert sind, die ich nicht erklären kann. Das können selbst Wissenschaftler nicht erklären und ich möchte schon auch daran glauben, dass wir geführt werden, dass wir immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sind. Und auch wenn es noch so schmerzhaft ist und du gerade Schmerz, Trauer, Wut, Verzweiflung spüren darfst, gehört das auch zum Menschsein und zum Leben mit dazu. Und heute schaue ich ganz häufig zu der Miriam zurück, die so wütend war oder die so unfassbar voller Trauer war. Und ich denke mir, wie schön war diese Zeit, weil sie mir gezeigt hat, wie sehr ich lieben kann. Und deswegen Saugt das alles auf, so schmerzhaft euer Leben gerade ist. Vielleicht ist es auch total schön, saugt auch das auf. Wir Menschen wollen uns lebendig fühlen und zur Lebendigkeit gehören alle Farben von Emotionen. Deswegen viel Freude beim Emotionen spüren und beim Leben leben. Speaker 1: für diesen abschließenden Gänsehaut-Moment. Speaker 2: Sehr gerne, danke für das tolle Gespräch. Speaker 1: Danke schön.