Patrick: Hallo Godo, ich freue mich heute sehr dich als Gast zu haben. Viele werden dich irgendwo als vielleicht vom Namen noch nicht kennen, aber deinen Einfluss, den du gehabt hast, werden sie kennen. Godo steht für gutes Essen, aber nicht so richtig in der traditionellen Form, sondern für eine neue Form. Und ich glaube, das ist auch der entscheidende Punkt, warum ich ihn so gerne eingeladen habe, weil Essen muss erst mal schmecken. Und Godo steht für pflanzliche Proteine. Godo! Godo: Ja, Moin Patrick, freu mich bei dir sein zu dürfen. Patrick: Es geht heute sozusagen nicht direkt ⁓ die Wurst und trotzdem ⁓ die Wurst. Wie bist du zu dem Thema gekommen oder vielleicht mal deine Geschichte erzählen? Man kann ja strategisch an das Thema, man kann aus der Ideologie an pflanzliche Proteine herangehen. Also es geht heute ⁓ veganes vegetarisches Essen. Wie bist du an das Thema gekommen? Godo: Ja, ich war 25 Jahre bei der Rügenwalder Mühle. Patrick: Also die Rügenwalter Mühle, für die meisten für Teewurst und Leberwurst steht. genau das. Okay. Also denk dran, unser Hauptpublikum ist in der Schweiz. Das heißt, du hast bei einer ganz traditionellen Wurstfirma angefangen. Godo: und Leberwurst. Ganz genau. Ganz genau. Ja, okay. Genau, vor 25 Jahren, da war das nur eine kleine Filialkette hier im Norden Deutschlands, 25 Metzger Filialen, wo die Wurst über den Tresen verkauft wurde. Wir haben 400 Produkte gehabt und haben diese Produkte verkauft. Und dann kamen wir da drauf, dass wir erstmal aus dieser Metzgerei eine Marke machen wollten. Und das haben wir dann gemacht, indem wir die 400 Artikel alle rausgenommen haben aus dem Sortiment, nur auf die Rügenwalder Teewoos gesetzt. Die war so bisschen international schon eine Marke. Und dann... Patrick: Das ist meine Kindheitswurst gewesen. Godo: Sehr lecker, mag ich heute auch noch sehr, sehr gerne. Und haben das dann nach zehn Jahren hinbekommen, dass wir dann 2010 ungefähr Deutschlands bekannteste Wurstmarke waren, beliebteste. Wir hatten eine ungestützte Bekanntheit von 95 Prozent. Also die Rühmwalder Mühle. Haben wir dahin bekommen, dass sie super bekannt war. Und dann, ich finde... Ja, gerne. Patrick: Jetzt, du da noch weitergehst, wie kann das sein, dass die anderen Wurstmarken so unbekannt sind? Beziehungsweise, ihr habt es ja geschafft, es gab da so härter und diese ganzen komischen ... Bärenwurst, das kann sich ja kein Schweizer vorstellen, dass in Bärenwurst kein Bär drin ist, sondern einfach, dass das Bärchen da so in der Schnittfläche auftaucht. Aber Godo: Gut, Fried, und sowas. Patrick: Das ist ja schon mal Innovation, dass man eigentlich gesagt hat, weg von dem Billig-Billig, sondern zu einer Marke. Kommst du aus Markenführung heraus? Godo: Ich glaube der größte Einfluss ist, dass ich überhaupt keine vernünftige Ausbildung habe. Also ich habe zwar studiert, ich habe Industriekaufmann gelernt bei Coca Cola, aber ich habe nie, ja absolut, aber der Industriekaufmann da so ein bisschen in so Produktionsbetrieb mitgearbeitet. Da habe ich Marke verstanden oder zumindest gesehen, was eine Marke sein kann. Aber ich habe nie so richtig in einem Konzern gearbeitet, wo ich als Marketingmann unterwegs bin. Also ich wurde nicht irgendwie rund. Patrick: Ha Die können Marken. Jetzt muss ich fragen, weil das ist so schön, ich wusste das ja gar nicht. Als Industriekaufmann kennst du dich dann wahrscheinlich in vielen Kalkulationen aus. Ich möchte jetzt nicht fragen, ob du die Kalkulation von Coca-Cola gesehen hast. Weil das müsste ja eigentlich dein Erweckungsmoment gewesen sein, wo man sieht eben Produktionskosten und was zahlen die Leute dafür. Und das heißt die Marke. Godo: Vielen Dank. Die Kalkulation schulden die Rezeptur nicht. Ja, absolut. Genau. Das fand ich faszinierend. Ich hab dann mit dem Inhaber in dieser Rügenwalder Mühle, die hieß damals Kahn Müller Fleischerei, gesagt, wär doch toll, wenn wir auch so ne Marke haben. Er kam auch direkt von der Hochschule, hatte auch von nix ne Ahnung und hat gesagt, dann lass uns so was mal machen. Dann haben wir losgelegt. Das ist ne lange Geschichte, aber wir haben es dann hingekriegt, weil wir irgendwie ahnungslos waren. Auch die ganzen Agenturen, die mit uns zusammengearbeitet haben, haben gesagt, Ihr seid die lustigsten Kunden, weil ihr stellt Fragen, die sind so, als ob meine Frau die stellen würde, aber nicht irgendwie, dass ein Fachmann sie stellt. Patrick: Ja, aber das finde ich eben so wichtig. Was waren das denn für Fragen? Godo: Grundsätzlich, wenn mir jemand was über Marke erzählen wollte, wie er das hingekriegt hat, dann wollte ich immer ganz konkrete Beispiele. Was war jetzt genau dein Anteil an diesem Werk? Und dann merkt man erst mal, wie klein die Aufgaben der Agenturen dann sind. Also die haben dann irgendwie mal einen Spot gemacht oder irgendwie da was gemacht, aber dann habe ich gesagt, ja, dafür gebe ich jetzt nicht so viel Geld aus. Sondern da musst du mir schon ein bisschen mehr bringen. Und die Agenturen haben mir immer gesagt, du behandelt uns wie eine Unternehmensberatung. Ich will dir doch nur einen Spot drehen. Ich so, nein, ich will viel mehr von dir. Du sollst mir auch sagen, warum muss ich das machen? Wie viel Geld kriege ich wieder, wenn ich das jetzt investiere in die Marke? Das kann kein Mensch dir sagen. so, doch, das will ich aber von dir wissen. Patrick: Das finde ich so schön, weil aus irgendeinem Grund gucke ich gerade Mad Men noch. die Werbung war ja früher genau das, Positionierung viel, viel mehr als eben nur ein ausführendes Drehunternehmen oder irgendwie einen Social-Media-Spot hochladen. Eigentlich ist es doch toll gewesen, dass du so ein ... Kunde warst. Endlich kann man dann eben was ist deine Value Proposition, dein Leistungsversprechen, für wen ist das, ist das messbar, Vertrieb, genau alle vier P's durchspielen. Godo: Ja, absolut. Ich bin auch ein ganz Treuer, habe also die 20 Jahre, 25 Jahre immer die gleichen Agenturen gehabt, weil ich gesagt habe, natürlich mache ich mal einen Pitch und natürlich will ich mal gucken, dass die Preise stimmen, man oft ist es ja so, dass Stammkunden über einen Tisch gezogen werden und für neue Kunden gibt man ganz viel Geld aus. Da habe ich schon drauf geachtet, dass es nicht so ist. Aber ich hab mit denen auch, mit allen Agenturen gesagt, wir sitzen alle zusammen ohne Egoismen. Also jede Agentur sitzt mit mir einmal im Monat mit allen Agenturen zusammen. Das hab ich Bautrupp genannt, das eben auch weiß, was die Medienagentur, was die Werbagentur macht, was die Social Media Agentur macht. Und einen Punkt hab ich allen Agenturen gesagt, es wird hier kein Fachbegriff Dschungel und Bullshit und Bingo gemacht. sondern wir reden hier ganz normal auf Deutsch, als ob der Metzger, unser Vertriebsleiter und Produktionsleiter, die waren auch mit dabei, die haben nicht groß studiert, die sollen es auch begreifen. Und hört auf mit euren KPIs und Bumsti und was da alles zugehört, sondern redet ganz normal, wie wollen wir diese Marke profitabel zum Wachstum be- Patrick: Jetzt war es interessant, der Konversation mit dir vorher hast du einen einzigen Fachbegriff verwendet. Value Proposition. Godo: Das wüsste ich nicht, dass ich das mal gesagt habe. Patrick: Irgendwie Marketing, irgendwo hatte ich das im Kopf oder bin ich natürlich Deformation professionell? Aber da geht es ja genauer ⁓ diese Frage, für was stehe ich eigentlich beim Kunden? Wie findet man das überhaupt? Und wie hält man das 25 Jahre konstant bzw. entwickelt man weiter? Godo: Wahrscheinlich. Ich finde, deswegen Value Proposition habe ich mit Sicherheit nie gesagt, weil ich diese ganzen englischen Fachbegriffe immer rausgenommen habe und gesagt habe, nee, Lebensmittel ist keine Raketenforschung. Das versteht man, wenn man da Leidenschaft für hat. Und das habe ich. Also ich bin jeden Tag in irgendeinem Supermarkt und gucke mir die Produkte an. Ich gehe einkaufen für die Familie. Ich habe eine Leidenschaft für die Produkte. Ich esse unheimlich gerne. Und dann kann man das relativ schnell verstehen. Und dann Patrick: Okay, mehr Kulpe. Godo: bin ich bei den ganz uralten Lehrbüchern, die dann sagen, wie ist es auf dem Wochenmarkt? Neben mir ist einer, der macht jetzt die gleichen Kartoffeln einen Euro günstiger. Wie kriege ich es jetzt wieder hin, dass die zu mir kommen? Und darüber müssen wir reden und nicht über Consumer Journey und und und. Gehört alles dazu? versteckt euch nicht hinter den Fachbegriffen, sondern redet mit mir wie mit einem normalen Menschen. Und da haben wir uns Marketing manchmal bisschen verritten. Patrick: Aber wie, ich meine du hast eine Fleischerei mit dem Junior übernommen sozusagen oder der Junior war frisch da, du warst auch frisch da und jetzt kommt ihr und müsst das irgendwie, ich benutze mal den Begriff, positionieren als Marke. Und du sagst, das muss eben wirklich verständlich sein. Wie seid ihr da vorgegangen? Godo: Wir sind vorgegangen, in dem ich mir die ganzen Produkte angeguckt habe, die Gewinne der Produkte angeguckt habe und gesehen habe, dass wir bestimmt über die Hälfte Produkte machen, die gar keine Gewinne machen. Da wurde gesagt, ja, das muss man aber machen. Ich so, nee, finde ich sinnlos. Und dann haben wir wirklich richtig aufgeräumt. Dann haben wir geguckt, welches Produkt hat denn mal das Potential, dass wir wirklich größer werden. Da haben wir gesehen, ⁓ die Rühmwollertilwurst, ist schon überall in Deutschland schon vertreten. Dann lass uns da doch mal drauf aufbauen. Und zu der Zeit war es noch so, dass alle Menschen Fernsehen geguckt haben. Und dann haben wir uns wirklich einen ganz tollen Werber Otto Pankel geholt, der die ganzen Stork-Marken gemacht hat. Wer hat das echte? Stork-Riesen und Merci und Knoppers und was weiß ich. Und dieser Mann, war damals 65 Jahre und hat mir gesagt, Godo, wir kriegen das hin, wir kriegen diese Metzgerei groß, aber ihr müsst mir zu 100 % vertrauen. Also unter 5 Millionen Werbung braucht ihr nichts ausgeben. Also dann ist es weggeschmissenes Geld. Ihr müsst genau das machen. Was wir jetzt besprechen, also in dem Spot. Nicht auf die Werber hören, die da einen schönen Spot haben wollen, wo sie damit angeben können, sondern übertreibe mit dem Logo. Also wir haben eine Pappmühle gebaut, die echt pottenhässlich war. Wir haben einen Metzger oder einen Reiter in eine Metzgerei reiten lassen, der dann sagt, ich will alle Rügenwalde haben, man sollte Hunger kriegen. Ich dachte, es wird auch nicht bei uns in den Spots gegessen, es wird gefressen. Die Leute, denen soll das... Der Sabber aus den Mundlaufen, so müssen die Hunger kriegen, wir die Spots machen. Also der hatte eine ganz andere Sprache als diese ganzen Werber, die ich vorher kennengelernt hatte. Die gesagt haben, so, muss immer Logo, muss unten klein sein, weil der Spot muss für sich wirken. Und der sagte dann immer, nee, Godo, ihr bezahlt jede einzelne Sekunde. Und da würde ich doch immer darauf bestehen, dass in jeder Sekunde dein Produkt zu sehen ist und das Logo zu sehen ist. Und das Wort zum Beispiel Rügenwalder Mühle in dem Spot siebenmal gesagt wird. Natürlich jeder Krei hat Patrick: Das ist wirklich interessant, weil man dieses Wort ist einfach so tief verankert, zumindest wenn man in Deutschland aufgewachsen ist. Und das Spannende ist ja, ihr hattet ja damals, ihr habt die Anzahl der Produkte reduziert, du hast zwar gesagt, wir sollten das Produkt in den Mittelpunkt stellen, aber ihr habt natürlich die Marke positioniert als was? Godo: Wir haben gar nicht groß über Positionierung nachgedacht. haben geguckt, wie kriegen wir jedes Jahr mehr Umsatz hin und mehr Gewinn? Und wie kriegen wir es hin, dass wir aus diesen Produkten, die wir haben, eine nationale Marke hinbekommen? Das war relativ einfach. Indem wir gesagt haben, wir wollen immer nur schlechtes Wasser ausschütten, wir Gutes haben. Das heißt, das Umsatzwachstum der Teewurst musste bei 1.000 t sein. Dann konnten wir wieder 1.000 t schlechte Produkte rausschmeißen. Wir wollten das Unternehmen nicht gegen die Wand fahren, keine Menschen entlassen. Wir wollten das so umbauen, dass die profitablen Produkte mehr verkauft werden, die unprofitablen raus. Das hat dann zehn Jahre gedauert, bis wir alle Filialen verkauft haben und 399 Artikel von 400 gestrichen haben und die T-Wurst aufgebaut haben. Dann haben wir aber gesagt, wir können ja nicht nur auf einem Standbein stehen. Dann kamen wir darauf, was wie eine Entwicklungsabteilung aufzubauen, weil ich gesagt habe, wir brauchen auch neue Produkte. Patrick: Jetzt lass uns das vorher, ich finde es interessant, die radikale Reduktion des Angebots auf einen Bestseller mit allen Sachen, die du erwähnt hast, vom Risiko. Ich erinnere mich, es gibt zwei Arten, es gab die feine und die grobe. War das schon immer so oder war die grobe sozusagen schon die Line Extension dort? Godo: und die Grobe. Das war ein großer Streitpunkt mit dem Otto Panke, weil der gesagt hat, man fängt bei einer Marke, wenn man eine Marke kreiert, immer mit einer Sache an. Coca Cola ist nicht gestartet, indem sie eine Coke und eine Coke Light gebracht haben oder eine Cola und eine Fanta gebracht haben. Und wir haben aber gesagt, ja, aber grob und fein, das sind wirklich komplett andere Menschen, die das kaufen. Wir wollen beide haben. Patrick: Hüüüü Godo: Und da haben wir gekämpft mit ihm und er sagte, okay, aber Rügenwalder Tefos dann mit grob und fein, damit können wir loslegen. Und das haben wir dann gemacht. diese Beschränkung, diesen Fokus, nicht gleich wieder sieben Line Extensions darunter zu bringen und zu sagen, da gibt es noch eine mit Pfeffer und eine mit Käserand und eine mit Bübübüb. Das hat er das kann irgendwann gemacht werden. Aber lass mal die ersten fünf bis zehn Jahre die Marke wachsen in den Köpfen der Verbraucher. Patrick: Ich finde das entspricht auch Jörgs in meiner Meinung. hatten über Riveller letztens wieder diskutiert, die wieder Gelb und Grün und so weiter rausbringen. Und am Ende es, müssen sie in den Schweizer Köpfen für Rot und Blau überhaupt mal wieder drin sein. Aber wie habt ihr dem widerstanden? Das ist ja so eine typische Reaktion. neue Marketing-Chef kommt rein und macht, boah, ich mach noch mehr Produkte und so weiter. Und ihr seid ja eigentlich ... spießig konstant geblieben. Wie macht man das? Wie hält man sich zurück? Godo: Erstmal, der erste Schritt war ein ganz großer, mutiger Schritt. Wir haben 40 Millionen Umsatz gemacht insgesamt, also ein ganz kleiner Laden. Und dann mussten wir ja 5 Millionen Euro in die Werbung bringen. Pro Jahr. Und das dauerhaft. Nicht ein Jahr, sondern wir haben dann auch gesagt, und das war dann irgendwann gesetzt, dass wir immer 10 Prozent vom Umsatz in die Werbung geben. Weil wir dann gleich in ersten Jahren, das war das Wundervolle, gemerkt haben, wie sich die Umsätze verdoppelt verdreifacht haben. Also diese Otto Panker hatte wirklich Ahnung, der hat gesehen, okay, die Teewurst liegt jetzt in so und so vielen Läden drin. Wenn ich da Werbung drauf schalte, müsste das relativ schnell verdoppeln, verdreifachen, weil die Distribution war gegeben, die Wurst war lecker, die mochten die Menschen. Und dann haben wir es wirklich gleich im ersten Jahr hingekriegt, dass wir die fünf Millionen, die wir ausgegeben haben, auch wieder verdient haben. Also sonst, der alte Senior, der hat gesagt, ihr seid wohl bekloppt, ganzen Gewinn wollt ihr da jetzt Fernsehwerbung reinballern, wenn das nichts wird, dann habe ich in diesem Jahr mit Zitronen gehandelt. Und diesen Mut mussten wir einmal haben, haben wir aber, Familienunternehmen sind ja so, die sagen, okay, das machen wir jetzt mal. Und dann ging es eigentlich so voran, dass wir gesagt haben, jetzt haben wir konsequente Regeln. Zehn Prozent vom Umsatz, egal wie hoch der ist, geht immer in die Werbung. Zum Beispiel war es dann auch, als ich ausgeschieden bin, vor fünf Jahren waren wir bei 222, 220, 240 Millionen Umsatz. Das hieß aber auch 22, 24 Millionen gehen jedes Jahr in die Werbung. Und nur in die Werbung, die die ganzen Agenturkosten und so weiter und noch alles obendrauf. Und da auch widerstanden zu haben, dem Controller, der sagt, du, ich könnte ja noch mehr Gewinne machen und ob du dir 22 oder 18 Millionen ausgibst, merkt sowieso kein Mensch. Die vier Millionen. Und da immer zu sagen, du hältst dich zurück. Also in dem Unternehmen Rügenwalder war ganz klar, das Marketing hat absolut die Strategie und hat das Sagen. Und alle anderen Abteilungen sind nur gehilfen, weil das Controlling ist nur dazu da, das Geld, was wir reinkriegen, zu verteilen, sagen, wie gehen wir damit ⁓ Hat aber nicht die Vorgabe zu machen, wie das Unternehmen geführt wird. Wäre ja auch komplett bekloppt, wenn ein Controller erzählen will, wie ein Wurstunternehmen geleitet wird. Ganz viele. Patrick: Ja, ich kann dich beruhigen, da gibt es sehr große deutsche Automobilhersteller, die irgendwie fünf Euro an einem Chip gespart haben und dadurch können sie jetzt die nächsten Jahre kein Software Update over the air machen. das ist ja ganz normal, dass Großunternehmen irgendwann in die Optimierungsfaller hineinlaufen und das scheint er ja nicht gemacht zu haben, sondern das ist ja genau dieser Punkt. Godo: Absolut. Patrick: Man kann natürlich überall noch 3-5 % rausnehmen, aber ich sag's auch immer, am Ende geht's nicht über die Kosten gewinnst du, sondern über den Umsatz. Also wer keinen Umsatz mehr macht in der Zukunft, der muss nicht über Kosten mehr reden. Godo: Ja, und dann ist dieses Blödsinnige, was dann auch immer wieder passiert, dann kommt ein neuer CEO, nach mir ist auch ein neuer CEO gekommen und der will dann irgendwie den Leuten zeigen, dass er über Wasser gehen kann. Und was macht der dann? Geht er dann doch an die Mediatas ran, damit dann der Gewinn kurzfristig mal steigt. Und was ist passiert? Der Rügenwalder Mühle gibt jetzt, weiß ich, fünf Millionen noch für Werbung aus. Und das ganze Thema ist auch ein bisschen ins Stocken geraten. Das ist so eine Nummer. Klar, wenn ich nur drei Jahre in einen Laden reingehen will, dann will ich in den drei Jahren schnell erfolgreich sein. Und was mache ich dann? Dann gehe ich auf die ganz billigen Nummern, fahre im Mediaetat runter, versuche mal eine Preiserhöhung durchzukriegen, lege mich mit den Kunden an. Und das ist, ich, dann manchmal dieses, was ganz viele, was du auch gerade gesagt hast, ganz viele dieser Firmen sind ja vom Kontrolling geleitet, von CEOs, die kurzfristig da sind. Und da geht dann manchmal was schief. Und das habe ich gleich am Anfang gesagt, eigentlich ist Lebensmittelverkaufen keine Raketentechnik. Patrick: Ja und trotzdem, du bist in einem Bereich, wo du extrem verhandlungsstarke Kunden hast. Ich meine, die Einkaufsverteilung von den Kunden, die dir gegenüber saßen, die sind ja mörderisch. Wie hast du das überlebt? Oder wie habt ihr das überlebt? Weil das ist ja immer der Grund, warum ich immer Kosten runterhaue. Weil der Lebensmittelhandel ist eben auch brutal. Godo: Das ist auch wieder so eine Nummer, das hat mit Vertrauen zu tun und mit der starken Marke. zum einen starke Marke. Wir haben in Deutschland nur vier Kunden, Rewe, Edeka, Lidl, Aldi. Und wer die nicht beliefert, der hat keine Chance. Und natürlich sind 90 Prozent der Lieferanten, die tanzen auf dem Tisch, wenn der Edekaner, der Rewe-Chef oder der Lidl-Chef sagt, tanz auf dem Tisch. Weil die sagen, sonst gehen wir 25 Prozent meiner Umsätze verloren. Und da macht jeder immer alles mit. Wenn du eine starke Marke hast, du eine gute Chance, dass die sagen, okay, ich brauch dich ja. Jetzt geht es nicht immer darum, dass sie dich rausschmeißen will, sondern ich will dich trotzdem ein bisschen quälen. Das kriegt man mit einer starken Marke ganz gut hin, dass man da nicht alles mitmachen muss. Und das zweite, genauso wichtig, Vertrauen. Also unser Vertriebsleiter, der auch in der Geschäftsleitung mitgesessen ist, der mit einer Geschäftsleitung war, der hatte ein unglaubliches Vertrauensverhältnis zu den ganzen Kunden, weil er auch 25 Jahre dabei war. Also wir haben ganz wenig Flukulation gehabt. Die wussten ganz genau, was für ein Mann das ist, der da auf der anderen Seite sitzt. Und der hat dann auch manchmal, wenn er wusste, Gegenüber, der braucht jetzt das und das für den und den Topf. Jeder Einkäufer hat ja irgendwie so ein Töpfchen, wo er nochmal wieder bisschen was reinpacken muss. Da hat er dann auch nicht gekämpft. Da er gesagt, okay, das kriegst du jetzt in diesem Jahr, dann musst du mich aber im nächsten Jahr auch mal bei dem, dem Ding durchlassen. Also das war so ein Geben und Nehmen, eine super Vertrauensarbeit. Und dann kann man auch mit den Jungs zusammenarbeiten. Patrick: Frage an dich, Godo. Rügenwalder Mühle, wo seid ihr? Weil in Rügenwalz, seid ihr auf Rügen? Wo sitzt die Firma überhaupt? Godo: Die Rügenwalder Mühle ist in Pommern gegründet, 1834. Und Pommern ist ja nicht mehr deutsch. Nach dem Krieg haben dann die Familie Pommern verlassen und ist dann ein Bad zwischenan. Das ist hier oben im Norden Deutschlands, fast in der Nordsee zu Hause. Aber es kommt aus Rügenwalde und lustigerweise haben wir sogar zwei TV-Spots mal in Rügenwalde gedreht oder in der Umgebung drumherum. Polen jetzt heißt Dalowo der Ort jetzt. Und da kommen wir her. Oder da kommt die Rügenwalde Mühle Patrick: Ich wollte mich absichern, weil wollte jetzt gerade sagen, jetzt seid ihr ja sehr erfolgreich unterwegs gewesen und dann habt ihr eine Wende eingelegt. Wie kam das? Ich meine, wir reden hier über eine Fleischereifamilie, die jetzt sehr erfolgreich zwei Godo: 2010 genau das ist Patrick: ikonische Wurstsorten in Deutschland eingeführt hat, in einem Land, was sehr lokal ist und meine sind besser als deine und dann kommen natürlich die Industriewurst, die, die, die, hatten ja genug Skandale mit Tönnissen und so weiter. Wie kommt man dann auf die Idee, eine Wende einzulegen und einfach zu sagen, hollo, ich fahre in die andere Richtung? Ja, ihr seid ja erfolgreich, ihr hättet ja weiter segeln können. Godo: Ja, ich unterhalte mich ja auch ganz viel mit anderen Marketingkollegen oder Geschäftsführern und ich merke immer wieder, dass so viele gefangen sind im Tagesgeschäft. Da kommt eine Sitzung nach der anderen, da kommen die Zahlen, da kommt der Druck und was man vollkommen vergisst, ist die Metaebene, die Strategie, der gesellschaftliche Wandel, also dass man auf das Unternehmen guckt aus einer ganz anderen Ebene und da habe ich mir immer Freiräume. geholt, dass ich gesagt habe, ich will mindestens die Hälfte des Tages morgens, wenn ich zur Arbeit komme, nicht wissen, was ich tue. Also dass ich ja ein paar Sitzungen habe, aber mich freischwimme, das delegiere alles und die Hälfte des Tages hatte ich Zeit, ⁓ mich mit allen Dingen zu beschäftigen. Sei es, ich habe wahnsinnig viel gelesen, also Fachzeitschriften, Newsletter, Bücher. Ich hab damals gab's ja auch die ganzen Freie Einweisungen Brigitte, Fokus, Spiegel, auch Tina, Bella, Laura und so weiter. Die hab ich mir auf den Tisch gelegt und hab die immer schnell durchgeblättert, weil man sehen konnte, was passiert gerade in der Gesellschaft. Wird's vegetarischer, wird's fleischiger, wird's... Wie entwickelt sich die Ernährung? Wenn man da dann die Rezepte anguckt. Oder ich hab Bücher gelesen über die Bevölkerungsexplosion. Hab gemerkt, wir werden... so viele Tiere, die wir jetzt schon töten, wir töten über 80 Milliarden Tiere jedes Jahr und wir brauchen bis 2050 noch mal doppelt so viele, dann kommt der Planet an seine Grenzen. Das sind alles so Dinge, ich rede dann mit meinen Kindern, ich spreche beim Stammtisch, ich besuche Stadien und gucke mir die Wurstschlange an und gucke, was da passiert, wie reden die über die Wurst. Also von den ganz großen Themen bis zu den ganz kleinen Themen und da draus habe ich dann gesehen, 2010, dass wir in einem Markt unterwegs sind, der riesige Probleme bekommen wird, die nächsten. Patrick: Jetzt muss ich kurz bevor wir da weitergehen, ich wird das extrem gut, dass du als CEO so tief eigentlich selber in die Kundenforschung gegangen bist. Und ich habe bewusst nicht Marktforschung gesagt, weil Marktforschung ist ein abstrakter Bericht und Kunden ist sich mit allen Widersprüchen, die du da unten erlebst, auseinandersetzen. Ist das normal für deine Position gewesen, dass du deine Nase in die Wurstschlange oder hineinsteckst? Machen das auch andere? Also ich mache das, ja. Das ist mein Lebens... Also ich liebe das, ähnlich wie du, in Supermärkte gehen, wie kaufen die Leute. Da kannst du so viel lernen in Japan, wie die ihre Supermärkte dreimal am Tag umbauen, weil sie eben ganz andere Aufgaben für den Kunden über die Zeit erfüllen. Also das ist ja Neugier, die man haben muss. Godo: Mh-mh. Ich glaube, da sprichst du was an. ist Neugier und es ist genau der Punkt, dass du beides haben musst. Dass du strategisch verstehst, was in der Gesellschaft passiert und das aber auch runterbrichst auf deine Wurst, auf dein Produkt, auf deinen Käse, dein Produkt, dass du da guckst und dann musst du natürlich tief rein. Also zum Beispiel gibt es in jedem Supermarkt so eine Ecke, wo die abgelaufenen Waren drin sind, wo da steht noch zwei Tage haltbar und dann ist es irgendwie alles für einen halben Preis. Wenn du da dann in Ruhe mal reinguckst, dann siehst du da manchmal ganz neue Produkte, im Markt aber irgendwie nicht angekommen sind. Und die nehme ich mir gerne mit nach Hause und guck mal, weil da haben sich ja viele Werbeagenturen, viele Marketingleute mit beschäftigt und haben gesagt, das führen wir ein und das muss ein Erfolg werden. Und wenn du dir das dann hinlegst und sagst, was ist da wohl schiefgegangen? Warum haben die das nicht hingekriegt? Da haben die ja auch wahrscheinlich Millionen für ausgegeben. Und dass man so tief in die Dinge mal reingeht und das in Frage stellt und dann kann man relativ schnell auch erkennen, was da mal schiefgegangen ist. ich glaube, wer so eine Leidenschaft für sein Produkt hat, der kann erfolgreich sein. Und das sage ich auch zu jedem Marketingleiter, Geschäftsführer, Lebensmittelgeschäftsführer. Ich kenne so viele, die probieren ihre Produkte gar nicht. so, ja, ich so, das gibt es doch nicht. wisst doch, jeden Tag bin ich auch durch die Produktion gelaufen, habe die aktuellen Produkte probiert, habe dran gerochen, habe gesehen, haben wir da öfter mal Luftzieher, die Maschine muss neu eingestellt werden. Patrick: Oder machen die Verpackungen nicht mal auf? Godo: weil das sind alles Kleinigkeiten, die den Menschen, der nachher dein Produkt gekauft hat, enttäuschen oder begeistern. Und da musst du halt auch Bock drauf haben, so tief reinzugehen. Aber du kriegst auch Respekt von deinen Mitarbeitern, wenn du dich in der Produktion sehen lässt, wenn du weißt, warum die Produkte mal aufgehen, weil da mal wo die Probleme sind. Aber ja, ich glaube, das macht dann den Erfolgreichen aus, wobei ich das gar nicht für mich proklamieren will. Ich sag nur, geh in eine Branche, du Lust drauf hast. Wenn ich jetzt Versicherungen oder Banken verkaufen müsste oder mit denen zusammenarbeiten müsste, ich wäre, glaub ich, die größte Niete, weil das nichts ... Patrick: Nee, glaube, ganz ehrlich, glaube, wenn wir wieder Banking so verstehen würden, wie du die wurst, nämlich es geht ⁓ gutes Essen, nämlich, und das ist ja genau das Problem, das Produkt, was wir heute sehen im Banking, ist ja die Folge von dieser Optimierung, anstatt zu fragen, was braucht der Godo eigentlich, damit er, wenn er vielleicht aus seiner Passion etwas, ja, net sich dann irgendwann auch Ruhestand geht, was auch immer bei dir der aussehen wird, dann möchtest du ja eigentlich wissen, Godo: Vielen Dank. Patrick: Ja, wo stehe ich eigentlich heute? Was kann ich mehr leisten? Wo kann ich pro bono arbeiten? Das sind ja fundamental wichtige Fragen. Problem ist, du traust es heute den Banken nicht zu, das zu beantworten. Also ich glaube ja genau, diese Kernidee ist ja fast in jeder Branche hochspannend. Die Lösung, die wir haben, ist ebenso absurd. Also ein Freund von mir, also ich bin Bankkaufmann und es war so spannend damals. Godo: Hmm. Patrick: wie ich ausgebildet wurde, wirklich verstehen, was will der Mensch, warum braucht er mich und was ist mein Beitrag für seine finanzielle Sicherheit oder was auch immer. Und wenn ich heute selber in Gesprächen vom Banker gebe, die interessiert überhaupt nicht mehr, wer ich bin. Und jetzt könnte ich, ich komme natürlich aus dem Datensektor und so weiter, könnte man wunderbar machen. Aber es fehlt einfach diese Passion für diese ursprüngliche Aufgabe, warum wir eigentlich mal Banking eingeführt haben. mach doch mal meinen Zahlungsverkehr einfach. All solche Sachen. ich bin ein Mensch, der ganz komische Dinge gemacht hat. bin Bankkaufmann und hab so viel über Menschen gelernt, nämlich beurteile sie nie, wie sie aussehen. Weil damals kamen die Leute mit Plastiktüten und Schnippelpapieren für 700.000 DM vorbei. Das ist in Köln Nippes. Also, du bitte ... Godo: Ich bin so was von bei dir. Patrick: Also ich habe vieles über Menschen gelernt und das gleiche und da möchte ich jetzt eigentlich wieder zu dir zurück. Der Mensch will ja gut essen. ist die Kernaufgabe. klar, braucht gute, also was heißt gut essen heißt nicht nur, dass es schmeckt, sondern natürlich auch, es ihn auch sättigt im positiven Sinne, also dass genügend Proteine drin sind und so weiter. Das wird ja etwas sein, was immer bleibt. Und jetzt ist ja genau die Frage. Wir haben immer im Kopf so eine Lösung. Godo: Hm? Patrick: Fleisch. Wenn du in den Süden von Deutschland gehst zum Herrn Söder, der kann sich ja gar nicht vorstellen, dass andere Länder wunderbar vielleicht noch viel größere Vielfalt in den Geschmäckern haben und Fleisch nur eine kleine Rolle dort spielt und trotzdem nicht mangelernährt sind. Und jetzt bist du sehr rational von oben runtergekommen und jetzt kommst du in ein Land, das so gut war, 2010 war das Land noch nicht so gespalten. Godo: Ja. Patrick: Und jetzt habt ihr das höchst emotionalste Produkt, deutsche Wurst, umgekrempelt. Erzähl mal, was ihr gemacht habt, weil nicht viele oder eben wie gesagt die meisten sind bei uns Schweizer Zuhörer. Was habt ihr da wirklich in dieser bekanntesten deutschen Wurstmarke gemacht? Godo: Was ist das, was Sie Ihrem Verkauf sagen? Und die gibt's auch noch, wenn wir schon wieder von den Würmern zerfressen sind. Und jetzt geht's darum, wie kann sie die nächsten 30 bis 50 Jahre überleben? Und da hab ich 2010 gemerkt, so wie jetzt mit nur tierischen Produkten auf keinen Fall. Das wird jetzt die nächsten zehn Jahre vielleicht noch gehen, vielleicht auch jetzt noch die nächsten zehn Jahre, aber in 40, 50 Jahren ist es vorbei mit dem ganzen Thema. Weil, a, Gesundheit der Verbraucher. Gesundheit der Verbraucher, weg ist er. Jeder hört von seinem Arzt oder auch ältere Personen wie ich hören von ihrem Arzt hohe Cholestrienwerte, esst weniger Fleisch und Furs, die DGE, die WHO. Jeder sagt, bitte damit auf. Und das ist hart, wenn so viele Menschen zu deinem Sortiment sagen, das ist nicht gut, was du da isst. Dann 80 Milliarden Tiere, die wir töten. Ich war in so vielen Schlachthäusern, in so vielen Bauernhöfen. Bauernhof hört sich so schön an, aber wenn da 3000, 5000 Schweine rumlaufen und sich gegenseitig die Schwänze abbeißen, nie in ihrem Leben das Tageslicht sehen, dann ist es auch eine ethische Verwerfung, die wir da gehabt haben, umgesetzt haben, durch die Bevölkerungsexplosionen der letzten Jahre, Jahrzehnte. Wir waren... Patrick: Das hört sich jetzt unheimlich moralisch an, aber wir wissen seit Brecht, erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral. Du musst es ja verkauft bekommen. Also ich meine, wir reden über den Klimawandel jetzt auch seit gefühlt 30 Jahren, wissen wir, dass wir was machen könnten, aber das können wir ja auch morgen machen. Und jetzt sagst du, wir haben eine innere Verantwortung, aber du musst ja deine Kundeninnen Kunden mitnehmen. Wie hast du das denn geschafft? Godo: Ja, es ist immer dieses Thema, du musst es rational begreifen und dann emotional kommunizieren. Also man kann sich ja auch, also das, was ich jetzt gerade ausgesprochen habe, mag man ja heute gar nicht mehr hören. Nachhaltigkeit, Klima, Gesundheit und so weiter. Aber es ist ja trotzdem da und es geht in Wellen. Also es geht ja nie 40 Jahre lang so bergauf oder so, sondern es geht in Wellen. Und da kann man das machen. Entweder geht man aktiv ran. Patrick: Ja, gut auch. Godo: Nimmt das wahr und sagt, ist die Lösung, also vegetarische Wurst, da kommen wir ja gleich zu. Oder man macht das wie die deutsche Automobilindustrie, man gräbt sich ein und sagt, ich will aber, dass alles so bleibt, wie es ist. ist scheißegal, wie die Nachhaltigkeit, wie das Klima und so weiter ist. Ich bescheiße beim Diesel, dann kommt so ein Dieselskandal. Patrick: Endlich mal einer, da erinnert, Vertrauen in deutsche Software jetzt nicht so hoch ist. 2015. Godo: Ja, absolut. Das ist aber die Nummer, wenn du einfach deine Sache verteidigen willst, obwohl du rational siehst, dass du ein Problem hast. Also a, bescheißen, dann hast du ein Riesenproblem, dass die Leute dir nicht mehr vertrauen. Oder du gehst daran und verpenst einfach Technologien, weil du nicht dran glaubst. Weil du sagst, nein, ich glaube nicht, dass die Elektromobilität kommt. Das waren doch vor sechs, sieben Jahren unsere großen Autobosse, die das gesagt haben, weil sie natürlich auch Verbrenner gebaut haben und die haben natürlich viel in der Geld verdient. mit den Verbrennern als mit Elektromobilität. Und dann verpennt du das und jetzt merkst du auf einmal, dass ein anderes Land oder andere Länder aufgeholt haben und dass wir ganz sicher in 20 Jahren nicht mehr die Autonation Nummer 1 sind. Und das hast du verpennt. Und das haben wir eben bei Rühmwörder nicht verpennt, weil wir diese rationalen Dinge gesehen haben und ganz frühzeitig emotional umgesetzt haben. Guck mal, hier gibt es diese T-Wurst jetzt auch aus Pflanzen. Patrick: Wie schafft man diese Emotionalität? Ich bin ja ganz bei dir. werde gleich noch eine Geschichte von einer Studierenden erzählen, die alle Fleischesser waren. Und wie habe ich es geschafft, dass sie am liebsten in Zürich in ein vegetarisches Restaurant gehen? Aber erstmal, wie schafft man diese Emotionalität? Godo: Ja, das war vor 2014, das ist ja auch zehn Jahre her. Es gibt ja für all diese Dinge altruistische Gründe und egoistische Gründe. Altruismus, ist Thema Nachhaltigkeit, Tierwohl, Klimawandel und so weiter. Das war vor zehn Jahren noch ein Riesenthema. Also danach kam Fridays for Future und das war in der Gesellschaft wirklich was, wo man sagte, ja, ich will jetzt auch irgendwie was, Alternative zu dem Fleisch haben. Und da hab ich mich mit den Grünen immer gestritten, weil die immer verzichten wollen und verbieten wollen. Und da hab ich gesagt, nein, die Industrie ist nicht dazu da zu verzichten, sondern wir müssen bessere Produkte machen. Und wenn die Menschen 2014 war so ein Problem haben mit Fleisch und Wurst aus Tier, dann biete ihnen das Gleiche aber aus Pflanze an. Dann kannst du morgens dein Motardella Brot essen, dein Salami Brot, du kannst mittags ein Schnitzel essen und du kannst abends noch grillen. Und das tut deiner Gesundheit gut, das tut den Tieren gut und ist auch gut fürs Klima. Und das war 2000... Patrick: Und es schmeckt. Und es schmeckt. Godo: Absolut, das war immer ganz, ganz wichtig. Das war der Punkt 2014 bis 2022, 2021 konnte man über diese Punkte kommen. Und das ging durch die Decke und die Leute haben gesagt, wie wunderbar, dass es da ein Unternehmen gibt, was sehr traditionell ist, was sehr traditionelle Wurstwaren macht und was aber trotzdem dieses Problem adressiert und mir eine Lösung anbietet. Aber es verteufelt mich nicht als Wurstesser, weil es bietet ja auch noch Wurst an. Also es sagt mir nicht... Ich bin Veganer und ich bin der Schlaue und du bist der Dumme. Sondern es sagt, guck mal, ich hab dich jetzt dein Leben lang begleitet mit schöner Wurst und jetzt gibt's auch noch pflanzliche Wurst, weil vielleicht deine Tochter gerne mal was pflanzliches essen möchte oder du das auch mal probieren möchtest. Aber ich bin nicht der Moralapostel, der dir sagt, du darfst aber meine Teewurst nicht mehr essen. Und das, glaube ich, war der Punkt. Patrick: Ich finde das so passend, weil ich unterrichte noch in St. Gallen nachhaltige Start-ups oder nachhaltige Geschäftsmodelle seit 2010, glaube ich. wirklich eine Gruppe hatte mal vorgeschlagen, aber das waren nicht meine Studierenden, das klimagerechte Menü. Ich so, wie uncool ist denn das? Godo: Hört sich richtig lecker an, Patrick: Also das hört sich so richtig. Und dann war der nächste Fehler. Sie haben es, es musste immer das Budget, also das Billigmenü war das. Und dann haben meine Studenten mal die Mensa für drei Wochen übernommen und haben als erstes das Wort vegetarisch gestrichen von dem vegetarischen Essen. Und nur noch beschrieben, dass es jetzt eben ein wunderbares indisches Curry war. Und natürlich stand irgendwo klein, dass es vegan oder vegetarisch war. Sie haben dann mit einem Restaurant, das du vielleicht auch kennst, das Hiltl, von den Köchen, sie die Rezepte verbessert und auch wie es präsentiert wurde. haben Nudging gemacht, dass erst dieses Rezept kam und danach die Fleischküche. Und der Rekordhalter war ein Tag, da hatten wir 80 Prozent vegetarisches Essen. Das war jetzt ein bisschen unfair. Ein junger, schicker, Voralberger Koch hat Kaiserschmaden gemacht. Godo: Hm? Ja. Ja, Punkt. Da hat man es. Digitalisch. Patrick: Jetzt sind natürlich die Eier drin, aber eben das ist genau auch meine Message meine meine Message gewesen hört einfach auf mit der Moralismus schmecken und Einer der schönsten Erkenntnisse war Söhne von Metzgern sind eben nach ins Tibbits glaube ich gegangen in Zürich und sie kamen zurück da müssen wir unbedingt wieder hin ich so war ich ja seit wirklich Fleisch Tiger also wie kann das sein aber da lernt man so interessante Frauen kennen Wenn das wenn das der Grund ist weit zu gehen als junger Godo: Ja, und so funktionieren wir auch. Patrick: männlicher Student und der kann sich benehmen und erfindet die entsprechend spannenden Frauen in diesem Restaurant, die vegan sind. Ja wunderbar. Also eben, hört auf mit der Moral, sondern was können wir lösen für die Kunden, was sie immer schon als Bedürfnis hatten mit neuen Lösungen? Godo: Ja, ich finde, ist auch der Erfolg von den Elektroautos gewesen, dass man sich da reinsetzt und der hat eine Beschleunigung, wo du denkst, dir fliegt der Helm weg. Und dann das digitale Aussehen von den ersten Teslas, was jetzt auch in Mercedes und so weiter umsetzen. Da sagst du, das ist ein tolles Auto und du kommst jetzt und das Klima gibst alles Beifang. Patrick: Ja, aber neben dieser, eben weg von der moralischen auf diese emotionale Ebene, jetzt muss es natürlich auch technische Innovationen geben. Du hast ja geschrieben, du bist auch im Forschung und Entwicklung tätig. Weil so eine vegane Wurst braucht ja auch Innovation, weil früher hatten wir klassisch Tofu und andere natürliche Proteinformen. Aber so eine Wurst hat ja doch eine gewisse, vegane Wurst hat ja doch eine gewisse Verarbeitungsstufen dazwischen. Gab es da irgendwelche eher Durchbrüche in der Technologie? Godo: Ja, das ist wie bei neuen Produkten immer, ob Elektromobilität, erneuerbare Energien oder auch pflanzliche Produkte. Es fängt erst immer mit Krücken an. Also mein Entwickler hat zu mir gesagt, Guro, erst mal eine pflanzliche Wurst ist schon eine Herausforderung, aber da gehe ich mal ran. Entwickler sind ja neugierige Menschen und die mit ihren zwölf, das waren sechs Männer, sechs Frauen, die haben dann auf einmal relativ schnell eine pflanzliche Motardelle und eine pflanzliche Frikadelle hingekriegt, die wirklich kaum zu unterscheiden waren. Und dann sagte er aber zu mir, Guto, ein Ton musst du sterben, ohne Zusatzstoffe oder soll sie schmecken? Und dann haben wir natürlich in der Anfangsphase, kriegstest du diese vegane Wurst nicht ohne Zusatzstoffe hin und haben wir eben entschieden, ne, erst mal musst du über den Geschmack kommen. Wenn du eine schlechte Wurst machst, kauft die kein Mensch. Und dann über die letzten zehn Jahre haben wir es hinbekommen, dass nicht nur bei Rügenwalder, sondern bei vielen anderen Produkten die Zusatzstoffe so langsam wieder rauskommen. Oder du kriegst in der Anfangsphase nur Produkte hin, weil wir dann die normalen Kutter genommen haben. Also Kutter sind so große Behälter, wo was geschnitten wird, gekuttet wird. Deswegen Kutter. Patrick: Das ist so schön, wenn ein Norddeutscher aus Katta Guder macht. Ja, aber ich versteh's. Guder. Godo: So werden die auch verkauft als Kutter. Und diese Kutter, die haben einfach nur klein gemacht und vermischt. Und das haben wir dann im Vegetarischen genauso genutzt, weil wir natürlich Effizienz arbeiten wollten und keine neuen Maschinen bauen wollten dafür. Und kriegten dann natürlich nur weiche Produkte hin, also eine Motardella, Würstchen, Frikadellen, Schnitzel. Wir haben es aber nicht hingekriegt, Kochschinken, Rohschinken, Steak, diese ganz feste Struktur. Da bin ich beispielsweise bei einem Start-up jetzt seit sechs Jahren in Berlin, fünf Jahren, die heißen Project Eden. Die kommen von Zalando und kommen aus der Webstuhl-Technologie. Und da hat einer Doktor, der bei Zalando für die Klamotten zuständig war, gesagt, eigentlich müsste mit dieser Webstuhl-Technologie es auch möglich sein, Proteine festzubekommen. Also die machen ganz dünne Binnenfäden, kippen oben Proteine rein, ganz dünne Binnenfäden, Druck drauf und auf einmal kannst du... von einem Lachs bis zu einem Bündner Fleisch wirklich alles von der Festigkeit auch hinbekommen. Also, und das sind jetzt so die Technologiesprünge, die es beim Elektroauto gibt, die es bei veganer Wurst gibt. Also die Wurst wird jetzt von Jahr zu Jahr besser. Aber ja, am Anfang hat man da wirklich mit Krücken leben müssen. Da hat man noch so aus Südamerika da reingepackt, weil man sonst nichts bekommen hatte und hat natürlich dann sofort wieder mit den Umweltschützern ein Problem gehabt mit den NGOs. Die habe ich aber immer alle eingeladen. Als wir mit Veganer Wurst gekommen sind, ich sofort Greenpeace, PETA, Foodwatch und so weiter eingeladen, habe gesagt, so das wollen wir jetzt machen. Wir sind nicht perfekt, aber wir sind doch schon mal besser. Und das haben die alle sehr toleriert und haben gesagt, cool, dass du uns so ehrlich mitnimmst, weil das blödeste ist ja, dass die dich gleich sofort auseinandernehmen und sagen, ja, aber das ist aus Südamerika oder das Gen verändert. Patrick: Aber das ist ja eine wunderbare Fähigkeit, dass du das erreicht hast, weil Deutschland ist ja bekannt dafür, gute Start-ups immer gleich nieder zu machen. Gerade im Digitalbereich, dann irgendwie ein Pixel Richtung Amerika wandert. Und das ist ja eine dieser Kernfähigkeiten, sich selber klein zu machen. warum haben die es einfach deine Euphorie hat angesteckt? Weil ihr ein Familienunternehmen wart und keinem der das böse Wort ist ja mal Konzern. Wie kommt das? Und ihr hattet natürlich Feindbilder auf der Fleischseite. Die haben ja mit einer der beste PR Arbeit ja immer für euch geleistet. Die ganzen Skandale im deutschen Fleischverarbeitung, die hat ja wirklich beste Vorarbeit geleistet. Aber wie erreicht man das? Einfach weil du sagst, hey. Godo: Ja, wir haben ja immer... Patrick: Ich stehe dazu, das kann ich, das kann ich noch nicht und lass uns das besser machen. du musst ja auch eine Gegenpartei haben, die das will. Godo: Ja, ist so ähnlich wie der Vertriebsleiter mit den Händlern klargekommen ist, bin ich mit den NGOs auch klargekommen. Auch in der Fleischzeit haben wir natürlich viele Skandale gehabt. Auch Rügenwalder hatte mal einen Rückruf. Weil bei einer Rohwurst hast du öfter mal Salmonellen, die kriegst du bei Rohwurst auch nicht raus. Dann muss man die zurückrufen und da können die dich natürlich auseinandernehmen. Und dann habe ich die aber immer vorher und hinterher eingeladen, habe mit denen geredet und die haben dann irgendwann gemerkt, okay, das ist ein feiner Kerl. Also der lügt uns nicht an. Der ist offen und ehrlich, wenn er Fehler macht. Und der nimmt uns jetzt mit auf die Reise und erklärt uns. Als Erstes hatte ich sogar einen Spiegelreporter auch da, neben den NGOs, die ja auch super kritisch immer sind und so was sehr kritisch begleiten wollen. Genau. Und dann habe ich dem aber auch gesagt, jetzt guck doch mal, das ist doch ein Vorteil, dass wir das jetzt auch pflanzlich anbieten für diese ganzen Dinge, für... Und das hat er begriffen, sage ich, aber das Produkt ist nicht perfekt. Patrick: Das ist deren Job, ja. Godo: Nehmt uns gerne mit auf die Reise und sagt uns was Falsches. Die NGOs haben zum Beispiel gesagt, Südamerika geht nicht. Ich versteh ich, haben wir versucht nach Nordamerika die Rohstoffe da zu kaufen. Hab ich die NGOs wieder mit reingenommen und die haben gesagt, toll, dass du uns da mit rein nimmst, dass Vertrauen gibt, aber wir müssen schon wieder motzen. NGO, Nordamerika ist genverändertes Material, was du da kriegst. Genverändertes Soja. Allein die Schiffe, die das hin und her fahren, da ist... Ich ja, okay, versuchen wir aus Europa zu kriegen. Dann hab ich die wieder informiert, drei, sechs Monate später, als ich den Einkäufer hingekriegt hab. Sagte er, ja, krieg ich irgendwie aus Europa hin. Hab den gesagt, hier, Europa. Dann haben die gesagt, ja, wunderbar, aber so, ja, sowieso nicht so gut. Versuch doch mal andere Rohstoffe. Und da könnte man jetzt sauer werden. Aber ich hab die immer genutzt zum Thema, die machen mich doch besser. Und wenn ich das nicht mach, dann nehmen die mich sowieso und schreiben da drüber, was für ein Blödsinn wir da machen. Patrick: Wie hast du es geschafft, dass kein Glaubenskrieg ausgetaucht hat? Mir ist es zum Beispiel mal passiert, dass ich eigentlich ... Ich esse fast keine Wurst mehr, ich in der Schweiz lebe. Wenn ich nach Deutschland komme, greifst schnell in die Wursttheke. Und gerade bei mir ist es eben wirklich die Teewurst. Plötzlich, glaube ich, habe ich die vegane Wurst gehabt. Das löst ja auch Emotionen aus. Wie habt ihr das geschafft, dass keine Fronten entstanden sind? Sondern die Leute sagten, gut, dass beides passiert. Weil im Söder hat man das Gefühl, dem nimmt man was weg. Godo: Er wird ja richtig böse. Deswegen dieses einseitige, das haben wir immer vermieden. Beispielsweise beschäftige ich mich seit 15 Jahren mit diesem Thema und müsste rational, mit all den Gründen, die ich dafür habe, schon längst aufgehört haben, Fleisch und Wurst zu essen. Ich bin aber normaler Mensch und ich kann gut verdrängen. Und ich esse bis heute noch tierische Produkte, obwohl ich es rational nicht begründen kann. Und ich glaube, das sind dann so Dinge, die dann auch ein Kunde merkt und sagt, ja, guck mal. Das ist kein Moralapostel. Der ist selbst genauso schwach wie ich. Der geht dann auch gerne mal zum Griechen und isst dann großen Gyros Teller. Der isst auch weitermal einen Steak, weil seine Freunde am Grillen sind und der will dann nicht den... ähm... moralischen raushängen lassen. Ich glaub, das ist ein Punkt. Auch diese Glaubwürdigkeit. Dass man selbst sagt, komm, ich bin noch genau wie du. Ich versuch, so viel wie möglich pflanzlich zu essen, aber manchmal geht's halt nicht. Das ist ein Punkt, glaub ich, diese Ehrlichkeit. Und das Zweite... Das, was wir der Marke gemacht haben, ganz viele oder alle Werbungenturen haben gesagt, nein, Gotu, du musst eine Sondermarke machen, weil die Rügenwalder Mühle, die Fleischesser werden euch hassen, dass ihr vegane Produkte macht und die Veganer werden euch hassen, weil ihr ja immer noch in einer Massentierhaltung seid. Und ich so, nein, ich sehe das wie in meiner Familie. Mein Sohn isst gerne Fleisch, meine Tochter nicht, ich hab beide lieb. Ich würde doch jetzt keinem sagen, du bist der Blöde. Und dann beobachten die sich gegenseitig. Meine Tochter isst jetzt ab und an mal wieder Fleisch, mein Sohn wesentlich weniger Fleisch. Und dann merkst du, so sind wir Menschen. Und wenn man so damit umgeht, kommt man damit klar. Patrick: Ich finde das schön, weil ich bin auch Flexitarier, ohne das je erwähnt zu haben. Weil es ist so schön, dass die Migros mal sehr stark Rezepte rausgebracht die wirklich die Vielfalt der pflanzlichen Küche aufzeigt. Und bewusst nicht diesen Fehlerbegabit, den früher sehr stark auf dieser vegetarischen Schiene war, nämlich es hat ja nie satt gemacht, weil die Proteine fehlten. Sondern ... Also das war eben auch die erste Analyse, als man Studenten eine Dimensa in Anführungszeichen übernommen haben. Die haben eine Ernährungsberaterin geholt und der erste Sache war die Vegetarischen Gerichte. Die machen keinen Mann satt. Da fehlt einfach Proteine drin, Kollegen. Und das ist eben auffällig, wenn man dann versteht, dass es ja nicht Gemüse, gedünstetes Gemüse ist, sondern dass da ganz viele ... Proteine eben in Hülsenfrüchten und so weiter und so fort vorkommen können. Und wir hatten Koch das mal ausgedrückt. Fleisch kann ich glaube ich nur auf zwei oder drei Arten zubereiten. Gemüse kann er auf sieben oder acht Arten zubereiten. sagt er, es ist so viel mehr Geschmack dahinter. Dass er eigentlich als Koch sagt, also wer nur Fleisch isst, der weiß gar nicht was Geschmack ist. Und ich glaube dieser positive Ansatz Essen eben Godo: Ja. Patrick: nicht mehr als Kalorienaufnahme zu sehen und nicht als Glaubensbekenntnis, sondern wo entdecke ich ja neue Geschmäcker? Ich finde es ja immer noch interessant, Einwanderung ist ja so ein ganz heikles Thema in gewissen Bundesländern, aber alle gehen Döner-Gibap essen. Ja, also irgendwo ist das eine Schizophrenie. Also gutes Essen kann die Menschen zusammenhalten und Ideologie kann sie auseinanderreißen. Und deswegen fand ich das so schön, dass wir miteinander darüber sprechen. Godo: Ja. Patrick: Es gibt nicht entweder oder, sondern gibt feines Essen oder schlechtes Essen. Und natürlich, ich kann das auch, manchmal sind die Inhaltsstoffe einfach so, auf Schweizerdeutsch heißt es lustig machen. Also du stehst davor und du kannst das nutzen. Aber glaubst du, dass zum Beispiel diese vegane Seite jetzt mit Planted bei uns hier in der Schweiz das richtig macht, diese Emotionalität, oder könnte man das noch stärker machen? Godo: Ja, wir müssen ja den Menschen, und das ist glaube ich die Krux noch dabei, begründen, warum sollen sie es denn essen? Und dann muss man in dieses rationale Jerein, weil man nur daneben legen Dann kommen von ganz vielen Menschen, sagen, warum soll ich das denn tun? Ich mag doch die Salami. Patrick: Umgekehrt, kannst ja auch in anderen Restaurants kennenlernen, was diese Vielfalt überhaupt ist. Du kannst ja auch Leute ... Also, im Supermarkt stimme ich dir vollkommen ein. Wir sind Gewohnheitstiere. Und trotzdem, finde, einer der schönsten Marketingmaßnahmen, ich im Foodbereich gehört hab, war der Pretzelkönig. Sagt dir das was, der Pretzelkönig? Das ist so DJ, aber sehr viel früher, die backen frische Pretzel oder was auch immer frische Pretzel sind. Godo: Nee, wüsste ich jetzt nicht. Vielen Patrick: im Bahnhofsunterführung auf. Und weil er in der Schweiz jeder Zug nimmt, ist dort ja auch jeder. Also ein sehr hohes Kaufkraft. Und während eine Frittenbude natürlich sehr stark gezwungen wird, ein Luftfilter einzubauen, hat der Gründe von vornherein erkannt, ⁓ hat er den Kettenofen geliebt, weil er gemerkt hat, jetzt brauche ich kein Fachpersonal mehr, ⁓ zu backen. Und der Kettenofen hat natürlich eine wunderbare Eigenschaft. Godo: Und es duftet. Patrick: Die frischen Produkte fallen vor dem Kunden runter. Es schmeckt auf Schweizerdeutsch riechend phänomenal. Und ich behaupte, hat Ventilatoren, wo dieser Duft, der Gu, extra verteilt wird. Und das ist natürlich in einem Bahnhof ein wunderbares Mittel, die Leute an dich zu binden. Und das Gleiche siehst du ja auch in Supermärkten. Früher hast du Brot ... Meine Frau sagt immer, Brotkultur, Deutschland im Supermarkt, der Alptraum. Wie kann man Brot in Plastiktüten verpacken? Godo: Ja. Patrick: Er ist Schweizerin. Und Dann kam die nächste Welle, dass du Aufbackbrot, also diese rohe Teiglinge, hineinbringst. Und einer der wichtigsten Sachen ist, du öffnest den Ofen. Und plötzlich ist im ganzen Supermarkt dieser Duft. Und die Frage ist, wie kann man eigentlich ... Das ist die Schwierigkeit im Supermarkt, alles schön in dieser Plastikverpackung drin, wo ja außer der visuellen ... Godo: Rickschein. Patrick: Kommunikation ja gar nichts stattfindet, sondern dieser M-Effekt, das Schmecken, das Riechen, das Emotionale haben wollen. Das kriegt ja die Fleisch-, die Dönerbude oder der Grieche auch besser hin. Hast du da Ideen, wie man das noch besser vermarkten könnte? Wie man dieses Geschmack noch mehr in den Mittelpunkt stellt bei der vegetarischen Küche? Oder ... Godo: Also das geht von den Restaurants. Ich bin ja auch bei Lidl in der Beratung und da gucken wir uns dann Sterne-Restaurants an, was die jetzt mit Gemüse, mit Pflanzen machen. Einfach mal zu gucken, was ist da so, was passiert da im Mund. Patrick: Also, Koch, den ich erwähnte, ist mit 27 ausgeschieden aus der Dreistellküche. Und macht jetzt nur noch solche experimentellen Sachen. Weil er zeigt einfach, die Vielfalt. Genau, was du da suchst, das macht er jetzt. Godo: Ja. Ja, ja, und also von da geht's los. Es geht, es gibt ein wunderbares Fertiggericht, der Haus hier, Frosta wird dir was sagen, oder? Und der Sohn von dem Gründer Frosta, der hat jetzt Avery gegründet. Das sind Tiefkühlprodukte, die du, du merkst gar nicht, dass die rein pflanzlich sind, die sind aber so lecker. Da sind tolle Gewürze dabei, sind immer vier, fünf Gemüsesachen dabei. Ich ess die regelmäßig. Es ist ... Patrick: Mhm. Godo: super gesund alle Nährwerte die du brauchst sind da drin und nebenbei merkst du auf einmal das war ja rein pflanzlich und ich glaube da müssen wir immer mehr hinkommen Patrick: Also ich sehe das genauso. In Thüringen hat eine befreundete Familie von mir ein Fest gemacht. Und es sind sehr viele Verbindungskinder dabei. Und die saufen ab 11 Uhr. Und ich habe mir dann den Spaß erlaubt, schweizer alkoholfreies Bier, IPA mitzubringen. Und das kannten sie alle nicht. Die haben so gerne das Bier getrunken. Und irgendeiner so, vielleicht ist das gar keine schlechte Idee, nicht um 11 Uhr schon mit Alkohol anzufangen. und das war genau, also keiner hat es ausgespuckt, sondern erst nach der dritten Flasche merken sie, das hat ja keinen Effekt, obwohl die können ... Und das war so schön, weil es plötzlich genau auf diesen Punkt kam, das Bier schmeckt ja. Godo: Ja, und ich glaube, wird dann mit den Massenprodukten, wie zum Beispiel jetzt Wurst oder so, in Zukunft so sein, dass du in jedem Supermarkt immer dann eine Schweinesalami hast, eine Geflügelsalami und eine Pflanzensalami. Und dann guckst du einfach, welche dir am besten schmeckt. Oder welche am günstigsten ist. Oder welche für dich genau das richtige Angebot ist. Patrick: Ich würde sogar einen Schritt weiter gehen, gibt es noch einen anderen Bereich, der heißt einfach Geschmack aufs Brot. Das kann dann eben eine Olivenpaste sein, das kann eine... Ich bin zum Beispiel begeisterter Pesto-Kreatör. Das hat sich noch nie einer beschwert, dass es bei mir nur Pesto gibt. Das kann man mit Kräutern machen, mit Kürbis. Man kann jede Nuss schreddern, solange bisschen Parmesankäse und vielleicht Holi drin ist. du hast ... Es fragt kein Mensch, wo kommt das Fleischstück? Godo: Die ganze Levante Küche mit Humus und so weiter, wunderbare Küche, die auch ganz ganz pflanzlich ist. Die indische Küche, die vom Glauben ja schon wahnsinnig vegetarisch unterwegs sind, hat eine ganz ganz tolle pflanzliche Küche. Also weltweit Patrick: Gern da hoch! Ja, und das ist ... Und ich glaube, dass sogar eher die Küche sehr langweilig ist. Ich meine, gegen ... Ich bin ja in Deutschland aufgewachsen, bin sogar in Köln aufgewachsen. Wer behauptet, Kölsch hätte Geschmack? Kann man darüber diskutieren. Ich weiß, jetzt werd ich gesteinigt, und das auch noch kurz nach Karneval. Aber ein Kölsch ohne Alkohol ist eben ein Bier, was schon vorher keinen Geschmack hat, mit noch weniger Geschmack. Und ich glaube, der richtige Ansatz ist eben nicht, überlegen, ich jetzt Wurst exakt nach, sondern was könnte ein Godo: Ja, ja. Patrick: Schönes Erfrischungsgetränk sein. Und eben in der Schweiz, was sehr gut bei alkoholfreien Bieren läuft, ist nicht das Lager, sondern das IPA. Das hat schon immer mehr Geschmack gehabt. Die Frage ist ... Ich glaube sogar, dass wäre gar nicht diese Diskussion über Ersatz ... Meine Eltern kommen doch aus dem Krieg. Da hat Ersatz so was Negatives. Godo: Ja, der Ersatz, Wort, da sag ich auch immer, das sind keine Ersatzprodukte, das sind Alternativen, das ist einfach aus Pflanzen Salami. Ich glaube, deswegen ist es bei Milch auch ganz gut geklappt, hat es bei Milch ganz gut geklappt. Milch darf ja nicht Milch heißen, pflanzliche Milch. Und die sind sofort auf die Zutaten gegangen und haben gesagt, das ist ein Haferdrink, das ist ein Sojadrink und so weiter. Und dann waren die Leute irgendwie woanders als das ist ein Ersatz für eine Kuhmilch. Und ich glaube, das passt schon. Wir brauchen Alternativen. wir brauchen trotzdem, wir brauchen ganz tolle pflanzliche Küche, aber wir brauchen auch eine pflanzliche Salami, eine pflanzliche Milch, eine pflanzliche Steak. Weil viele Menschen wie ich essen morgens nur mal gerne ein Wurstbrot. Und wenn ich, dann will ich jetzt keinen Humus, genau, dann will ich keinen Humus mir da drauf streichen oder mir eine Paprika da drauf legen, sondern ich will ein Salamibrot. Und dann hilft es mir einfach, wenn es da eine pflanzliche Salami gibt. Patrick: Ich weiß, wo du herkommst, aus welchem Land. Godo: Und deswegen, wir brauchen beides. Wir brauchen auf einmal die pflanzlichen Alternativen, aber auch eine ganz neue kreative pflanzliche Küche. Patrick: Ja, oder eben, also, als du gesagt hast, willst keinen Humus draufschmallen, Antipasti gehört aus Italien. Da muss ich gar nicht drüber nachdenken. Wenn du mir eine schlechte Salami, also eine gute Salami, ja, da bin ich ganz bei dir. Aber wenn ich Antipasti oder eine deutsche ... keine Ahnung, wie dieses Fleischextrakt da heißt, was immer rund ist und wo eigentlich ... Godo: Fleischwurst. Patrick: Fleischwurst, wo du gar nicht mehr weißt, was war eigentlich der Ursprungsstopftart dahinter. Dann weiß ich heute, was ich essen würde. Aber glaubst du, dass das ein Generationenthema ist? Ich finde das so herrlich, diese Abwehrkämpfe, die dann im Europaparlament noch gemacht werden. Da darfst du nicht Wurst nennen und so weiter. In der Schweiz haben wir das ja auch hinbekommen. Spielt das überhaupt noch eine Rolle? Godo: Ja. Das sind, glaube ich, so immer die Zuckungen, wenn eins, äh, eine Neuigkeit in einen Markt kommt. Diese Neuigkeiten dauern ja immer 30 bis 40 Jahre, bis sie sich wirklich durchgesetzt haben. Und das ist immer das Ruckeln, als das Auto gekommen ist, gegen die Kutsche. Da hat selbst der Gründer von Mercedes-Benz gesagt, wir werden nicht mehr als 1000 Autos verkaufen können, aus Mangel an Chauffeuren. Wo ich denke, ja, da hat, man sieht natürlich immer in seiner Zeit gerade das Neue sehr kritisch an. Und da gibt es dann immer im Europaparlament dann irgendwelche Leute, die dann gerne sagen, es muss alles so bleiben, wie es ist und da müssen wir dafür kämpfen. Das sind aber die Jungs, dann die Denkweise der Chauffeure haben, die dann nicht wirklich weiterdenken und sagen, was kann uns das in Zukunft bringen? Aber das gehört dazu. Patrick: Aber ich finde es wunderbar, dass du es erwähnst, weil, jetzt werde ich ein englisches Wort noch verwenden, weil eine der großen Fähigkeiten von Unternehmertum besteht eben darin, sich andere Realitäten vorstellen zu können. das heißt, das hat man immer Steve Jobs gesagt, Reality Distortion. Und es ist natürlich, man kann es negativ machen, die deutsche Automobilbranche kann sich nicht vorstellen, dass China Vorreiter ist. Auch da kann man Reality-Distortion machen. Das ist immer so schwierig, sich eine andere Welt vorstellen zu können. Und Steve Jobs hat das mal wunderbar zusammengefasst. Die wichtigste Erkenntnis, die er in seinem Leben hatte, war, dass alles, was man ⁓ uns herum sieht, von Menschen gemacht wurde. Und jetzt ist ein typischer Steve Jobs Satz, die nicht intelligenter sind, als man selber war. Wenn man das mal begriffen hat, kann man das ändern. Du scheinst das irgendwie als Industriekaufmann schon mitbekommen zu haben. Wie denkst du darüber nach? eben, alles, wir sehen, sind menschliche Konstrukte. Es gibt natürlich die Physik, auch klar. Naturwissenschaften, all diese Themen, Proteine und so weiter brauchen wir. Aber können wir uns so eine Welt vorstellen? haben wir genügend von diesen Visionären, die das dann nachher auch umsetzen? Godo: Und ich finde auch... Wir haben uns ja immer weiterentwickelt und ich sage auch immer bei 8 Milliarden Mündern, wir haben ja auch 8 Milliarden Gehirne auf Erden. Und diese 8 Milliarden Gehirne, da werden genügend dabei sein. Ich fand auch Steve Jobs immer super spannend, weil der hat auf der Metaebene ganz groß gedacht, ist aber immer in das Detail reingegangen und hat seine Entwickler genervt. Das muss jetzt noch schöner und das Handy muss auch von innen richtig gut aussehen, wenn man das mal auseinander baut und... der konnte Metaebene aber auch detailverliebt sein. Und ich glaube, da gibt es viele Menschen, die diese Neugierde und diese Leidenschaft in sich haben. Die werden immer Dinge vorantreiben, wo viele Menschen erst mal sagen, ⁓ das mag ich nicht. Und du musst auch eine Voraussetzung haben, dass du Gegenwind abkannst. Also wenn du so was Neues vorantreibst, das geht mir ja heute noch so nach 15 Jahren, dass man doch angefeindet wird aus der alten Branche, aus Leuten, die mich heute noch sagen, ⁓ da kommt der Veggie-Kerl schon wieder. Wo man sagt, ja, da musst du halt mit leben. Und auch bei Rügenwalder, bevor wir das eingeführt haben, ich drei Jahre lang gegen 499 von 500 Menschen gekämpft, die gesagt haben, lass uns nicht so einen Schwachsinn machen. Und nur einer stand hinter mir, das war Gott sei Dank der Inhaber. Sonst hätte ich das gar niemals durchgekriegt. du musst auch Gegenwind aushalten. Patrick: Das scheint einer der Hauptfähigkeiten heute zu sein, der Umfrage die lautesten Schreier sofort zu folgen. Wir haben ja eine relativ große Mehrheit, die eigentlich sehr viel offener sind. Aber dann gibt es eine Mehrheit, die andere, die Bild-Zeitung zitiert. Und dann hat man das Gefühl, man muss die Politik in diese Richtung ausordnen. Lassen wir die Politik draußen. Was würdest du denn mitgeben Leuten, die glauben, dass es geht? Das wären so deine drei Punkte oder generell Punkte, die du ihnen mitgeben wolltest. Godo: Ich glaube, du hattest gerade dieses nette Zitat von Steve Jobs und mit dem können wir uns, glaube ich, alle dann mal bisschen anfreunden. Jeder Mensch kann irgendwas Großes voranbringen. Also wenn ich mich jetzt angucke, der für das Thema pflanzliche Ernährung schon eine Menge gemacht hat. Ich bin nie in großen Konzernen gewesen. Ich habe wenig, ich habe meinen Heimatort nie verlassen, bin immer hier in diesem kleinen 14.000 Menschen-Cuff geblieben. Mein Englisch Patrick: Aber damit bist du der beste Verkäufer. Ich habe Schweizer Unternehmer in Japan erlebt, aber die wussten, was sie erzählten. Godo: Und jeder Mensch kann mit Leidenschaft Dinge voranbringen, wo man vielleicht denkt, das bringt ja nichts, das kann ich ja sowieso nicht. Und ich glaube, das ist, bei jedem zünden muss. Ich weiß aber auch, das haben vielleicht auch nur so 10, 20 Prozent der Menschen in sich, die auch Bock darauf haben. Es gibt eben auch eine Masse an Menschen, die sagen, nee, das will ich gar nicht. Ich komme ja mit meinem Leben gut klar. Ich kriege mein Geld, habe meine Familie und ich muss nirgendwo anecken. Also ist ja auch irgendwie was komisches in einem, wenn man sowas mag. Patrick: Vielen herzlichen Dank. Wir sind schon bei einer Stunde. Dementsprechend, wir könnten noch, glaube ich, ganz lange weiter reden. Vielen herzlichen Dank und es war eine Freude mit dir zu reden. Godo: Danke, gleichfalls, Patrick.