Maximilian Gamperling: Wenn ein Unternehmen in einen Index wie den Dow Jones, den S &P 500 oder auch den DAX aufgenommen wird, vermuten viele, dass die Aktie weiter steigen muss. Die Realität sieht aber anders aus und dass das auch statistisch begründet ist, das schauen wir uns gleich etwas genauer an. Und wenn dich das interessiert, dann bleibt dran, gleich geht's los. Hallo und herzlich willkommen auf meinem Kanal. Name ist Maximilian Gamperling und wir sprechen heute darüber, ob es sinnvoll ist, Unternehmen zu investieren, die in ein Index aufgenommen werden oder ob das überhaupt positiv oder vielleicht sogar eher negativ sein kann für eine Aktie. Gerade zuletzt gab es ja viele Diskussionen ⁓ den Börsengang von SpaceX und die Aufnahme in den NASDAQ 100 bzw. die Nichtaufnahme in den S &P 500 und viele haben natürlich vermutet, dass aufgrund der hohen Nachfrage nach Weltraum Aktien, Hype rund ⁓ SpaceX und die schnellen Aufnahmen in den NASDAQ 100, die Aktie unbedingt weiter steigen muss. Tatsächlich ist sie aber eher gefallen. Und wir wollen uns heute mal anschauen, auch auf Basis von historischen Beispielen, aber auch aktuellen Beispielen, ob es gut ist, davon auszugehen, dass eine Aktie weiter steigt, wenn sie in ein Index aufgenommen wird, oder ob das eher sogar vielleicht nach hinten losgeht. Was wir auch schon sehen können, ist, wie unterschiedlich die Indizes mit solchen Dingen umgehen. Beim NASDAQ 100 war es tatsächlich so, dass man die Regeln umgeschrieben hat, nur ⁓ SpaceX möglichst schnell in den Index aufnehmen zu können, während der S &P 500 genau diese Regelveränderung abgelehnt hat und die Aufnahme von SpaceX, ⁓ eben anhand der Regeln festzuhalten. Da ist natürlich auch die Frage, wie ist denn das Regelwerk, wenn Unternehmen in ein Index aufgenommen werden? Ist das auf Basis von persönlichen Entscheidungen irgendeines Komitees oder basiert das rein auf Regeln? Und die Realität, die liegt irgendwo dazwischen. Denn wir haben hier mal den S &P 500, den Nasdaq und den Dow Jones als Regelwerk mal nebeneinander gestellt. Und was man sehen kann, ist, dass es durchaus Regeln gibt. Zum Beispiel darüber, an welcher Börse die Unternehmen beteiligt sind, wie groß die Unternehmen sind, welche Profitabilität sie haben, wie Liquide, welcher Streubesitz, welche Börsenhistorie und so weiter und so fort. Das kann man sich im Detail auf den einzelnen Unternehmensseiten dann auch noch mal genauer nachlesen bzw. auf den Seiten der Indexanbieter. Aber es gibt auch wesentliche Unterschiede. Während wir z.B. bei allen diesen Indizes eine gewisse regelbasierte Grundauswahl sehen, also gewisse Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, ist es z.B. beim S &P 500 und auch beim Dow Jones so, dass immer am Schluss ein Komitee darüber entscheidet, welche Unternehmen aufgenommen werden oder nicht. Das heißt, das wird sich angeschaut. Welche Firmen im Index erfüllen vielleicht nicht mehr die Kriterien oder welche Firmen, nicht im Index sind, erfüllen die Kriterien besser und dann wird eben darüber diskutiert und abgestimmt, welche Unternehmen dabei aufkommen. Der S &P FUNDWORD macht das recht regelbasiert und da ist das Komitee am Schluss sozusagen noch mal ein zusätzliches Entscheidungskriterium, die finale Sicht auf die Dinge. Beim Dow Jones spielt das Komitee noch eine viel größere Rolle, denn das Ziel ist bei gerade mal 30 Aktien, die in dem Index enthalten sind, eben die amerikanische wirtschaft bestmöglichst abzubilden das ist natürlich bei 500 unternehmen und wo eigentlich die 500 größten us-unternehmen enthalten sind ein bisschen einfacher als wenn es nur 30 sind da ist ein bisschen mehr naja ich sag mal persönliche gusto enthalten und dann haben wir noch den nestek 100 der ja ein relativ simples regelwerk hat da geht es im prinzip ⁓ die 100 größten nichtfinanzunternehmen an der nestek das heißt das sind nur unternehmen die auch an der nest Deck gelistet sind und eben alles, was nicht Finanzunternehmen sind. da ist die Auswahl schon relativ klar, das Regelwerk dann auch und da spielt ein Komitee eigentlich gar keine große Rolle. Würde man denken, zumindest mal war das bisher so der Fall, aber wir haben jetzt bei SpaceX gesehen, dass es dann doch ein Komitee gibt, das dann halt einfach mal das Regelwerk umschreibt, damit SpaceX aufgenommen werden kann. Also insofern ist da doch überall noch irgendwo die menschliche Hand mit dabei. Nur eben mal mehr oder weniger. Und es gibt eben doch durchaus Unterschiede, je nachdem, wann und wie so ein Unternehmen in einen Index aufgenommen wird. Und das ist auch nicht so, dass es immer gleich ist. Das denkt man ja vielleicht auch, dass es da so Rhythmen gibt, wo dann immer die gleiche Anzahl Unternehmen rein und raus geht. Und wir sehen jetzt hier auf Basis des Nasdaq 100 über die Jahre hinweg, dass natürlich immer die gleiche Anzahl rausfliegt, wie rein kommt. Aber pro Jahr kann sich das durchaus sehr unterscheiden. Wir sehen auch, es gibt eben solche offiziellen Daten, an denen Unternehmen auf- und rausgenommen werden. Aber es gibt dann auch sogenannte off-cycle-Veränderungen, wo dann eben unterjährig mal etwas angepasst oder verändert wird, wenn dann dieses Komitee, was ja eigentlich gar nicht so zentral ist im Nestlecan 100, dann das doch eben mal entscheidet. Und da sieht man doch, dass da viel mehr Veränderungen pro Jahr stattfinden, als einem eigentlich vielleicht so bewusst ist. Und dann kommt mal irgendwann die Nachricht, Aktie XY wird in den Index aufgenommen. oder fliegt raus und dann denkt man super jetzt muss die aktie weiter steigen immer investiert ist oder jetzt gehe ich rein weil das ganze steigt aber statistiken zeigen dagegen das gegenteil ist der fall also man hat hier mal oben auf der einen seite die aufnahmen in den index und hier unten mal die herausnahmen aus einem index aufgelistet und zwar auf basis des s &p 500 und was man hier sehen kann und das sind jetzt mal durchschnittswerte oder auch mittelwerte das im prinzip bevor eigentlich überhaupt bekannt wird, dass ein Unternehmen in den Index aufgenommen wird, dass die Aktie schon steigt. Das ist also bisschen die Gerüchte, die hochkommen. Man hört das schon häufig. Wahrscheinlich wird die und die Aktie in den Index aufgenommen. Und dann wird sozusagen ja vorab schon gekauft. Dann kommt das offizielle Ankündigungsdatum. Beziehungsweise dann wird angekündigt, ja die und die Unternehmen werden aufgenommen. Dann geht es noch weiter nach oben. Sobald aber die eigentliche Aufnahme passiert in den Index, sinken die Aktien eher nach unten. Das ist so im Schnitt die 35 Tage bzw. die 1-2 Monate nach Aufnahme geht es eigentlich mit der Aktie eher weiter nach unten. Was passiert da? Im Prinzip ist es so, das sind dann eher kurzfristige Trader, die da aktiv sind. Das heißt dann in Amerika so klassischerweise buy the rumor, sell the news, also kaufe das Gerücht, verkaufe die eigentliche Nachricht. Und das ist genau das, was wir sehen. Das sind dann Trader, die eben davon ausgehen, die antizipieren, dass es da eine Änderung gibt. Die wissen, dass es viele Privatanleger gibt, die dann die natürlich dann auch wissen, dass es da viele ETF-Anbieter und Co. gibt, die dann eben ihre Indizes anpassen müssen bzw. ihre ETFs. Darauf basierend passiert das alles hier. Wenn dann aber diese Umstellungen stattgefunden haben, dann wird abverkauft, weil dann ist ja das eigentliche Thema erledigt und dann geht es nach unten. Und genau das Gleiche passiert, nur umgekehrt, wenn eben Firmen aus einem Index herausfließen, nur hier eben bisschen volatiler und ein bisschen schwankender, nicht ganz so klar, wie wir das hier bei der Aufnahme haben. Es gibt auch ganze Studien dazu, die das ebenfalls bestätigen und dann noch mal ein bisschen klarer herauskristallisieren und herausarbeiten, dass das vor allen Dingen eigentlich kurzfristige Effekte sind und interessanterweise eben auch hier die Aktien, die aus einem Index herausgeflogen sind, meistens die Aktien outperformen, die in ein Index aufgenommen worden sind. Also im Prinzip genau das Gegenteil, was man vermutet. Langfristig kann man aber diesen Effekt nicht erkennen. Das sind eher so kurzfristige Trading-Effekte. Langfristig richtet sich dann doch nach der tatsächlichen Geschäftsentwicklung des Unternehmens. Und da wollen wir uns jetzt mal ein paar Beispiele der jüngeren Historie anschauen, die da relativ passend für sind. Da haben wir nämlich zum Beispiel hier Salesforce. Das Unternehmen ist hier Mitte Ende 2020 in den Dow Jones aufgenommen worden, genauer gesagt im August. Erst wurde das angekündigt, eine Woche später ist dann die Aufnahme erfolgt. Man sieht hier auch sehr schön wieder, das hängt aber auch so ein bisschen mit der Pandemie zusammen. Also das hat sich so ein bisschen überlagert 2020. das im Vorfeld eben hier gekauft worden ist. Dann kam die Ankündigung, dann ging es mit der Aktie nochmal schlagartig nach oben und danach kam eben hier der Abverkauf, vor allen Dingen kurzfristig. Wenn man sich das noch ein bisschen längerfristig anschaut, sieht man auch, dass es mit Salesforce seitdem eigentlich nicht wirklich vorangegangen ist. Das kann man jetzt natürlich ein bisschen auf den Index schieben. Viel wahrscheinlicher ist aber einfach, dass das hier auch mit der Bekanntgabe von JGPT, was ja Ende 2021 sozusagen veröffentlicht worden ist oder 2022, bin ich mir gerade nicht so sicher. Aber seitdem tun sich ja Software-Aktien per se schwer und seitdem geht es ja jetzt nicht mehr ganz so nach oben. Also da überlagern sich so paar Dinge, aber man sieht seit die Aktien im Dow Jones geht es nicht so richtig voran. Übrigens, für was ist Salesforce in den Dow Jones gekommen? Ja, Exxon Mobil, die wurden rausgeworfen zum gleichen Datum. Wir sehen hier die Ankündigung, dann ging es eben auch nach unten. Und dann, nachdem sozusagen der Exxon Mobil ausgeschieden ist, ging es noch mal ein bisschen nach unten. Auch das sehen wir hier so ein bisschen die Pandemie-Effekte. Und seitdem ist die Aktie deutlich nach oben weggestiegen. Auch das hängt mit Sicherheit nicht nur mit dem Index zusammen, sondern da ja natürlich mit den gestiegenen Energiepreisen durch den Ukrainekrieg und jetzt eben auch durch den Irankrieg. Also insofern sind da noch ein andere Dinge am Werk. Aber es ist schon interessant, wie diese Indizes häufig mal so ein bisschen bei ihrer Entscheidung hinterher hinken. Wenn man da auch mal andere, ein bisschen historischere Beispiele anschaut, gucken wir hier mal auf Tesla. Zum Beispiel hier sehen wir auch aus 2020 ein bisschen später dann hier im November. Da ging es im Vorfeld schon stark nach oben. Auch da hing das mit Sicherheit nicht nur mit der Aufnahme in den Index zusammen, aber man sieht es eben schon, dass auch dann mit der Ankündigung der Aufnahme die Aktie noch weiter gestiegen ist. Dann, als die Aufnahme in den Dow Jones erfolgt ist, ging es noch ein bisschen weiter nach oben, aber dann erst mal so ungefähr ein paar Monate nach unten. Dann kam noch ein kleiner Schub nach oben, aber dann lange, lange Zeit eigentlich noch zur Seite. auch da war die Aufnahme in Index jetzt nicht noch mal das Signal, jetzt muss es weiter nach oben gehen. sondern das war eher so das Signal, vielleicht ist da der Großteil der Bewegung schon hinter uns. Interessanterweise auch bei Airbnb, hier hatten wir etwas in 2023, da ist eigentlich gar nicht viel im Vorfeld passiert. Wir sehen aber vor der Ankündigung, da ging es auch schon hier so bisschen nach oben, dann mit der Ankündigung gab es noch mal einen kleinen Schub, dann wurde man hier in den S &P 500 aufgenommen und seitdem bewegt sich hier eigentlich nicht allzu viel. Das ist aber nicht immer der Fall. Wir haben auch zum Beispiel Beispiele wie Honeywell. Da sehen wir, es langfristig jetzt hier eher weiter nach oben geht. Beziehungsweise, Entschuldigung, wir sind jetzt hier bei Amgen, nicht bei Honeywell. Und auch da sehen wir jetzt eben hier, wie es vor der Ankündigung nach oben gegangen ist. Dann nach der Aufnahme in den Dow Jones, ging es hier eher nach unten und seitdem eine ganze Weile zur Seite und dann aber eben langfristig hat sich das Ganze auf Basis der Gewinne von Amgen weiterentwickelt. Wenn wir hier mal nach Deutschland schauen, da gibt es auch ein sehr prominentes Beispiel. Scout24, das Unternehmen ist nämlich hier 2025 in den DAX aufgenommen worden. hier nach einer sehr langen, sehr starken Steigerungsphase. Dann ging die Aktie schon nach unten. Das heißt, die Aufnahme in den Index, die hat gar nicht mehr für allzu viel Begeisterung gesorgt. Als der Wert dann in den DAX aufgenommen worden ist, ging eigentlich der Abverkauf nur noch weiter. Also auch hier nicht unbedingt ein Beispiel dafür, dass die Aufnahme in Index unbedingt hilft. Und da stellt sich natürlich die Frage, jetzt seit kurzem ist auch Alphabet hier in den Dow Jones aufgenommen worden. Die Ankündigung hat gar nicht mehr so viel Positives bewirkt. Zuletzt ging es hier wieder ein bisschen nach oben. Auch da nach einer sehr starken Bewegung über die letzten Jahre hinweg, da ist natürlich so bisschen die Frage, ist das nicht vielleicht ihren Kontrasignal für Alphabet, wenn man sich mal anguckt, was bei den anderen Unternehmen passiert ist. Und dafür musste eben hier Verizon rausfliegen. Verizon sehen wir lange Zeit hier das Telekommunikationsunternehmen nicht vorangekommen. Und dann sehen wir jetzt hier mit der Ankündigung des Ausscheidens aus dem Index ging es ein bisschen nach unten. Dann mit dem Ausscheiden aus dem Dow Jones ist jetzt noch nicht allzu viel passiert. Aber da sehen wir schon, dass wir eigentlich seit 2024 schon langsam in so einer Erholungsbewegung drin sind. Also vielleicht ist das ja so eine Art Gegensignal zu dem, was wir jetzt eigentlich bisher vermuten würden, dass eine Aufnahme in Index positiv ist oder eine Herausnahme aus dem Index negativ. Und damit kann man eigentlich festhalten, dass es im Prinzip so ist, dass man diesen Aufnahmen in ein Index nicht allzu viel Gewicht beimessen sollte, sondern eher so bisschen als Warnsignal sehen sollte und nicht unbedingt als Signal jetzt zu kaufen. ist meistens eher so, dass diese Erwartung an die Indexaufnahme zu einer Kurssteigerung führt, aber die eigentliche Aufnahme dient nicht unbedingt, sondern langfristig entscheidet sehr viel mehr die Gewinnentwicklung eines Unternehmens über die tatsächliche Entwicklung ganz unabhängig von der Indexaufnahme. Das heißt, wenn man langfristig investiert, dann sollte das eigentlich gar keine allzu große Rolle spielen. Aber wenn man nur wegen einer Indexaufnahme in eine Aktie reingeht, dann sollte man sich das durchaus noch mal gut überlegen. Ich hoffe, das Ganze war interessant für dich. Falls ja, hinterlasst mir einen Daumen nach oben, abonniert den Kanal, falls noch nicht geschehen. Und ansonsten freue ich mich, wenn wir uns nächste Video wiedersehen oder im nächsten Podcast wieder hören. Bis dahin wünsche ich weiterhin viel Erfolg an der Börse und mach's gut.